Können neue Atomkraftwerke die Energiewende beschleunigen? Eine aktuelle Analyse des Umweltbundesamts kommt zu einem klaren Ergebnis: Nein. Atomstrom ist mit bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde deutlich teurer als Wind- und Solarenergie und neue Meiler brauchen bis zu 20 Jahre Bauzeit. Warum Erneuerbare in allen entscheidenden Kategorien vorne liegen.
In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wird noch immer viel Strom mit fossilen Energien erzeugt. In Anbetracht der schnell zunehmenden CO2-Konzentration, die kürzlich den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht hat, sollen diese Kraftwerke durch CO2-ärmere Alternativen ersetzt werden. Eine Studie des Umweltbundesamts (UBA) hat deshalb untersucht, ob Atomkraftwerke oder Wind- und Solaranlagen die wirtschaftlich bessere Alternative sind.
Was kostet Atomstrom im Vergleich zu Wind und Solar?
Die Untersuchung offenbart, dass die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom bei Atomkraftwerken sowie Wind- und Solaranlagen auf demselben Niveau liegen.
Die Stromerzeugung mit Atomkraftwerken ist in Europa mit 15 bis 19 Cent pro eingespeister Kilowattstunde jedoch deutlich teurer.
Demgegenüber können die Wind- und Solaranlagen Strom für unter zehn Cent pro Kilowattstunde liefern. Den günstigsten Strom liefern laut der Studie Windkraftanlagen an Land, die lediglich 3,6 Cent pro Kilowattstunde kosten.
Warum der Bau neuer Atomkraftwerke bis zu 20 Jahre dauert
Diese wirtschaftliche Tendenz bestätigt auch eine weitere Studie der Aalborg University, die die systembasierte Stromgestehungskostenmetrik untersucht hat. Die erneuerbaren Energiequellen sind demnach ebenfalls deutlich günstiger als Atomstrom.
Neben den finanziellen Aspekten verhindert vor allem die lange Bauzeit der Atomkraftwerke einen schnellen Beitrag zur Energiewende. Pro neuem Meiler liegt sie bei bis zu 20 Jahren. Laut Analyse müsste der jährliche Zubau bei Atomkraftwerken im Rahmen der Energiewende bei mindestens 30 Gigawatt Leistung liegen.
Das entspricht einem jährlichen Zubau von rund 25 bis 30 größeren Anlagen. In den vergangenen Jahrzehnten wurden weltweit jedoch nur zehn Gigawatt Leistung pro Jahr neu installiert. Diese Kapazität reichte lediglich aus, um alte, nicht mehr betriebene Atomkraftwerke zu kompensieren.
Nur noch 3 Prozent Atomstrom bis 2050
Eine entsprechende Erhöhung des Ausbaus ist laut dem UBA nicht zeitnah möglich. Ein Großteil der benötigten Atomkraftwerke wäre also erst gegen 2050 fertiggestellt, selbst wenn heute ausreichend Kapazitäten für deren Bau existieren würden.
Im Jahr 1996 hatten Kernkraftwerke noch einen Anteil von 17 Prozent an der globalen Stromproduktion. In Anbetracht dieser Nachteile gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Atomkraftwerke im Jahr 2050 nur noch einen geringen Anteil von drei Prozent an der weltweiten Stromproduktion aufweisen würden.
Eine rechtzeitige Unterstützung der Energiewende durch neue Atomkraftwerke ist aufgrund der langen Realisierungszeiträume nicht zu erwarten. Wind- und Solaranlagen weisen deutliche Vorteile auf, die über den geringeren Strompreis weit hinausgehen.
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