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Yoti im Test: Diese App erkennt dein Alter ohne persönliche Daten

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Pixabay.com / Tumisu
geschrieben von Christian Erxleben

Wie alt ist ein Mensch wirklich? Diese Frage ist für viele Unternehmen relevant – sei es an Flughäfen oder in sozialen Netzwerken. Das britische Identity-Start-up Yoti löst das Problem mit der Alterserkennung ohne persönliche Daten. Wir haben den Yoti Age Scan getestet.

Gesichtserkennung: Hohe Missbrauchsgefahr sensibler Daten

In einer immer digitaler werdenden Welt ist es für Firmen wichtig, dass sie ihre Nutzer:innen kennen. Wer seinen Personalausweis am Einwohnermeldeamt abholen will, muss persönlich erscheinen, um sich selbst und das eigene Alter zu bestätigen.

Für soziale Netzwerke beispielsweise gestaltet sich dieses Prozess sehr schwierig. Wie soll Instagram jeden Tag Millionen von Menschen überprüfen und kontrollieren, ob sie wirklich schon 13 Jahre alt sind?

Und auch Finanzinstitute – dazu gehören beispielsweise digitale Banken oder Neobroker wie Trade Republic – sind bei der Registrierung dazu verpflichtet, das Alter und die Identität der Interessierten zu verifizieren.

Das Problem dabei ist: Personalausweise und andere Pässe zur Identifikation sind hochsensibel. Wenn diese Daten bei der digitalen Bestätigung abgegriffen werden, ist die Gefahr eines Identitätsdiebstahls riesig. Deshalb bergen diese Prozesse große Datenschutz-Gefahren für die Firmen.

Yoti: Alterserkennung ohne Ausweis und persönliche Daten

Genau dieser Problematik hat sich das britische Unternehmen Yoti angenommen. Die Firma, die 2014 von Robin Tombs in London gegründet worden ist, hat sich auf die Entwicklung von Personen mittels Künstlicher Intelligenz spezialisiert.

Das Besondere dabei ist: Yoti verzichtet komplett auf personenbezogene Daten bei der Verifizierung des Alters. Die Nutzer:innen benötigen weder ein Geburtsdatum noch ein offizielles Dokument, um das Alter analysieren zu lassen.

Stattdessen setzt die App, die laut Unternehmensangaben schon über elf Millionen Mal heruntergeladen worden ist, auf neuronale Netzwerke in Kombination mit künstlicher Intelligenz.

Das bedeutet ganz konkret: Die Technologie hinter Yoti hat – vereinfacht ausgedrückt – durch Millionen über Millionen Daten gelernt, wie Menschen in einem bestimmten Alter aussehen. Dadurch genügt in der Theorie ein Foto, um das Alter eines Menschen zu bestimmten.

Yoti Test: Wie gut funktioniert der Age Scan wirklich?

Doch: Halten die Versprechungen der britischen Identity-Spezialisten auch dem Praxis-Test stand? Die Antwort darauf lautet: Ja und nein. In unserem Test von Yoti haben wir grundsätzlich sehr positive Erfahrungen gemacht.

Der Age Scan setzt auf intelligente Gesichtserkennung, um das Alter einer Person zu schätzen und eine Verifizierung vorzunehmen. Die Angaben schwanken dabei in einem Radius von drei bis vier Jahren.

Das heißt: Die für Nutzer:innen kostenlose Gesichtserkennung von Yoti, bei der keine Fotos gespeichert werden, gibt Altersspannen an. Konkret wurden unsere Testpersonen beispielsweise zwischen 29 und 33 Jahren geschätzt.

Das ist natürlich gefährlich, wenn es um ein konkretes Alter geht. Gibt es Zugangsbeschränken für Personen unter 13, 16 oder 18 Jahren ist es essenziell, das genaue Alter zu erkennen, um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen.

Äußerliche Veränderungen bringen Yoti im Test aus dem Konzept

Ebenso scheint es, dass beim Training der Künstlichen Intelligenz einige Rollen unterbewusst und unabsichtlich implementiert worden sind.

So haben wir in unseren Tests beispielsweise festgestellt, dass die Testpersonen mit Brille immer um ein bis zwei Jahre älter geschätzt worden sind, als die selben Testpersonen ohne Brille. Das wirft selbstverständlich berechtige Fragen auf, wie gut die Gesichtserkennung tatsächlich funktioniert.

Dementsprechend fällt unser Fazit zum Yoti Age Scan gemischt aus. Die Technologie hat immer die richtige Altersspanne erkennt – in allen Tests. Allerdings haben sich die Ergebnisse auch verhältnismäßig leicht manipulieren lassen.

Wie verdient Yoti sein Geld?

Diese Frage stellt sich der interessierte Nutzer früher oder später. Darauf gibt das britische Identity- und KI-Unternehmen eine klare Antwort.

The Yoti app will always be free for individuals. We make money by charging businesses to check the identity details of their customers.

Oder vereinfacht ausgedrückt: Yoti verdient nicht am Handel oder der Bereitstellung von persönlichen Nutzerdaten an Werbungtreibende, sondern wird von den Kooperationspartnern für die Dienstleistungen bezahlt. Auf diese Art und Weise garantiert Yoti seine Unabhängigkeit.

Wo kommt die Gesichtserkennung von Yoti zum Einsatz?

Der Erfolg von jungen Technologie-Firmen wie Yoti steht und fällt sprichwörtlich mit den Kooperationspartnern. Und genau an dieser Stelle ist es der Unternehmensführung in den vergangenen Jahren erfolgreich gelungen, wichtige Deals abzuschließen.

So setzt unter anderem das soziale Netzwerk Instagram seit dem Sommer 2022 zur Altersverifizierung von neuen Nutzer:innen auf die Technologie von Yoti. Auch der Ableger Virgin Games, das zum Imperium von Sir Richard Branson gehört, nutzt für die Online-Casinos die Künstliche Intelligenz.

Ebenso finden sich der Großflughafen London Heathrow, die Behörden in Jersey sowie die britische Post auf der Liste der Kunden von Yoti. Diese Namen alleine zeigen schon, dass die entwickelte Technologie im Alltag offenbar zuverlässigere Ergebnisse liefert, als in den kostenlosen Online-Tests.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig. Durch seine Arbeit im Social-Media- und Marketing-Ressort der INTERNET WORLD Business, am Newsdesk von Focus Online und durch sein Journalismus-Studium sowie sein redaktionelles Volontariat hat er in den Bereichen der Redaktion und des Social Media Managements mehrjährige, fundierte Erfahrung gesammelt. Beruflich und privat beschäftigt er sich mit Social Media, New-Work-Konzepten und persönlicher Entwicklung.

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