Technologie

Wie funktioniert eigentlich Cell Broadcast?

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unsplash.com/Robin Worrall
geschrieben von Beatrice Bode

Das Warnsystem Cell Broadcast liefert automatische und schnelle Warnungen bei Katastrophen und Notfällen. Per Push-Nachricht erhalten große Teile der Bevölkerung zeitgleich einen Warnhinweis. Doch wie funktioniert Cell Broadcast konkret? 

Erst am 14. September 2023 gab es erneut einen deutschlandweiten Warntag: Am Vormittag klingelten im ganzen Land kurzzeitig Handys und Sirenen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) löste gegen elf Uhr eine Probewarnung per Cell Broadcast aus.

Das Warnsystem ist seit Ende Februar 2023 aktiv. Es informiert die Bevölkerung per Push-Nachricht auf dem Smartphone über Katastrophen und Notfälle – auch wenn die Geräte stummgeschaltet sind.

Was ist Cell Broadcast?

Cell Broadcast ist ein Mobilfunkdienst. Im Notfall oder im Fall einer drohenden Katastrophe erhalten Bundesbürger die Warnung direkt auf den Bildschirm ihres Mobiltelefons. Zudem ertönt ein lauter Hinweiston.

Damit die Warnung die Nutzenden erreicht, müssen die Mobilgeräte allerdings einige Voraussetzungen erfüllen. Beispielsweise können ältere Geräte die Cell Broadcast-Nachrichten teilweise nicht empfangen. Dazu gehören auch das iPhone 6 und 6 Plus sowie ältere Versionen. Zudem stellt das BBK eine Liste aller empfangsfähigen Geräte von Apple, Samsung, Google und Sony zur Verfügung. Android-Geräte brauchen außerdem ein Betriebssystem ab Version 11, Apple-Handys wiederum müssen auf mindestens Version 16.1 upgedatet werden.

Wie funktioniert Cell Broadcast?

Die Funktionsweise von Cell Broadcast versteckt sich bereits im Namen. Das System schickt die Warnhinweise wie Rundfunksignale an alle kompatiblen Geräte, die in einer Zelle eingebucht sind. Dafür wird eine Standardtechnologie des Mobilfunknetzes verwendet.

Um Cell Broadcast-Nachrichten zu empfangen, müssen die Smartphones also mit dem Mobilfunknetz verbunden sein. Deshalb ist es auch unabdingbar, dass die Telefone eingeschaltet sind und sich nicht im Flugmodus befinden. Eine Internetverbindung oder eine bestimmte App sind für den Empfang der Push-Nachrichten allerdings nicht erforderlich.

Jedes Handy registriert sich automatisch in einer Funkzelle, über die ein Netzempfang hergestellt wird. Der zentrale Verteiler einer Zelle kann dann in umgekehrter Richtung Warnmeldungen an alle Geräte versenden. Auf diese Weise können alle kompatiblen Handys anonym erreicht werden. Ist also Gefahr in Verzug, bekommen alle Personen innerhalb der betroffenen Funkzelle eine Warnmeldung.

Der Vorteil: Weil das BBK nur Textnachrichten versendet, kann nichts den dafür erforderlichen Datenverkehr beeinflussen. Selbst wenn besonders viele Menschen eine bestimmte Funkzelle zum Warnzeitpunkt für Gespräche nutzen, geht die Cell Broadcast-Nachricht immer noch durch. Allerdings ist es Voraussetzung für die Technologie, dass das Mobilfunknetz störungsfrei funktioniert. Das heißt, auch wer im Funkloch sitzt, erhält keine Warnmitteilung.

Wie ist Cell Broadcast in Deutschland technisch geregelt?

Voraussetzung für Cell Broadcast ist eine entsprechende technische Richtlinie namens TR DE-Alert. Sie wurde von der Bundesnetzagentur erlassen und trat bereits im Februar 2022 in Kraft. Sie legt unter anderem die technischen Anforderungen für die Warnhinweise im öffentlichen Mobilfunknetz sowie die Sicherheitsanforderungen fest.

Die in Deutschland tätigen Mobilfunknetzbetreiber:innen hatten nach der Veröffentlichung ein Jahr lang Zeit, um Cell Broadcast in den von ihnen betriebenen Netzen umzusetzen. Die Provider arbeiten dazu mit dem BBK an der Schnittstelle für den Anschluss an das Modulare Warnsystem des Bundes.

Für die Aussendung der Warnhinweise werden keine personenbezogenen Daten erhoben oder verarbeitet. Das BBK sendet die Warnmeldung an alle empfangsbereiten Mobilfunkendgeräte aus, ohne dass es die Mobilfunknummer oder andere Daten der Empfänger:innen kennt oder erfassen kann.


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Warum gibt es das Warnsystem?

Der Auslöser für die Einführung des deutschlandweiten Warnsystems war die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinlandpfalz im Juli 2021. Damals kamen die notwendigen Informationen für die betroffenen Menschen zu spät.

Seitdem ergänzt Cell Broadcast die bereits vorhandene Warnstruktur in Deutschland, die zuvor bereits aus Sirenen, dem Rundfunk und diversen Handy-Apps wie Nina, Nora und Katwarn bestand. Neben dem Aufbau des Warnsystems investierte der Bund zudem fast 90 Millionen Euro in den Ausbau des Sirenennetzes.

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Über den Autor

Beatrice Bode

Beatrice ist Multi-Media-Profi. Ihr Studium der Kommunikations - und Medienwissenschaften führte sie über Umwege zum Regionalsender Leipzig Fernsehen, wo sie als CvD, Moderatorin und VJ ihre TV-Karriere begann. Mittlerweile hat sie allerdings ihre Sachen gepackt und reist von Land zu Land. Von unterwegs schreibt sie als Autorin für BASIC thinking.