Wirtschaft

10 Tipps für den Start mit dem eigenen Unternehmen

Tipps Unternehmen, Gründer, Start-up
Adobe Stock/ Yurii
geschrieben von Carsten Lexa

Wenn Gründer:innen mit ihrem eigenen Unternehmen starten wollen, dann gibt es Ratschläge „en masse“. Diese reichen vom Umgang mit Businessplänen bis hin zu Fragen der Finanzierung oder dem Vertrieb. Anbei zehn Tipps für Unternehmen im Jahr 2023, die sich aus meinen Gesprächen mit Gründer:innen ergeben haben. 

Unternehmen: Tipps für den Start

1. Kläre, was dich antreiben wird

Stell dir die Frage, warum du ein Unternehmen gründen willst. Geld machen bzw. Geld verdienen alleine wird als Antrieb nicht ausreichen und wird insbesondere nicht ausreichen, dich auf deine Geschäftsidee zu konzentrieren.

Denn Geld kann man auf viele Arten verdienen. Und auch Bekanntheit alleine macht dein Unternehmen nur in den seltensten Fällen groß, reicht also als Antrieb alleine nicht aus. Du solltest deshalb wissen, woher deine innere Motivation kommt.

2. Welche Problem wird von deinem Unternehmen gelöst

Die besten Unternehmen haben ein Problem identifiziert und dafür eine Lösung angeboten. Es geht bei der Unternehmensgründung nie darum, einfach nur „ein Unternehmen zu haben“ oder etwas zu machen, was andere schon machen.

Es geht darum, innovativ zu sein und ein echtes, existierendes Problem von Menschen mit einer Lösung zu versehen, die im besten Fall so noch von keinem geboten wird.

3. Schaffe ein Produkt oder eine Dienstleistung, die zeitlos ist

Viele Gründer:innen springen auf aktuelle Trends auf. Mit diesen kann man gutes Geld verdienen. Problematisch ist aber, dass jeder Trend irgendwann endet. Aus diesem Grund ergibt es Sinn sich zu überlegen, welches Produkt oder welche Dienstleistung ständig gebraucht wird, also gerade keinem Trend unterliegt und so zeitlos ist. Das sind Angebote, die großen Wert generieren, sich über einen langen Zeitraum vermarkten lassen und im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verbessert werden können.

4. Baue frühzeitig Prozesse und Systeme auf, die skalierbar sind

Als Gründer:in bist du am Anfang zuständig für das operative Geschäft, das Marketing, die Finanzen, die Strategie, die Produkte/ Dienstleistungen, das Personal, et cetera. Du kümmerst dich also um alles.

Da aber im Laufe der Zeit (hoffentlich) immer mehr Mitarbeiter immer mehr Aufgaben übernehmen werden, macht es Sinn, so früh wie möglich unternehmerische Prozesse und Systeme zu etablieren, die leicht erweitert und skaliert werden können.

So halten Prozesse und Systeme mit der unternehmerischen Entwicklung mit und müssen in der Wachstumsphase nicht andauernd ausgetauscht werden.

5. Achte auf ein gutes Team

Am Anfang ist das Team der Gründer:innen und Mitarbeiter klein. Das bedeutet aber auch, dass sich Fehler bei der Auswahl der Personen, die das kleine Team ergänzen, schnell gravierend auswirken können. Fähigkeiten und Kenntnisse bei diesen Personen sind wichtig, aber noch wichtiger ist die richtige Einstellung, das richtige Mindset.

Man sollte also darauf achten, dass diese Personen verstehen, was die Idee des Unternehmens ist und welche Vision es verfolgt, diese teilen, selbständig arbeiten können und auch erkennen, welche Arbeiten „außer der Reihe“ erbracht werden müssen und dass sie verstehen, dass „Arbeiten nach Vorschrift“ keine Option in einem jungen Unternehmen ist.

6. Kommunikation ist das A und O

In meinen Gesprächen höre ich immer wieder, dass insbesondere am Anfang die Kommunikation einen entscheidenden Stellenwert einnimmt. Viele Dinge sind in einem jungen Unternehmen nicht klar, Aufgaben sind nicht sauber verteilt, Verantwortlichkeiten noch nicht etabliert und Prozesse noch nicht belastbar.

Darüber hinaus sind es oftmals nur die Gründer:innen, die im Kopf haben, wohin die unternehmerische Reise gehen soll. Klare, schnelle und vor allem authentische Kommunikation sorgt dafür, dass alle im Unternehmen auf gleichem Level sind und über einen einheitlichen Wissensstand verfügen. Darüber hinaus vermeidet es die Befürchtung, dass die Gründer:innen „ihr eigenes Süppchen kochen“.

7. Sei immer bereit, die Richtung zu ändern

Die wenigsten Unternehmen starten mit einer Idee und einer Richtung für die Umsetzung und gehen dann diesen Weg über Jahre gradlinig weiter. Früher oder später kommt vielmehr der Moment, wo klar wird, dass es eines Richtungswechsels bedarf.

Das kann sich auf das Produkt oder die Dienstleistung beziehen, die Kundenansprache oder die gesamte Ausrichtung des Unternehmens. Wann immer so ein Fall eintritt, dann sei bereit, eine knallharte und ehrliche Analyse durchzuziehen. Und wenn du erkennst, dass die Richtung nicht (mehr) stimmt, dann habe kein Problem damit, diese zu ändern.

