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Lensa: Ist die neue Hype-Foto-App sexistisch?

Lensa, Künstliche Intelligenz, Foto
Lensa
geschrieben von Maria Gramsch

Das Netz hupt derzeit die App Lensa ziemlich stark. Doch werden auch vermehrt Stimmen laut, dass die App besonders von Frauen anzügliche Fotos erstellt. Ist die Hype-App sexistisch?

In den vergangenen Tagen sind im Netz immer mehr Posts aufgetaucht, in denen sich Nutzer:innen in fantasievollen Posen zeigen. Meist werden diese Bilder begleitet von einem Hinweis wie: „Diesen Trend musste ich einfach ausprobieren!“

Hinter dem Trend steht die neue App Lensa, die mit der Hilfe von Künstlicher Intelligenz „Magic Avatars“ erstellt. Die neue Funktion, die erst vor wenigen Wochen zur App hinzugefügt wurde, hat die Anwendung direkt an die Spitze der App-Charts in den Stores katapultiert.

Doch vermehrt werden Stimmen laut, dass die App insbesondere weibliche Nutzer:innen sexualisiert darstellt. Währenddessen bildet die App männliche Avatare in kriegerischen Outfits ab.

Was steckt hinter Lensa?

Die App Lensa stammt aus dem Entwicklerstudio Prisma Labs. Die App gibt es bereits seit rund einem Jahr, doch erst jetzt ist sie zum Hit in den App Stores avanciert.

Schuld daran ist die neue Funktion „Magic Avatars“, mit der Nutzer:innen sich weichgezeichnete Fantasie-Avatare erstellen lassen können. Zuvor konnten Nutzer:innen in der App lediglich Falten glätten oder andere Schönheitsmakel entfernen.

Für die neue Funktion müssen Nutzer:innen Fotos von sich selbst in der App hochladen. Mit der Hilfe von Künstlicher Intelligenz wird dann ein magischer Avatar erstellt.

Nutzerinnen beschweren sich über Lensa

Die Menschenrechtsaktivistin Brandee Baker fragte beispielsweise bei Twitter, ob es nur ihr so gehe, oder ob der KI-Geneartor für Frauenfeindlichkeit sorge.

Eine andere Nutzerin fragt, ob auch andere „ein stark sexualisiertes Bild“ in ihrem Avatar-Paket erhalten haben. Sie habe ein solches Bild erhalten, auf dem sie „oben ohne und von vorne nackt“ dargestellt sei.

In ihrem Thread beschreibt sie, dass sie bei Lensa keine Nacktbilder hochgeladen habe. Jedoch habe sie am gleichen Tag ein solches Foto mit ihrem Handy aufgenommen, an dem sie auch ein Lensa-Foto gemacht hatte.

Und auch vor Angela Merkel macht die App nicht halt, wie der Spiegel berichtet. Das Nachrichtenmagazin hatte die App mit Bildern von Pressekonferenzen oder aus dem Bundestag gefüttert.

Ergebnis seien zwar viele Bilder im Gemäldelook gewesen. Jedoch habe der Fantasy-Stil auch der Ex-Bundeskanzlerin „ein freizügiges Feen-Outfit“ verpasst.

Was sagt Prisma zu den Anschuldigungen?

TechCrunch hat Prisma Labs mit den Vorwürfen konfrontiert. Das Entwicklerstudio verwies derweil auf seine Nutzungsbedingungen.

Wir geben unser Bestes, damit die Einstellungen des KI-Modells moderate Ergebnisse liefern. Dennoch ist es möglich, dass Sie auf Inhalte stoßen, die Sie als unpassend empfinden.

Das liegt laut Prisma bei den Programmierern hinter dem KI-Modell. Denn dieses sei mit ungefilterten Daten aus dem Internet trainiert worden. Deshalb würden die Ergebnisse der App nur die Vorurteile widerspiegeln, „die Menschen in die Bilder einfließen lassen“.

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Über den Autor

Maria Gramsch

Maria ist freie Journalistin und technische Mitarbeiterin an der Universität Leipzig. Seit 2021 arbeitet sie als freie Autorin für BASIC thinking. Maria lebt und paddelt in Leipzig und arbeitet hier unter anderem für die Leipziger Produktionsfirma schmidtFilm. Sie hat einen Bachelor in BWL von der DHBW Karlsruhe und einen Master in Journalistik von der Universität Leipzig. Neben dem Studium hat sie als CvD, Moderatorin und VJ beim Regionalsender Leipzig Fernsehen und als Content-Uschi bei der Bastei-Lübbe-App oolipo gearbeitet. Im letzten Studienjahr war sie Mitgründerin, CvD und Autorin der Leipzig-Seite der taz.

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