Wirtschaft

Feedbackkultur: Chef, wir müssen reden!

Feedback Chef Feedbackkultur
Adobe Stock/ Farknot Architect
geschrieben von Sandra Karner

Irgendwie wissen wir alle, dass es wichtig ist. Und trotzdem trauen wir uns kaum. Weichgespült oder doch zu hart: Kann man es denn überhaupt richtig machen? Wahrscheinlich nicht. Oder doch!? Die Rede ist – du ahnst es vermutlich schon – von Feedback. Eine Kolumne. 

It’s not easy. Aber das ist kein Grund es zu lassen!

Ich höre oft: „Wir brauchen mehr Tools an die Hand. Mehr Methoden. Damit wir es richtig machen.“ Ich bin da anderer Meinung. Was bringen deinem Team 15 Feedback-Formate, zehn Trainings, wenn am Ende des Tages niemand Feedback lebt?

Feedback ist nun mal weit mehr als nur das Performance Review Gespräch, das einmal im Jahr stattfindet. Feedback ist für mich eine Einstellung. Für mich gilt: Wenn dein Herz am rechten Fleck ist, dann bist du schon mal richtig gut beraten.


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Warum fällt Feedback uns so schwer?

Feedback ist per Definition erstmal nur eine Rückkopplung. Ich sage oder mache etwas und das löst bei meinem Gegenüber etwas aus und das lässt er oder sie mich wissen. Feedback ist also per se erstmal ziemlich neutral. Erst unsere Interpretation führt zu dieser Gefühlsduselei, die es dann manchmal so emotional und vielleicht sogar verletzend macht.

Diese lähmende Angst jemanden zu verletzen ist es, die uns dazu bringt lieber kein Feedback zu geben. Ein großer Fehler in meinen Augen. Lass uns doch mal anders denken.

Was wäre, wenn dein Feedback Kollegen massiv nach vorne brächte?

Und was machst du? Du hältst es zurück, weil du Angst hast sie oder ihn zu verletzen. Kein Feedback zu geben ist gleichzusetzen mit Gleichgültigkeit. „Du bist es mir nicht Wert“, schwingt da mit.

Möchtest du deine Freundin, deinen Kollegen, deine Mitarbeitenden ernsthaft voran bringen? Dann übe dich in Feedback. Das Gute ist: Den Feedbackmuskel kann man trainieren. Er wird größer, je mehr du ihn nutzt. Fang also an mehr Feedback zu geben.

Feedback braucht eine Beziehungsebene

Wenn du eine gute Beziehung zu jemanden hast, dann fällt es dir automatisch leichter offenes und ehrliches Feedback zu geben. Du weißt, wie dein Gegenüber tickt, du kannst einschätzen, wie er oder sie das Feedback aufnimmt. Sei wertschätzend. Konkret. Wohlwollend. Gib Feedback in dem Moment des Geschehens. Nicht erst Wochen später. Sei ruhig kritisch. Aber nicht ekelhaft.

Und denk dran: Paul Watzlawick hat uns gelehrt: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Und ebenso wenig können wir nicht kein Feedback geben. Kein Feedback ist nämlich auch ein Feedback.

Feedback ist (K)EIN Geschenk

Feedback kann ein Geschenk sein. Es kann aber auch grausam sein. Wer kennt es nicht. Mal eben ungefragtes und gleich auch noch vernichtendes und wenig konstruktives Feedback bekommen. Fühlt sich doof an und bringt niemandem was.

Deshalb muss auch Feedback nehmen geübt sein. Du bist nämlich die einzige Person auf der Welt, die entscheidet, ob es dich verletzt oder nicht. Übung macht auch hier den Meister. Frag mehr nach Feedback! Und entscheide inwieweit du es annehmen möchtest.

Feedbackkultur als Performance Booster

Die Feedbackkultur in deinem Unternehmen ist wie ein kleines Pflänzchen, das sich entwickeln und wachsen darf. Aber Vorsicht. Es kann auch kaputt gehen, wenn ihr euch nicht bemüht.

Feedbackkultur kann man auch ganz sicherlich nicht in einen Prozess gießen. Der Jahreszyklus von offiziellen Feedbacks zur Performance Review ist schön und gut. Er hat auch bestimmt seine Daseinsberechtigung. Aber ein Team oder eine Organisation weiterentwickeln: Das tut er nur äußerst bedingt.

Teams, die die Sache mit dem Feedback raus haben, erzielen einen messbaren Effekt in der Zusammenarbeit und dieser spiegelt sich bei der Qualität der Arbeit wieder. Noch ein interessanter Nebeneffekt: Unternehmen mit einer gesunden Feedbackkultur sind …

  • nachweislich beliebtere Arbeitgeber
  • mit weitaus höherer Retention und
  • deutlich zufriedeneren Mitarbeitern.

Und dass das mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal ist, brauche ich spätestens seit der letzten Gallup-Umfrage nicht zu erwähnen, oder?

Fazit: Just do it!

Ich schließe mit einem sehr kurzen Fazit bzw. vielmehr einer Einladung oder gar Aufforderung: Gebt mehr Feedback und fragt auch danach! Denn Feedback ist eine Einstellung und auch ganz bestimmt nicht nur Chef-Sache. „Feedback is the breakfast of champions“, wie Ken Blanchard schon so schön gesagt hat. Es geht uns alle etwas an. Ganz in diesem Sinne bitte ich dich um konstruktives Feedback:

  • Welche Gedanken hast du zu diesem Beitrag über Feedback?
  • Was sagst du zu dieser Kolumne ganz allgemein?
  • Welches Thema wünscht du dir als nächstes?

Und zu guter Letzt noch zwei Lese-Empfehlungen für Inspiration zu Feedback und Feedbackkultur –  „Radical Candor“ von Kim Scott und „No Rules rules“ von Reed Hastings und Erin Meyer.

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Über den Autor

Sandra Karner

Sandra formt leidenschaftlich gerne leistungsstarke und motivierte Teams. Ihr Leitsatz lautet “Erfolgreiche Unternehmen haben starke Teams”. Sie ist als Agile Coach und Team-Performance Coach angetreten, um Führungskräfte und deren Teams nachhaltig erfolgreicher zu machen. Sie liebt es Zusammenarbeits-Prozesse zu optimieren und eine Kultur der Zusammenarbeit zum Leben zu erwecken. Ihre Spezialthemen sind Feedback- und Fehlerkultur. Vor ihrer Selbstständigkeit war sie über zehn Jahre im Konzernumfeld als Führungskraft und Change Agent im Einsatz.

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