Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge steht in historischen Innenstädten vor ästhetischen Herausforderungen. Ein Pilotprojekt in der Weltkulturerbe-Stadt Bamberg erprobt deshalb eine unauffällige Alternative zu klassischen Ladesäulen. Im Zentrum stehen bereits bekannte Ladebordsteine von Rheinmetall.
Die Stadtwerke Bamberg erproben im Rahmen eines aktuellen Pilotprojekts Ladebordsteine des Herstellers Rheinmetall im öffentlichen Raum. Ziel ist es, öffentliche Lademöglichkeiten für Elektroautos anzubieten, ohne das historische Stadtbild der UNESCO-Weltkulturerbestätte zu verändern.
Die unauffälligen Module kommen gezielt an Standorten zum Einsatz, an denen der Platz für konventionelle Ladesäulen fehlt oder strenge denkmalpflegerische Vorgaben den Aufbau klassischer Stationen verhindern.
Das Projekt knüpft an erste Praxistests aus dem Sommer 2023 an, die die Bordstein-Technologie an zwei Standorten in Köln erprobten. Laut Herstellerangaben wurden im Stadtteil Köln-Lindenthal bereits 2.800 Ladevorgänge mit einer Zuverlässigkeit von 99 Prozent absolviert. Bis zum Jahresende will Bamberg die öffentlichen Ladepunkte in der Stadt auf insgesamt 28 Stück erhöhen.
Wie funktionieren Ladebordsteine für Elektroautos?
Die technische Funktionsweise entspricht der einer klassischen Ladesäule, wobei Nutzer das Ladekabel direkt in eine waagerecht konstruierte, im Bordstein versteckte Ladeeinheit am Boden einstecken müssen. Die Elektronik liegt unter der Erde und ist vor Umwelteinflüssen geschützt. Der Anschluss erfolgt an das öffentliche Niederspannungsnetz.
Auf der Oberfläche beschränkt sich die sichtbare Infrastruktur auf ein exakt einen Meter langes Bordsteinsegment. Dieses besitzt eine Lade-Steckdose, ein Kartenlesegerät und ein Kontrolldisplay. An den zwei neuen Standorten am Bamberger Platz Schranne steht eine Wechselstrom-Ladeleistung mit bis zu 22 Kilowatt zur Verfügung.
Jan Giersberg von den Stadtwerken Bamberg betont gegenüber dem Bayerischen Rundfunk die ästhetischen Vorzüge: „Wir sind hier in der Weltkulturerbestadt. Da passen die großen, weißen, klobigen Ladesäulen einfach nicht rein. Die stören das Bild.“
Vor- und Nachteile von Ladebordsteinen
Für den Alltag von E-Autofahrern hat das System einige Vorteile. Während des Ladevorgangs ist das Parken in Bamberg für bis zu zwei Stunden kostenlos. Die Anmeldung erfolgt per RFID-Karte oder Smartphone-App. Durch die Montage auf Bodenniveau ist die Konstruktion zudem vor Vandalismus geschützt. Sollte ein Modul beschädigt werden, lässt es sich laut Rheinmetall wesentlich einfacher austauschen als eine herkömmliche Ladesäule.
Trotz der praktischen Handhabung gibt es wirtschaftliche und funktionale Einschränkungen. Die Anschaffungskosten der Ladebordsteine liegen aktuell noch über denen klassischer Ladesäulen. Außerdem könnten Autofahrer die Punkte im Straßenbild leicht übersehen. Die Wechselstrom-Technologie mit 22 Kilowatt hat zudem eine deutlich geringere Ladegeschwindigkeit als Schnellladestationen.
Im Gegensatz zu klassischen Ladesäulen müssen sich Nutzer bei Ladebordsteinen stärker bücken. Für ältere Menschen kann das die Handhabung einschränken. In engen und verwinkelten Stadtzentren könnten Bordsteinlösungen jedoch eine gute Ergänzung zum bestehenden Netz darstellen.
Auch interessant:









