Deutscher Start-up Monitor 2023

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Start-up Monitor 2023

Carsten Lexa
Startup Verband

Der Deutsche Start-up Monitor 2023 liefert wie jedes Jahr aufschlussreiche Informationen und Trends, die den Blick auf die Start-up-Szene in Deutschland schärfen. 2023 bietet der DSM einige sehr interessante Erkenntnisse, von denen ich vier näher beleuchten möchte. 

Der DSM 2023 stützt sich, wie in den Vorjahren, wieder auf eine breite Grundlage. Rund 4550 Gründer:innen aus ca. 1825 Start-ups wurden zum Zustand der Start-up-Szene in Deutschland befragt. Diese Unternehmen sind jünger als zehn Jahre, haben ein geplantes Mitarbeiter- oder Umsatzwachstum und sind in einem innovativen Wirtschaftssektor tätig.

Der Deutsche Start-up Monitor 2023

Allgemein ergibt sich aus dem DSM 2023, dass die Stimmung unter den Gründer:innen nicht besonders gut ist, dennoch 90% der Befragten wieder gründen würden. Spannend finde ich dabei, dass davon knapp 20 Prozent ein Unternehmen im Ausland aufbauen würden, wenn sie wieder gründen.

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Das ist deshalb bemerkenswert, weil es zeigt, dass Gründungen im Ausland nicht nur immer mehr in den Fokus geraten, sondern auch zunehmend als Alternative zu einer Gründung in Deutschland gesehen werden.

Weiterhin unterrepräsentiert sind Frauen als Gründer:innen und auch das Thema Geld, sei es in Bezug auf Kapital oder Cash Flow spielt weiterhin, wie in den Vorjahren, eine wichtige Rolle.

1. Breite Adoption von KI-Technologien

Eine der bemerkenswerteren Erkenntnisse ist der hohe Anteil von Start-ups, die KI-Technologien nutzen. Laut dem DSM 2023 setzen 82 Prozent der befragten Unternehmen bereits auf Tools wie ChatGPT, um ihre Geschäftsprozesse zu optimieren – nachdem diese Technologie der Öffentlichkeit erst Ende 2022 zur Verfügung gestellt wurde.

Diese Adaptionsgeschwindigkeit einer Technologie ist bislang ohnegleichen und spiegelt die zunehmende Bedeutung von KI als Werkzeug für Effizienzsteigerung und Innovation in der Start-up-Szene wider. Das passt in gewisser Weise zur zweiten wichtigen Erkenntnis.

2. Rückgang der Kooperationen mit etablierten Unternehmen

Denn interessanterweise ist die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen im Vergleich zu den Vorjahren um 10% gesunken und liegt nun bei rund 61 Prozent. Das ist auch etwas, was ich in Gesprächen immer wieder höre. Mittelständische Unternehmen legen derzeit die Priorität nicht unbedingt auf Kooperationen mit innovativen Start-ups, weil sie mit sich selbst beschäftigt sind, sei es in Bezug auf die Steigerung von vertrieblichen Aktivitäten oder Stärkung der eigenen F&E-Kompetenzen.

Die Stärken, die mittelständische Unternehmen in eine Kooperation mit Start-ups einbringen könnten – und die diese auch brauchen, wie Netzwerke oder finanzielle Stärke – scheinen Start-ups mit der Nutzung von KI auszugleichen, um trotz fehlender Kooperationsmöglichkeiten die eigene Unternehmensentwicklung zu stärken. Diese Herausforderung bezüglich Kooperationen verdient weitere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Auswirkungen auf Innovation und Wachstum.

3. Einfluss von Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Schließlich wird im DSM 2023 noch einmal deutlich, was man schon in den vergangenen Jahren erkennen konnte. Die Bedeutung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Innovationstreiber ist unübersehbar.

