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So teuer ist Autofahren wirklich – für uns alle!

Auto, Käfer, Straße
Unsplash.com / Erik Odin
geschrieben von Marinela Potor

Autofahren ist teurer als man denkt – und zwar für die ganze Gesellschaft. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zu den „wahren“ Autokosten in Deutschland. 

Wer ein Auto besitzt, hat natürlich auch gewisse Kosten. Dazu gehören nicht nur der Kaufpreis oder der Sprit, sondern unter anderem auch Kosten für Versicherung, Wartung oder Reparaturen. Doch darüber hinaus kostet das Autofahren uns alle sehr viel mehr als wir denken, und zwar als Gesellschaft.

Das ist das Ergebnis einer Studie, die sich mit den wahren und versteckten Kosten vom Autofahren in Deutschland beschäftigt hat. Demnach kostet ein einzelnes Auto die Gesellschaft bis zu 5.000 Euro jährlich. Das sind Kosten, die nicht etwa die Besitzer:innen selbst tragen, sondern wir alle, ganz gleich, ob wir Auto fahren oder nicht.

Auto: Kosten für Umwelt und Gesellschaft

Die Studie, „The Lifetime Cost of Driving a Car“ (in etwa: die lebenslangen Kosten des Autofahrens) ist im Fachmagazin Ecological Economics erschienen. Im Kern der Studie stand die Frage, was die wahren Kosten eines Autos in Deutschland sind.

Und dazu gehören eben nicht nur die Kosten, die unmittelbar mit dem Fahrzeugbesitz verbunden sind, sondern auch gesellschaftliche Kosten.

Das sind etwa die Lebenszeit, die wir im Stau verschwenden oder die Gesundheitskosten, die durch die Luftverschmutzung oder Unfälle entstehen. Auch die Tatsache, dass Autos uns viel Platz wegnehmen ist ein sozialer Kostenpunkt, genauso wie Lärmbelastung und natürlich die negativen Effekte aufs Klima.

Viele Autofahrenden sind sich über diese (versteckten) Kosten ihres Fahrzeugs nicht bewusst. Doch, so die Forschenden, kann Aufklärung über die wahren Kosten eines Autos auch dazu führen, dass mehr Menschen die Anschaffung eines Autos überdenken.

So berechnen sich die wahren Kosten für ein Auto

Um herauszufinden, was ein Auto in Deutschland wirklich kostet, hat ein Team aus Forscher:innen aus Deutschland, Schweden, Norwegen und Kanada die Preismodelle von drei verschiedenen Autos analysiert.

Dafür haben die Autor:innen einen Kleinwagen, einen Kompaktwagen und einen SUV gewählt und aus jeder Klasse das jeweils beliebteste Modell in Deutschland herangezogen: einen Opel Corsa, einen VW Golf und einen Mercedes GLC.

Als Grundlage für die Berechnungen sind die Wissenschaftler:innen von einer jährlichen Kilometerzahl von 15.000 Kilometern und einer Lebensdauer von 50 Jahren für ein Auto ausgegangen. Anschließend haben sie 33 verschiedene Kosten-Kategorien definiert.

Gesellschaft subventioniert jedes Auto mit rund 5.000 Euro pro Jahr

Diese umfassen die privaten Kosten für Autobesitzer:innen wie etwa den Kaufpreis, Versicherungen, Werteverlust, Ölwechsel, Reifenwechsel, Autowäsche, Steuern, Parkgebühren und vieles mehr.

Dazu kommen dann aber jeweils noch die sozialen Kosten. Diese reichen von Autounfällen und Straßenreparaturen über Emissionen und Ressourcenverbrauch bis hin zu Platzproblemen. Mit all diesen Kosten kommt die Studie zu folgendem Ergebnis:

Ein Opel Corsa würde mit allen sozialen und privaten Ausgaben in einem Autofahrerleben 599.082 Euro kosten. Der VW Golf läge bei 653.561 Euro und der Mercedes GLC bei 956.798 Euro. Viele dieser Ausgaben entfallen natürlich auf die Autobesitzer:innen selbst.

Doch gesellschaftlich tragen wir ebenfalls einen Teil der Kosten. Beim Opel Corsa subventioniert die Gesellschaft das Auto mit 41 Prozent, beziehungsweise 4.674 Euro pro Jahr. Beim Golf sind es 38 Prozent oder 4.755 Euro jährlich und beim Mercedes GLC 29 Prozent oder 5.273 Euro in jedem Jahr.

Diese Ausgaben haben wir durch die gesellschaftlichen Auswirkungen des Autofahrens unabhängig davon, ob wir selbst ein Auto besitzen oder nicht. Zum Vergleich: Ein Jahresticket für die Öffis kostet in einer deutschen Großstadt im Schnitt 930 Euro.

Autos teurer machen bringt Kostenvorteile

Es sei wichtig, sich dieser Probleme und der versteckten Kosten bewusst zu sein, heißt es in der Studie. Denn in Diskussionen über CO2-Besteuerungen oder steigende Spritpreise regt sich häufig Widerstand. Das Gegenargument gegen solche Maßnahmen: Damit würde man vor allem Haushalte mit niedrigeren Einkommen belasten.

Doch was viele nicht bedenken: Wenn Autofahren auch für Privatpersonen teurer würde, hätte dies insbesondere für ärmere Bevölkerungsschichten viele Vorteile. Wer etwa zu Fuß geht oder Fahrrad fährt, ist fitter und profitiert auch langfristig gesundheitlich.

