Wasserstoff als Ersatz für Erdgas? Ein deutsches Start-up aus Wiesbaden möchte mit einem neuen katalytischen Wasserstoff-Luftheizsystem für Netto-Null-Emissionen sorgen.
Könnte Erdgas als Heizmittel bald passé sein? Daran glaubt ein deutsches Start-up. Das Heiztechnologie-Unternehmen Hyting aus Wiesbaden verkündete kürzlich, dass das weltweit erste katalytische Wasserstoff-Luftheizsystem erfolgreich bei einem Kunden installiert und in Betrieb genommen wurde.
Die neuartige Heizung läuft seit Kurzem bei der Flusys GmbH im hessischen Offenbach. Dort versorgt die Zehn-Kilowatt-Anlage bereits eine 1.000 Kubikmeter große Produktionshalle mit Wärme.
Wie geht Heizen mit Wasserstoff?
Die Dekarbonisierung des Wärmesektors ist eine der größten Hürden auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen bis 2050. Hytings hat deshalb eine neue Technologie entwickelt, die den Übergang von fossil betriebenen Heizsystemen zu sauberen, nachhaltigeren Lösungen beschleunigen soll.
Dazu setzt das Unternehmen auf ein neues Verfahren: die flammende Oxidation: Das Heizsystem verbrennt Brennstoff nicht im klassischen Sinne. Stattdessen kommt es ohne massive Infrastruktur aus und stößt weder CO2 noch Stickoxide aus. Das einzige Abfallprodukt ist Wasserdampf.
Flammenlose Katalyse: Wie sicher ist das Heizen mit Wasserstoff?
Das Herzstück der Technologie ist ein katalytischer Wärmeerzeuger. Anstatt Wasserstoff zu verbrennen, reagiert er in einem speziellen chemischen Prozess mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft.
Das Ergebnis ist eine saubere Freisetzung von Wärme, ohne dass dabei schädliche Emissionen wie Kohlenmonoxid, Stickoxide (NOx), flüchtige organische Verbindungen (VOCs) oder Feinstaub entstehen.
Darüber hinaus werde zu keinem Zeitpunkt brennbare Wasserstoffkonzentrationen verwendet, wodurch das Verfahren inhärent sicher sei, versichert der Hersteller.
Um die Qualität und Robustheit der Technologie zu gewährleisten, führte ein Engineering-Dienstleister einen 2.500-Stunden-Dauerlauftest durch.
Der Test simulierte zehn Jahre Realbetrieb und wurde ohne Ausfälle oder messbaren Verschleiß an sicherheitskritischen Komponenten abgeschlossen. Die Geräte verfügen außerdem über die offizielle Zertifizierung gemäß Gasgeräteverordnung.
Eignet sich die Technologie als nachhaltige Alternative zu Erdgas?
Für das Gewerbe und die Industrie könnte das System eine ideale Lösung sein, um den Dekarbonisierungsdruck zu bewältigen. Besonders dort, wo die elektrische Infrastruktur für riesige Wärmepumpen-Anlagen nicht ausreicht, bietet sich Wasserstoff als Ergänzung an.
Das Luftheizsystem […] kann mit jeder Wärmequelle zu einem hybriden Heizsystem kombiniert werden, einschließlich Wärmepumpen. In dieser Konfiguration übernimmt die Technologie die Spitzenlast in Zeiten hoher Wärmenachfrage oder niedrigen Außentemperaturen, während die Wärmepumpe die Grundlast abdeckt und dabei in ihrem effizientesten Betriebspunkt arbeitet.
Unternehmensgründer Tim Hannig sieht darin einen wesentlichen Beitrag zur Abkehr von fossilen Brennstoffen: „Unsere Technologie ist einfach, sicher, effizient und sauber – und wir freuen uns, dass unsere erste Kundeninstallation in Betrieb ist.“
Wasserstoff als Erdgas-Ersatz: Auch für private Haushalte geeignet?
Eins steht schon einmal fest: Das Wiesbadener Start-up konzentriert sich derzeit nicht auf die Versorgung von Privathaushalten. Aktuell sind die Geräte in Leistungsklassen von zehn und 50 Kilowatt verfügbar und auf industrielle Anwendungen, Logistikgebäude oder den Automobilsektor ausgelegt.
Die größte Hürde für den breiten Einsatz, besonders in Einfamilienhäusern, bleibt die Infrastruktur. Ein flächendeckendes Wasserstoffnetz für Wohngebiete ist auf absehbare Zeit erst einmal unrealistisch.
In der Industrie sieht das anders aus: Große Industriezentren wie das Ruhrgebiet oder Hamburg verfügen bereits über erste lokale Strukturen. Außerdem fällt in vielen Betrieben, etwa bei der Chloralkali-Elektrolyse, ohnehin Wasserstoff als Nebenprodukt an und könnte direkt vor Ort verheizt werden.
Nische oder Zukunftshoffnung: Wann wird Wasserstoff zur echten Alternative?
So aussichtsreich die Technik auch sein mag, sie bleibt vorerst ein Nischenthema für den gewerblichen Bereich. Für die meisten, vor allem private, Verbraucher bleiben Wärmepumpe und klassische Gasheizung vorerst die Standardlösung.
Für industrielle Spitzenlasten, vor allem dort, wo Wasserstoff verfügbar ist und Stromnetze an ihre Grenzen stoßen, ist der katalytische Ansatz von Hyting allerdings durchaus sinnvoll.
Für 2026 plant das Unternehmen in die Serienproduktion zu gehen und bereitet sich bereits auf weitere Kundeninstallationen im ersten Jahresquartal vor. Und wer weiß: Passen sich die Rahmenbedingungen an die neue Technologie an, könnte sie künftig eine echte Alternative zu Erdgas werden.
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