Weltweit fahren rund 1,4 Milliarden Verbrenner auf den Straßen. Selbst ein sofortiger Verkaufsstopp würde daran jahrelang nicht viel ändern. Ein möglicher Schalthebel: Bestehende Autos auf einen Elektroantrieb umrüsten. Laut einer französischen Studie kann ein solches Retrofit sogar klimafreundlicher sein als der Kauf eines neuen E-Autos. Doch der Weg dahin ist voller regulatorischer und wirtschaftlicher Hürden. Ein Überblick über den Stand der Technik, die Kosten und die neuen UN-Pläne. Eine kommentierende Analyse.
Wie funktioniert der Umbau vom Verbrenner zum E-Auto?
- In Deutschland lassen sich Verbrenner nur über teure Einzelmaßnahmen auf einen Elektroantrieb umrüsten. In den meisten anderen Ländern gibt es gar keinen regulatorischen Rahmen. Nur Frankreich hat 2020 ein eigenes und standardisiertes Zulassungsverfahren für Umrüstkits eingeführt. Der große Durchbruch bleibt bislang aber aus. In Deutschland gibt es nur eine Handvoll kleinerer Werkstätten, die Verbrenner in Elektroautos umbauen.
- Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) erarbeitet derzeit ein Regelwerk für den Umbau von Verbrennern in E-Autos, das weltweit gültig sein soll. Eine spezielle Arbeitsgruppe will bis 2027 konkrete Vorschriften entwickeln. Geregelt werden sollen unter anderem Mindestanforderungen für Umrüstkits, Leistungsanforderungen für umgebaute Fahrzeuge und standardisierte Kits. Aus einem aktuellen Entwurf geht hervor, dass lediglich autorisierte Installateure Umbauten vornehmen dürfen. Private Tüftler wären weiterhin auf nationale Einzelabnahmen angewiesen.
- Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um Verbrenner in Elektroautos umzubauen. Beim ersten Ansatz wird der Motor an das vorhandene Getriebe angeflanscht. Diese Lösung kommt häufig bei Einzelumbauten und Oldtimern zum Einsatz, da sie weniger Entwicklungsaufwand erfordert und das bestehende Schaltgetriebe erhalten bleibt. Beim zweiten Ansatz wird das Getriebe vollständig entfernt und durch einen direkten Elektroantrieb ersetzt. Diese Variante orientiert sich stärker an modernen Elektrofahrzeugen, da sie mit weniger beweglichen Teilen auskommt und dadurch in der Regel effizienter sowie einfacher im Betrieb ist.
Umbau von Verbrenner in E-Elektroauto – bis zu 47 Prozent weniger CO2 als ein neuer Stromer
Der Umbau von Verbrennern zu Elektroautos könnte dabei helfen, den weltweiten Fahrzeugbestand klimafreundlicher zu machen. Denn rund 1,4 Milliarden Pkw sind aktuell weltweit mit Verbrennungsmotor unterwegs. Selbst bei einem sofortigen Ende des Verbrennerverkaufs würde dieser Bestand noch Jahrzehnte weiterfahren.
Eine Umrüstung und Modernisierung, auch Retrofit genannt, kann deshalb ein möglicher Schalthebel zu einer schnelleren Dekarbonisierung sein. Dabei kann die Klimabilanz über den Lebenszyklus sogar besser ausfallen als bei einem Neuwagenkauf. Vor allem die eingesparte Produktion neuer Fahrzeuge spielt dabei eine zentrale Rolle.
Die französische Umweltbehörde ADEME kommt etwa zu dem Ergebnis, dass ein umgerüsteter Kleinwagen 66 Prozent weniger CO2 verursacht als ein weiter genutzter Diesel. Im Vergleich zu einem neuen Elektroauto sind es 47 Prozent weniger Emissionen über die Lebensdauer. Hauptgrund dafür ist vor allem der Wegfall der Herstellung einer neuen Karosserie.
Auch wirtschaftlich kann ein Umbau unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat beispielsweise eine Amortisation nach etwa sieben Jahren errechnet. Ausgehend von 12.000 bis 15.000 Euro Umbaukosten und 14.000 Kilometern Jahresfahrleistung.
Stimmen
- Oldtimer-Fan und Zahnarzt Jörg Kutscher hat seinen DeLorean (Baujahr 1981), von dem es weltweit nur noch wenige Exemplare gibt, selbst in ein Elektroauto umgebaut: „Ich wollte ein hübsches Elektroauto in einem edlen Design. Wir haben die größten Fehlerquellen ausgebaut, und das sind halt Motor, Kühlsystem, Auspuff. Also das ist schon mal kein Grund mehr, ihn zu verschrotten. Die Elektrotechnik wird auf jeden Fall länger halten als alles drum herum. (…) Aber wenn eine Firma es schafft, so einen Umbau günstiger anzubieten als ein gebrauchtes, vergleichbares Elektroauto, dann hätte das Konzept auch in Deutschland eine Chance.“
- Ralf Schollenberger ist Erfinder und Mitbegründer des Unternehmens e-Revolt, das sich auf die Umrüstung von Verbrenner in E-Autos spezialisiert hat. In einem Interview erklärte er: „Die Idee für e-Revolt kam mir, als ich meinen Stuttgarter SUV verkaufen musste. Technisch einwandfrei, doch Reparaturen an Abgassystem und Sensorik waren schlicht zu teuer. (…) Würden wir ein Haus abreißen, nur weil die Küche kaputt ist? Nicht jeder kann oder will sich ein Neufahrzeug für 30.000+ Euro leisten. Fahranfänger, Cabrio-Liebhaber oder Menschen, die ihr Auto einfach weiterfahren möchten, stehen oft ohne Alternative da. Genau hier setzt e-Revolt an: Wir geben gut erhaltenen Qualitätsfahrzeugen ein zweites, emissionsfreies Leben – nachhaltig und bezahlbar.“
- Eine Sprecherin des Verbands der Automobilindustrie äußerte sich gegenüber der taz skeptisch: „Die Umrüstung von Verbrennern auf Elektroantrieb kann ein möglicher kleiner Baustein für die Dekarbonisierung von Bestandsfahrzeugen sein.“ Für die breite Masse der Pkw bleibe die Umrüstung jedoch „aufgrund der hohen Kosten und technischen sowie regulatorischen Hürden nur bedingt attraktiv.“ Der Ansatz eigne sich „vor allem für bestimmte Fahrzeugsegmente – etwa Oldtimer oder Spezialfahrzeuge –, bei denen ein Neukauf keine Option ist.“
Vebrenner in Elektroauto umbauen: Retrofit taugt nicht für jedes Auto
Technisch ist der Umbau von Verbrennern in Elektroautos längst kein Hexenwerk mehr. Vielmehr ist er eine Frage der Architektur. Der Umbau würde es ermöglichen, Karosserien, Fahrwerke und weitere Fahrzeugteile weiterzuverwenden. Der Vorteil: Im Gegensatz zu einem Neukauf müssten diese nicht neu produziert werden. Das wiederum könnte Ressourcen schonen.
Besitzer älterer Fahrzeuge hätten die Möglichkeit, einfacher in die Elektromobilität einzusteigen, ohne ein nigelnagelneues E-Auto kaufen zu müssen. Die Kosten für den Umstieg könnten deutlich geringer ausfallen. Im Idealfall wäre sogar die Klimaneutralität im Verkehrssektor schneller erreichbar, da gleichzeitig mehr E-Autos und weniger Verbrenner auf den Straßen unterwegs wären. Denn bei einem Neukauf landen bisherige Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt.
Und dennoch: Der Umbau bleibt technisch anspruchsvoll und eignet sich nicht für jedes Fahrzeug. Der Zustand und Aufbau älterer Verbrenner setzen dem Retrofit etwa klare Grenzen. Die Umrüstung ist damit nur für bestimmte Fälle eine Lösung.
Doch Förderungen wie in Frankreich könnten Retrofit sinnvoll unterstützen, sofern bestimmte Bedingungen eingehalten und Standards etabliert werden. Das deutsche Bundesverkehrsministerium hält eine serielle Umrüstung von Pkw jedoch für wirtschaftlich nicht sinnvoll.
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