Fast die Hälfte der Start-ups (49 Prozent) berichtet von erhaltener Unterstützung aus diesem Bereich, wobei mehr als dreiviertel der Befragten die Unterstützung als gut oder sehr gut beurteilen und dabei den persönlichen Kontakt zu Dozenten hervorhoben. Auch dies kann ich bestätigen, da ich aufgrund meiner Lehraufträge sehe, wie der persönliche Kontakt den Beziehungsaufbau erleichtert und das Ansprechen von Dozenten einfacher gestaltet.

Insgesamt verdeutlicht dies, wie akademische Institutionen als Katalysatoren für technologische Innovationen und Unternehmertum fungieren. Schade jedoch ist, dass der Anteil von Unternehmen dagegen stark abfällt, obwohl doch gerade diese ein Interesse an einer Zusammenarbeit haben müssten, insbesondere wenn diese zielgerichtet etabliert wird.

Bonus-Erkenntnis: München als aufstrebender Start-up-Standort

Berlin was in den vergangenen Jahren DAS Aushängeschild der deutschen Start-up-Szene. Jedoch ist München dabei, Berlin zumindest diesen Rang streitig zu machen – und dies wird auch in gewisser Weise im DSM 2023 erkennbar. Zwar ist die Verteilung der befragten Start-ups im Jahr 2022 und 2023 laut den jeweiligen DSM ungefähr gleich.

Ergänzt man aber die Daten des DSM 2023 um weitere Erhebungen, dann fällt auf, dass München als besonders dynamischer und wachsender Standort im deutschen Startup-Ökosystem hervorsticht. Mit 14,5 Gründungen pro 100.000 Einwohnern überholte München 2022 erstmals Berlin in Bezug auf die Startup-Dichte und demonstriert so die Attraktivität seines Ökosystems.

Das ist wohl insbesondere auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, die in Berlin zu einem überproportionalen Rückgang an Neugründungen geführt hat. München profitiert dabei insbesondere von einer starken Vernetzung zwischen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft, was die Stadt zu einem Hotspot für Innovation und Gründungen macht.

Fazit: Start-up Monitor 2023

Die im Deutschen Start-up Monitor 2023 dargelegten Erkenntnisse beleuchten eine Start-up-Szene, die trotz konjunktureller Herausforderungen von Optimismus, einer flächenmäßig breiten Aufstellung und technologischer Innovation geprägt ist. Insbesondere die hohe Adaptionsrate von KI-Technologien und der signifikante Einfluss akademischer Institutionen unterstreichen die Innovationskraft deutscher Start-ups.

Der Rückgang der Kooperationen mit etablierten Unternehmen weist auf potenzielle Herausforderungen, aber auch auf Chancen für eine Neuausrichtung der Zusammenarbeit hin. München’s Aufstieg zu einem der führenden Startup-Standorte verdeutlicht zudem die Bedeutung der Verbindung von Start-ups, Wirtschaft und insbesondere universitären Einrichtungen.

Insgesamt zeigt der DSM 2023, dass Deutschland trotz Herausforderungen ein fruchtbarer Boden für Start-ups bleibt, der durch Technologie, Innovation und ein starkes Netzwerk aus Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft genährt wird.

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Rechtsanwalt Carsten Lexa berät seit 20 Jahren Unternehmen im Wirtschafts-, Gesellschafts- und Vertragsrecht. Er ist Lehrbeauftragter für Wirtschaftsrecht, BWL und Digitale Transformation sowie Buchautor. Lexa ist Gründer von vier Unternehmen, war Mitinitiator der Würzburger Start-up-Initiative „Gründen@Würzburg”, Mitglied der B20 Taskforces Digitalisierung/ SMEs und engagiert sich als Botschafter des „Großer Preis des Mittelstands” sowie als Mitglied im Expertengremium des Internationalen Wirtschaftsrats. Er leitete als Weltpräsident die G20 Young Entrepreneurs´Alliance (G20 YEA). Bei BASIC thinking schreibt Lexa über Themen an der Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Digitalisierung.