Temu Steuern Zoll, Steuerbetrug, EU

So trickst Temu, um Steuern zu sparen und Zollgebühren zu umgehen

Fabian Peters
Temu

An Werbeanzeigen von Temu kommt man im Internet derzeit kaum vorbei. Vielen anderen Online-Händler ist die chinesische Billig-Plattform jedoch ein Dorn im Augen. Denn Temu nutzt die europäischen Gesetze bewusst aus, um Steuern zu umgehen und verzerrt damit auch den Wettbewerb.

Temu stellt den Online-Handel derzeit regelrecht auf den Kopf. Denn die chinesische Billig-Plattform lockt mit schier sagenhaften Angeboten und geringen Preisen. Eine der Hauptursachen dafür: die mangelnde Qualität vieler Produkte. Allerdings nutzt Temu auch gezielt das europäische Steuerrecht aus, um in der Online-Preisschlacht als Sieger vom Feld zu ziehen.

Mit diesen Tricks umgeht Temu Steuern

Wer bei Temu bestellt, nimmt schon einmal etwas längere Lieferzeiten in Kauf als mittlerweile üblich. Denn bis Bestellungen hierzulande ankommen, vergehen in der Regel fünf bis 14 Tage. Das liegt einerseits daran, dass die Produkte aus China stammen. Andererseits lässt das Unternehmen einige Artikel erst nach der Bestellung von den entsprechenden Herstellern produzieren.

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Die längeren Lieferzeiten nehmen viele jedoch billigend in Kauf: Denn die Preise auf Temu scheinen unschlagbar. Das liegt vor allem daran, dass die Plattform auf Billig-Produkte setzt. Allerdings nutzt Temu mit einigen Tricks auch die europäischen Gesetze aus, um Steuern zu sparen. Der Verkaufspreis kann deshalb niedrig gehalten werden.

Beispielsweise trickst das Unternehmen beim Warenwert und gibt einen niedrigeren als den tatsächlichen Wert an. Damit will die Plattform Zollgebühren umgehen. Denn Sendungen aus einem Nicht-EU-Land sind mit einem Warenwert unter 150 Euro laut Bundeszollverwaltung grundsätzlich zollfrei.

Zwar fällt eine Einfuhrumsatzsteuer an, doch auch die hält sich im Rahmen, wenn Temu den Warenwert niedrig rechnet. Das Problem dabei: Die Zollbehörden sind gegen dieses Vorgehen fast machtlos. Das liegt unter anderem daran, dass nur stichprobenartige Überprüfungen möglich sind, da Temu täglich eine massive Anzahl an Sendungen nach Europa verschickt.

Umsatzsteuer: Interne Probleme innerhalb der EU

Das nutzt Temu gezielt aus und rechnet Warenwerte künstlich herunter, um Zollgebühren und Stuern zu sparen. Ein weiteres Problem steckt im sogenannten Import One Stop Shop (IOSS). Das ist ein Portal, das Nicht-EU-Ländern bei der Einfuhr von Waren die Erklärung und Zahlung von Umsatzsteuern erleichtern soll.

Der europäische Firmensitz von Temu befindet sich allerdings in Irand. Das geht aus der offiziellen Website des Unternehmens hervor. Heißt konkret: Die Billigplattform muss die Einfuhrumsatzsteuer dort anmelden und an den irischen Staat bezahlen, der diese anschließend an die Bestimmungsländer verteilt.

Temu liefert seine Waren aber hauptsächlich nach Belgien – zum Flughafen Lüttich. Denn dieser gilt als wichtiger Umschlagplatz in Europa. Problem dabei: Die belgische Zollbehörde hat nur eingeschränkten Zugriff auf die von Temu in Irland angegeben Warenwert samt Umsatzsteuer, denn es fehlt schlichtweg eine gemeinsame europäische Plattform.

Sie kann zwar prüfen, ob Angaben gemacht wurden, aber keine Details abrufen, um den angegeben Warenwert einzusehen. Dessen ist sich auch Temu bewusst und nutzt das gezielt aus. Dem belgischen Zoll bleibt dabei nur übrig, auf korrekt Angaben zu hoffen.

Eine Bestellung in mehreren Paketen: So trickst Temu bei Zollgebühren und Steuern

Ein weiterer Trick von Temu: Das Unternehmen verschickt viele Bestellungen in mehreren Paketen – auch wenn diese zeitlich gleichzeitig verschickt werden. Der Hintergrund: Die Plattform will so unter der Zollgrenze von 150 Euro bleiben, da der Warenwert pro Sendung einzeln betrachtet wird.

Der IOSS lädt damit gewissermaßen zum Betrug ein. Den EU-Ländern dürften dabei Millionen an Steuereinnahmen durch die Lappen gehen. Temu wiederum kann seine Preis dadurch niedrig halten und schadet damit auch dem Wettbewerb. Denn andere Online-Händer haben dadurch einen erheblichen Nachteil.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).