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Online-Transkriptionen von Gesprächen können in falsche Hände gelangen

Leuchtendes Schild: On Air
Bild: Anthony Torres
geschrieben von Felix Baumann

Wir sind in einer Zeit angekommen, in der wir Zugriff auf und Nutzung von Online-Dienste als Selbstverständlichkeit ansehen. Tagtäglich tauschen wir Nachrichten miteinander aus, schauen Filme auf Netflix oder Amazon Prime und lesen Nachrichten in Online-Magazinen. Normalerweise gehen wir davon aus, dass das keine großen Konsequenzen haben wird, trotzdem haben viele Services inzwischen eine große Macht über uns gewonnen.

Eine Erinnerung, dass nicht alle Inhalte, die wir generieren, privat sein müssen, kommt jetzt aus den Vereinigten Staaten. Denn das Magazin Politico hat den uigurischen Menschenrechtsaktivisten Mustafa Aksu interviewt und die Inhalte mittels des Online-Dienstes Otter.ai aufgenommen. Dabei handelt es sich um ein digitales Aufnahmegerät, dass Inhalte im Anschluss in der Cloud verfügbar macht.

Das ist an sich nichts Verdächtiges, schließlich gibt es heutzutage Dutzende Apps, die ähnliches anbieten, der Fall von Mustafa Aksu ist aber dennoch besonders. Denn als uigurischer Aktivist hat man gerne mal die chinesische Regierung an den Fersen. Ein Grund, weshalb Politico aufhorchte, als Otter.ai am nächsten Tag eine Umfrage durchführte.

Schild mit Aufschrift "Private"

Privatsphäre ist ein wichtiges Gut (Bild: Tim Mossholder)

Dabei wurde abgefragt, welchen Grund das Gespräch mit Aksu hatte, das Magazin sah sich also einmal die allgemeinen Geschäftsbedingungen des Dienstes genauer an. Und tatsächlich: Da Otter.ai ein amerikanisches Unternehmen ist, darf dieses im Falle eines Gerichtsbeschlusses einfach die Aufzeichnungen an Ermittlungsbehörden herausgeben.

Dieser Umstand ist inzwischen nichts Neues mehr, die meisten von uns dürften wissen, dass Inhalte auf amerikanischen Servern nicht zwangsläufig privat sind. Doch die plötzliche Umfrage nach einem solchen sensiblen Gespräch macht einen nachdenklich. Ein unglücklicher Zufall, wie Otter.ai verlauten ließ.

Denn der Hersteller schaltet regelmäßig Umfragen in seinem Tool, um die Software nachhaltig verbessern zu können. Der Name des Aktivisten wurde dabei genannt, da dieser im Titel des Gesprächs vorkam. Auch, wenn daran nichts Schlimmes ist, entschuldigte sich das Unternehmen und versprach, die Umfragefunktion abzuschalten. Trotzdem sollte jeder von uns immer im Hinterkopf behalten, wem er seine Daten preisgibt.

Via The Verge

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Über den Autor

Felix Baumann

Felix Baumann ist seit März 2022 Redakteur bei Basic Thinking. Bereits vorher schrieb er 4 Jahre für den Online-Blog Mobilegeeks, der 2022 in Basic Thinking aufging. Nebenher arbeitet Felix in einem IT-Unternehmen und beschäftigt sich daher nicht nur beim Schreiben mit zukunftsfähigen Technologien.