Mobiles Arbeiten verändert nicht nur unseren Alltag, sondern auch den Umgang mit Rohstoffen und Energie. Doch wie nachhaltig sind Homeoffice und mobile Work wirklich? Ein Blick auf Chancen, Risiken und das Klima.
Workation, Coworking-Spaces oder die heimische Arbeit am Küchentisch gehört für viele Menschen mittlerweile zum Alltag. Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen die enorme Dynamik dieses Wandels. Während im Jahr 2019 lediglich 12,9 Prozent der Erwerbstätigen im Homeoffice arbeiteten, stieg dieser Anteil im ersten Coronajahr 2020 bereits auf 21 Prozent.
Aktuell arbeitet bereits jeder vierte Berufstätige – das sind rund 10,5 Millionen Menschen – ausschließlich von zu Hause aus. Eine deutliche Mehrheit von 71 Prozent der Befragten glaubt zudem an einen weiteren Siegeszug dieser Arbeitsform. Besonders Führungskräfte, Wissenschaftler, Bürokräfte und Selbstständige treiben diese Entwicklung voran, wobei Männer das Homeoffice etwas häufiger nutzen als Frauen.
Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersuchte im Auftrag des Umweltbundesamtes in der Studie „Mobile Arbeit in der Zukunft“, wie sich dieser Trend auf das Klima auswirkt. Ihre Abteilung suchte mittels Horizon Scanning nach frühen Signalen des Wandels und analysierten gesellschaftliche Treiber. Das Umweltbundesamt lässt prüfen, ob der Staat nationale Klimaziele aufgrund des mobilen Arbeitens nachjustieren muss.
Homeoffice und mobile Work: Der negative Einfluss auf das Klima
Ein zentrales Problem für den Klimaschutz stellt die Doppelausstattung von Arbeitsplätzen dar. Da viele Beschäftigte sowohl im Büro als auch zu Hause technische Geräte vorhalten, steigt der Bedarf an kritischen Rohstoffen für die IT-Ausrüstung massiv an.
Auch beim Heizen entstehen Zielkonflikte: Arbeitgeber beheizen ihre Bürogebäude oft weiter, um Bauschäden wie Schimmel zu verhindern, selbst wenn viele Räume täglich leer stehen. Gleichzeitig heizen die Beschäftigten ihre privaten Wohnungen den ganzen Tag über zusätzlich auf, was die energetische Bilanz belastet.
Ein weiterer Trend ist die sogenannte Workation, bei der Arbeit und Urlaub miteinander verschmelzen. Dies führt häufig zu weiten Fernreisen, die durch den Siedlungsausbau und die nötige Infrastruktur die Umwelt an den Zielorten belasten.
Beliebte Städte wie Lissabon reagieren bereits mit strikten Vorgaben, da mobil Arbeitende die Preise so stark nach oben treiben, dass die Stadt die Einheimischen verdrängt. Ein bewusster Umgang mit diesen Ressourcen ist daher entscheidend für eine nachhaltige Arbeitswelt.
Verlassene Innenstädte: Wenn das Homeoffice die Gastronomie verdrängt
Pendler und Büroangestellte prägen das Stadtbild maßgeblich durch ihre Mittagspausen: Lokale Fast-Food-Anbieter und Geschäfte richten ihr Angebot auf diese Kundschaft aus. Wenn diese Menschen jedoch im Homeoffice bleiben, verlieren die Gastronomen ihre Abnehmer, was oft zu Leerständen führt.
Stattdessen übernehmen Lieferdienste die Versorgung, indem sie Essen und Pakete direkt an die Haustür bringen, was wiederum Emissionen durch den Transport verursacht. Dennoch bietet das mobile Arbeiten deutliche Chancen für den persönlichen ökologischen Fußabdruck.
Wer das Auto in der Garage lässt und stattdessen das Fahrrad für Besorgungen in der Nachbarschaft nutzt, reduziert die physische Mobilität spürbar. Zudem ersetzen virtuelle Online-Workshops zunehmend internationale Dienstreisen, was signifikante Mengen an Treibstoff einspart. Im Baugewerbe macht der virtuelle Raum zudem die Planung effizienter, da Simulationen physische Begehungen vor Ort ersetzen.
Homeoffice und mobile Work: Der positive Einfluss auf das Klima
Um die Vorteile für das Klima optimal zu nutzen, müssen Kommunen und Unternehmen die Gestaltung der Arbeitsplätze hinterfragen. Politische Anreize können dabei helfen, Vororte besser an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen und Leerstände in Innenstädten sinnvoll zu behandeln.
Ziel ist es, die Arbeitswelt zu Hause nicht nur ökonomisch, sondern auch ressourcenschonend und gesundheitsfördernd aufzubauen. Am Ende liegt es in der Verantwortung jedes Einzelnen, das eigene Verhalten und die damit verbundenen Konsequenzen zu reflektieren.
Menschen entscheiden durch ihr Handeln täglich über die Klimabilanz, indem sie etwa den Arbeitsweg antreten oder digital kommunizieren. Klimafreundliche Modelle benötigen kluge Stadtplanung und verantwortungsvolle Unternehmen. Zudem hängen sie von bewussten, individuellen Entscheidungen ab.
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