Weniger Emissionen und Autolärm würden ebenfalls positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben. Gleichzeitig würden wir mehr Lebenszeit gewinnen, wenn wir etwa nicht täglich eine Stunde im Stau stünden. Und auch Kinder würden sicherlich davon profitieren, wenn der Spielplatz nicht einem neuen Parkhaus weichen müsste.

All das würde langfristig viele Ersparnisse sowohl für Regierungen als auch für Privatpersonen bringen. Doch darüber hinaus hätte es auch einen Vorteil, der sich schwer in Geld messen lässt: Es würde die Lebensqualität verbessern.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitäts- und Technologietrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

7 Kommentare

  • Ach, da redet man sich das aber schön. Vergleichen wir mal 5000€ gegen ein ÖFFI Ticket für 930€. BAH, ;Auto ist so böse. Nur das man mit dem Bus, egal in welcher Region, nicht überall hinkommt. Mit dem Bus fahre ich nicht mal in den Urlaub oder ins Movie World. Schwer mit dem Bus Nachts irgendwo hinzukommen oder andere Sachen. Und nein, wir müssen das ÖFFI System besser ausbauen. In meiner Stadt fährt ein Bus jede Stunde, ab 18 Uhr nicht mehr und am Wochenende noch seltener. Nein, muss nicht ausgebaut werden, weil wir mit unseren 35.000 Einwohnern es nicht brauchen, da fährt keiner, warum auch. Auch wenn der Bus jede 5 Minuten kommen würde, das ist einfach unwirtschaftlich.

    Und der Satz, dann gehen wir halt mehr spazieren und müssen nicht mehr eine Stunde im Stau stehen. JUNGE; JUNGE. Naja, dann schaffen wir mal so eben 30% aller Jobs ab, weil die Leute ja nicht mehr Autofahren müssen, die können ja entweder alle einen Fingerschnipps in der Nähe Ihres Jobs leben oder hey, sich umorientieren. Einfach mal gucken, was in diesem 35.000 Dorf so gefragt ist und sich dort einen Job suchen. Dann wären wir alle doch viel glücklicher, wenn wir nicht mehr so weit fahren müssen. Gewinnen wir doch alle Lebenszeit dazu, weil wir alle unsere Jobs um die Ecke haben.

    • Hallo Frank,
      danke dir für deine Einsichten. Keine Frage, im ländlichen Raum ist die Situation eine andere als in großen Metropolen. Es geht hier aber auch nicht darum, jemandem sein Auto abzusprechen, sondern lediglich um eine Studie, die einfach ausgerechnet hat, wie viel der persönliche Autobesitz alle kostet und welche Aspekte in der Rechnung oftmals vergessen werden. Dazu gehört u.a. auch, dass uns Lebenszeit verloren geht, wenn wir im Stau stehen 🙂

      • Lebenszeit geht auch in jedem Amt, bei jedem Arztbesuch verloren. Quintessenz: Abschaffen?? Sicher muss auch über alternative Möglichkeiten der Fortbewegung nachgedacht werden. Aber nicht auf diesem Niveau. Ich lese hier NULL Kompromissbereitschaft und noch weniger Verständnis. Ich hoffe, dass alle, die an dieser „Studie“ mitgewirkt haben, NIE auf ein Auto angewiesen sein müssen und weiter glücklich in ihrer „Blase“ leben können.

  • Gegenrechnung: Was kostet es die Gesellschaft, keine Autos zu haben? Und bitte nicht nur dieses Individualverkehr-Bashing sondern inklusive Transporter, LKW, Landwirtschaftsmaschinen mit Verbrennungsmotor. Alle nutzen dieselbe Infrastruktur und leisten ihren Beitrag zu den CO2 Emmissionen.

    • Diese Studie hat sich in dem Fall bewusst auf Individualverkehr konzentriert. Du hast aber Recht, es gibt auch Makro-Studien zu dem Thema, die sowohl auf Güterverkehr eingehen als auch stärker die Vor- als auch die Nachteile einbinden. Tatsächlich ist es aber wissenschaftlich schwer, nicht-monetäre Aspekte (also eine bessere Gesundheit oder höhere Lebensqualität) zu bewerten. Was für einen Wert gibst du einem zusätzlichen Lebensjahr etwa? Oder der Möglichkeit, Amazon Prime zu nutzen?

  • Hallo Marinela, wie kann es sein, dass dein Artikel vom 08.02.22 heute bei GMX – sprachlich ein bisschen abgeändert, aber inhaltlich 1 zu 1, unter dem Autorennamen Katja Ollech veröffentlicht wurde. Bereits am 26.01. wurde ein sehr, sehr vergleichbarer Artikel in der Zeit veröffentlicht. Medialer Kampf gegen das Auto? Ich frage mich nämlich, wie jemand auf die Berechnungsgrundlage eines 50-jährigen Autolebens kommt? VG

    • Hallo Klaus,
      die Artikel, auf die du dich beziehst, sind sprachlich komplett unterschiedlich, da hat niemand irgendwo abgeschrieben. Sie beziehen sich allerdings alle auf die gleiche Studie. Und wenn eine Studie zu einem bestimmten Ergebnis kommt, und man darüber berichtet, ähneln sich die Artikel dann natürlich auch inhaltlich. Bislang gab es eine derartige Analyse von Autokosten noch nicht, weshalb viele Medien dies thematisch aufgegriffen haben. Daher siehst du vermutlich mehrere Artikel zu dem Thema.
      Viele Grüße!

      P.S. Du findest in der verlinkten Studie auch eine ausführliche Begründung zur Lebensdauer des Autos.

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