ChatGPT Work KI-Agent OpenAI

ChatGPT Work: OpenAI baut seinen Chatbot in einen Büro-Agenten um

Fabian Peters
Bild: DepositPhotos

OpenAI hat mit ChatGPT Work einen KI-Agenten vorgestellt, der E-Mails lesen, Dokumente erstellen und komplette Arbeitsabläufe automatisieren soll. Damit verabschiedet sich das Unternehmen zunehmend von einem Chatbot für alle und richtet sich vor allem an Unternehmenskunden. Doch erste Nutzerreaktionen zeigen: Zwischen Versprechen und Realität klafft noch eine Lücke. Eine kommentierende Analyse.

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Was ist ChatGPT Work?

  • ChatGPT Work soll Informationen aus verbundenen Apps und Arbeitsabläufen sammeln und komplette Dokumente, Präsentationen und sogar Websites erstellen können. Laut OpenAI kann der KI-Agent stundenlang an komplexen Projekten arbeiten, sie in Teilbereiche zerlegen und eigenständig abarbeiten. Nutzer sollen Fortschritte verfolgen, Nachfragen stellen und Aktionen freigeben können. Als technische Grundlage dient das Modell GPT-5.6. Es umfasst die leistungsstarke Variante Sol, die für tägliche Aufgaben gedachte Variante Terra und die auf Kosteneffizienz getrimmte Version Luna.
  • OpenAI zufolge soll GPT-5.6 als Basis von ChatGPT Work mehrstufige Aufträge zuverlässiger bearbeiten und sich enger an Vorlagen und Referenzdaten halten. In der Desktop-Version verfügt ChatGPT Work zudem über einen eingebauten Browser, um im Netz recherchieren und auf Web-Anwendungen zugreifen zu können. Über die Funktion „Computer Use“ kann der KI-Agent Programme bedienen, Texte eingeben und Dateien verschieben. OpenAI entwickelt ChatGPT damit zunehmend zu einer eigenständigen Plattform, einer Art Super-App, die über ein reines Assistenzsystem hinausgeht.
  • ChatGPT Work erhält über ein Plugin-Verzeichnis Zugriff auf Informationen und Kontext. Der Agent kann darüber unter anderem auf Anwendungen wie Gmail, Microsoft Teams, Kalender, CRM-Systeme oder Google Drive zugreifen. Heißt konkret: ChatGPT Work kann Nachrichten einsehen, Videocalls auswerten, Kalendereinträge machen und Dokumente erstellen. Laut OpenAI lassen sich solche Arbeitsabläufe auch im Voraus planen. Sie könnten zu einem bestimmten Zeitpunkt, regelmäßig oder in Kombination mit einem bestimmten Ereignis starten.

Warum OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt

Während Meta, Apple oder Microsoft ihre KI-Assistenten einfach in ihre bestehenden Produkte einbauen, konnte OpenAI bei Unternehmenskunden bislang kaum mithalten. CEO Sam Altman hat deshalb einen Kurswechsel eingeleitet. Heißt konkret: Mit ChatGPT Work sollen ein Arbeitsagent und mit GPT-5.6 eine Arbeitsplattform entstehen, die weit über Small Talk mit einem Chatbot hinausgehen.

Etwas auffällig ist aber, wie sehr der KI-Agent Claude Cowork ähnelt, einem Assistenten mit Web-Zugriff, Plugins und Computer-Zugriff, den Anthropic bereits Angang 2025 an den Start gebracht hatte. Das offenbart aber auch, dass OpenAI der Konkurrenz hinterherhinkt. Denn im Gegensatz zum wohl größten Konkurrenten Anthropic hat das Unternehmen viel Zeit damit vergeudet, ChatGPT Emotionen, Emojis und unsinnige Funktionen wie einen Erotik-Modus einzuhauchen.

Bedenkt man die Nachteile wie den enormen Ressourcenverbrauch sowie das Missbrauchspotenzial von KI, liegt der Vorteil aber vielmehr in der Automation von Prozessen, Auswertung von Daten oder Optimierung von Arbeitsabläufen. Will heißen: Der Kosten-Nutzen-Faktor von Chatbots ist im Privatgebrauch nicht nur gering, sondern stellt auch eine große Umweltbelastung dar.

Wirklich Geld verdienen lässt sich hingegen mit KI-Agenten und vor allem Unternehmenskunden. Mit Blick auf die Forschung und das Gesundheitswesen können KI-Agenten wie ChatGPT Work sogar einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Das größte Problem bleibt aber die Fehleranfälligkeit von KI. Sprich: Wenn sich der Chatbot mal verhaspelt oder Quatsch erzählt, ist das mitunter harmloser, als wenn ein Agent sensible Daten, Dokumente oder Nachrichten verschlampt.

