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Liebe statt Geld-Geilheit: Weißt du noch, als wir uns auf die Fußball-EM gefreut haben?

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Pixabay.com / NoName_13
geschrieben von Christian Erxleben

Es ist kaum zu glauben, aber in knapp einem Monat beginnt die UEFA Euro 2024. Vom 14. Juni bis 14. Juli 2024 findet die Fußball-EM 2024 in Deutschland statt – und niemand bekommt etwas davon mit. Das liegt vor allem daran, dass es mittlerweile nur noch um den Kommerz geht und nicht mehr um Fanfeste und die Liebe zum Fußball. Eine nostalgische Hommage.

Ist wirklich Fußball-EM 2024 in Deutschland?

Ab dem 14. Juni 2024 findet in Deutschland die UEFA Euro 2024 statt. Insgesamt haben sich 24 Mannschaften aus 55 Bewerbern qualifiziert. Die Teams tragen unglaubliche 51 Spiele in genau einem Monat aus, um den nächsten Fußball-Europameister zu küren. Ein Superlativ jagt den nächsten.

Und trotzdem könnte es kaum weniger Hinweise darauf geben, dass hierzulande in kurzer Zeit ein sportliches Großevent stattfindet. Statt Werbung für Fan-Partys und Live-Übertragungen werben die Kandidaten der Europa-Wahl um unsere Stimmen.


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Wenn sich weder Nutella noch der Kicker interessieren

Die einschlägigen Sport-Medien berichten über die Champions League, die Europa League sowie die Bundesliga und die zweite Liga. Und in den Supermärkten gibt es auch keine Hinweise, keine Deutschlandfahnen, keine Fußbälle. Es ist als gäbe es die Fußball-EM 2024 überhaupt nicht.

Selbst Deutschlands wichtigstes Fußball-Magazin „Der Kicker“ hat auf seiner Startseite nur einen einzigen Hinweis auf die UEFA Euro 2024. Das ist jedoch nicht etwa ein eigener Newsbereich, sondern lediglich der Hinweis, dass es im nächsten Magazin um die europäische Turnier geht.

2,4 Milliarden Euro für die UEFA

Womöglich liegt das fehlende Interesse und vor allem die fehlende Vorfreude daran, dass es überhaupt nicht mehr primär um den Wettkampf der Nationen um die Krone Europas geht, sondern es geht nur um Geld. Die Fußball-EM 2024 spült der UEFA laut eigenen Angaben 2,4 Milliarden Euro in die Kassen.

Steuererleichterungen als Standort-Vorteil

Zum Vergleich: Das Land Deutschland bekommt von der UEFA nur knapp 65 Millionen Euro für die Ausrichtung der Europameisterschaft. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Bundesregierung beim Wettbieten um das Turnier mit massiven Steuererleichterungen gelockt hat.

So bestätigt das Finanzministerium, dass es eine Befreiung von der Einkommenssteuer geben kann, wenn ein öffentliches Interesse bei inländischen Veranstaltungen kultureller oder sportlicher Ereignisse vorliege. Unter diese Kategorie dürfte wohl die Fußball-Europameisterschaft fallen.

Gastgeberstädte bei der EM 2024 zahlen bis zu 30 Millionen Euro

Doch damit nicht genug: Wer glaubt, dass die UEFA bei den horrenden Einnahmen die Gastgeberstädte mit einem umfangreichen Marketing-Paket unterstützt, der täuscht sich gewaltig. So müssen die Städte die Kosten für die Werbung und die Veranstaltung selbst tragen.

In Köln sind das rund 14 Millionen Euro, in Hamburg bis zu 30 Millionen Euro und die Stadt München beziffert ihre Kosten laut Süddeutscher Zeitung auf immerhin 21 Millionen Euro. Insgesamt sind es also dreistellige Millionenbeträge, die aus Steuergeldern finanziert werden und einem Sportverband in den Rachen geworben werden anstelle den ÖPNV auszubauen oder sozialgeförderte Wohnungen zu bauen.

Die „Host City München“ und das elendige Werbe-Blabla des Fußballs

Wie wenig es letztendlich um die Vermarktung des Fußballs geht, zeigt alleine folgende Aussage der Stadt München:

Die Ausgaben zur UEFA Euro 2024 können als eine Investition in die Host City München gesehen werden, um sich weiterhin den Ruf als Sportstadt und kompetenter Ausrichter von Sportgroßveranstaltungen zu erhalten und möglichst auszubauen.

Wenn sich die Mia-san-Mia-Bayern Neudeutsch als „Host City“ bezeichnen, dürfte auch der letzte Fußball-Fan verstanden haben, dass er als Fan vollkommen unbedeutend ist. Gleiches gilt für den Sport. Es geht nur noch darum, die Einnahmen zu maximieren und die Marketing-Budgets bis auf den letzten Cent auszureizen.

Erinnerungen an die Heim-WM 2006

Mit dieser düsteren Erkenntnis im Kopf bleiben nur die Erinnerungen an die Vergangenheit. Damals als wir noch im Regen oder bis spät in die Nacht auf der Wiese vor der Großleinwand gebibbert und mitgefiebert haben, als unsere Klassenkameraden noch kleine Goleo-Kuscheltiere hatten und als jeder von uns noch das Panini-Album vollkommen wollte.

Wie schön wäre es doch, wenn wir die gesamte Werbewelt für einen Moment ausblenden könnten und noch einmal diese Gefühle erfahren könnten?

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben arbeitet als freier Redakteur für BASIC thinking. Von Ende 2017 bis Ende 2021 war er Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking tätig.

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