8. Kümmere dich schnellstmöglich um die Hauptprobleme

Gründer:innen müssen sich mit vielen Herausforderungen herumschlagen. Dabei werden diese oftmals gleich gewertet und dann mit gleichviel Aufwand bearbeitet. Das macht aber keinen Sinn, denn viele Herausforderungen sind für das junge Unternehmen nicht existenzbedrohend und können vielmehr leicht gelöst werden.

Entscheidend ist deshalb, diejenigen wenigen Probleme zu identifizieren und zu lösen, die das Unternehmen bedrohen und im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass das Unternehmen vom Markt verschwindet. Dazu gehören beispielsweise externe Schocks, die ganze Märkte in Mitleidenschaft ziehen, Monetarisierungsprobleme oder ein schlechter Eindruck bei Kunden. Auf diese muss sich der Fokus richten.

9. Hole dir Rat, von Menschen, die wissen wovon sie reden

Du wirst als Gründer:inn Ratschläge aus allen möglichen Richtungen bekommen. Doch kommen diese oftmals von Menschen, die dir genau genommen keine Ratschläge geben dürften, weil sie insbesondere noch nie selbst gegründet haben.

Das fällt jemandem wie mir, der inzwischen schon drei Unternehmen gegründet hat, natürlich etwas leichter als Gründer:innen, die oftmals noch nicht einschätzen können, ob der Ratgeber wirklich weiß, wovon er spricht. Dabei gibt es einen einfachen Test: frage immer, ob der Gesprächspartner schon mal selbst ein Unternehmen gegründet hat.

Verneint er dies, dann höre dir seine Ratschläge mit entsprechender Vorsicht an. Letztendlich ist nichts besser als praktische Erfahrungen, wenn man Ratschläge gibt. Und wer sich von Anfang im Hinblick auf Ratschläge gut aufstellen will, der sucht sich schnellstmöglich einen Mentor.

10. Werde ein „Menschenmagnet“

Aus meinen Gesprächen mit Gründer:innen und auch aufgrund meiner eigenen Erfahrungen kann ich mit Nachdruck sagen, dass Gründer:innen viel Zeit in den Kontakt zu anderen Menschen und in die Pflege der Beziehungen zu diesen investieren sollten. Damit meine ich nicht nur den Kontakt zu Menschen, die einen beruflich weiterbringen.

Denn oftmals weiß man nicht, was sich aus einem Kontakt ergeben kann. Wichtig ist deshalb die allgemeine Einstellung im Hinblick auf den Aufbau von Beziehungen zu anderen Menschen. Ich erlebe immer wieder, dass die Entwicklung des Produktes, die Fertigstellung der Marketingkampagne oder die Suche nach dem einen Investor im Fokus steht und nicht der allgemeine Umgang mit Menschen.

Das ist ein großer Fehler. Mein letzter und vielleicht wichtigster Tipp für dich lautet deshalb: priorisiere den Aufbau von Beziehungen zu anderen Menschen und werde so zu einem Magneten für andere Menschen. Denn wenn die Herausforderungen zunehmen, dann werden es andere Menschen sein, die dir helfen, diese Herausforderungen zu meistern. Glücklich ist also der, der nicht erst dann nach Menschen suchen muss, die einem helfen können, wenn die Herausforderung schon da ist.

Tipps zum Start eines Unternehmens: Schlussbemerkung

Ich erlebe immer wieder, dass es für den erfolgreichen Start eines jungen Unternehmens regelmäßig nicht auf das Produkt oder die Dienstleistung, die Marketingkampagne oder den Pitch ankommt, sondern vielmehr auf das richtige Mindset der Gründer:innen.

Natürlich wäre es vermessen wenn ich behaupten würde, dass mit den vorstehend genannten Tipps für Unternehmen alles gesagt ist, was es zum richtigen Mindset zu sagen gibt. Aber in der Praxis erlebe ich zumindest immer wieder, dass Gründer:innen einen Vorsprung Richtung Erfolg haben, wenn sie die oben genannten Punkte nicht nur auf dem Schirm haben, sondern ihre Bedeutung verstehen. Alles weitere wird dann erfahrungsgemäß ein wenig leichter.

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Über den Autor

Carsten Lexa

RA Carsten Lexa berät seit über 10 Jahren deutsche und internationale Unternehmen in allen Angelegenheiten wirtschaftsrechtlicher Art, z.B. bei Gründungen, Strukturierungen oder Vertragsgestaltungen aber auch zu rechtlich-strategischen Fragen. Darüber hinaus war er Weltpräsident der G20 Young Entrepreneurs´ Alliance (G20 YEA), Mitglied der B20 Taskforces und Rechtsbeistand der Wirtschaftsjunioren Deutschland. Er ist Mitinitiator der Gründerinitiative Gründen@Würzburg und Botschafter der Oskar-Patzelt-Stiftung für die Auszeichnung „Großer Preis des Mittelstands“. Bei BASIC thinking schreibt er über Start-ups und unternehmensrechtlichen Fragen.

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