Stimmen

  • OpenAI zitiert Will Daney, Go-to-Market Manager bei NVIDIA, aus Eigeninteresse in einer offiziellen Ankündigung von ChatGPT Work: „Für Veranstaltungen verbrachte ich früher enorm viel Zeit in Excel damit, Account-Listen zusammenzustellen, Registrierungen nachzuverfolgen und Feedback aufzubereiten. Mit ChatGPT Work habe ich daraus einen automatisierten Workflow gemacht, den ich bei einem Event nach dem anderen ausführen und dann mit globalen Teams teilen kann, damit sie ihn an ihre Regionen anpassen können. Vor GTC waren etwa 40 % meiner Zeit für manuelle Berechnungen und Analysen eingeplant. Jetzt läuft dieser Prozess zweimal pro Woche in ChatGPT.“
  • Ein Reddit-Nutzer regt sich in einem Subforum unter dem Titel „ChatGPT Work does not Work“ vor allem über ein Werbevideo auf: „Ich verstehe nicht, warum ein Unternehmen mit einem Marketingbudget in Milliardenhöhe kein Video produzieren kann, in dem sein Produkt funktioniert. Sie hätten einem Praktikanten ein paar hundert Dollar zahlen können, damit er all diese Aufgaben manuell erledigt – aber richtig – und das dann als Werbung für ihr Produkt zeigen können. Oder sie hätten ihr Produkt tausend Mal laufen lassen und einfach einen Durchlauf auswählen können, bei dem es die Aufgabe nicht vermasselt hat. Doch genau das haben sie beschlossen, der Welt zu präsentieren.“
  • Thibault Sottiaux, Produktleiter bei OpenAI, hat unmittelbar nach der Veröffentlichung von ChatGPT Work auf die Kritik vieler Nutzer reagiert, die auf Mängel in der Benutzerfreundlichkeit und Kostenstruktur hingewiesen haben: „Die letzten 48 Stunden bei Codex und ChatGPT Work waren sehr intensiv! Drei wichtige Neuigkeiten: Vorübergehende Aufhebung der 5-Stunden-Nutzungsbeschränkung für alle Plus-, Business- und Pro-Tarife. Einführung von Änderungen, die GPT 5.6 Sol insgesamt effizienter machen und sich in einem geringeren Verbrauch niederschlagen, sodass Sie mehr damit erreichen können. Die genauen Auswirkungen werden noch quantifiziert und bekannt gegeben. Wir haben 6 Millionen aktive Nutzer erreicht und werden in der nächsten Stunde einen Nutzungs-Reset durchführen.“

ChatGPT Work als neues Geschäftsmodell

Zugegeben: ChatGPT Work ist nicht nur ein kleines Update. Denn mit dem KI-Agenten verabschiedet sich OpenAI immer mehr von der Idee, dass ChatGPT ein Chatbot für alle ist. Klar: Den gibt es natürlich weiterhin. Doch Unternehmenskunden, Vertrieb, Marketing und Finanzen rücken zunehmend in den Fokus von OpenAI.

Warum? Weil das Unternehmen schlichtweg keinen Gewinn macht. Privatnutzer werden natürlich auch weiterhin wichtig sein. Mit ChatGPT Work offenbart OpenAI aber, wo künftig das Geld verdient werden soll. Denn im Vergleich zu den klassischen Abo-Modellen lassen sich mit Unternehmensplänen höhere Preise durchsetzen und komplette Arbeitsabläufe an ChatGPT binden.

Die Gretchenfrage wird aber nicht nur sein, was der KI-Agent für Aufgaben übernehmen kann, sondern wie zuverlässig und datenschutzfreundlich er ist. Außerdem fraglich: Wie viel Kontrolle sind Unternehmen bereit, an eine KI abzugeben? Fest steht: Der Wettlauf der KI-Unternehmen hat sich mittlerweile endgültig verlagert. Und das ist auch gut so.

Denn Chatbots, die auf unterhaltsame Konversationen getrimmt sind, sind vielleicht eine nette Spielerei aber schlichtweg auch Ressourcenverschwendung – und zwar sowohl für die Umwelt als auch für Unternehmen wie OpenAI. Das größte Risiko bleibt wie bei Chatbots aber die Fehleranfälligkeit von KI, die für Unternehmen fatale Auswirkungen haben kann – auch mit Blick auf ihr Image und ihre Kunden.

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Fabian Peters ist seit Januar 2022 Chefredakteur von BASIC thinking. Zuvor war er als Redakteur und freier Autor tätig. Er studierte Germanistik & Politikwissenschaft an der Universität Kassel (Bachelor) und Medienwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Master).
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