Opel hat jahrelang seinen Elektrokurs gewechselt wie andere Hersteller ihre Modellfarben. Erst sollte ab 2028 alles elektrisch sein, dann doch wieder nicht. Und jetzt hat Opel-Chef Florian Huettl einen reinen E-Corsa für rund 25.000 Euro angekündigt – wiederum ab 2028. Damit würde Opel eines der günstigsten E-Autos auf den deutschen Markt bringen und in direkte Konkurrenz zu Volkswagens ID. Polo treten. Eine kommentierende Analyse.
Vom E-Versprechen zum Zickzackkurs: Opel Corsa wird elektrisch
- Im Juni 2023 kündigte Mutterkonzern Stellantis an, ab 2024 jedes Opel-Modell auch als E-Variante anbieten zu wollen. Das Rüsselsheimer Unternehmen hielt Wort. Damalige Regierung: die Ampel-Koalition. Zum Zeitpunkt der Ankündigung gab es auch unter SPD, FDP und Grünen noch eine E-Autoprämie. Der sogenannte Umweltbonus wurde Ende 2023 aber abrupt ein Jahr früher als geplant gestrichen. Daraufhin brach der Absatz von Elektroautos massiv ein. Grund für das jähe Ende war eine Klage der CDU vor dem Bundesverfassungsgericht, die zu einem Haushaltsloch führte.
- Neue Regierung, neue Wende: Die sogenannte große Koalition setzte sich unmittelbar nach ihrer Wahl für ein Aufweichen des geplanten Aus neuer Verbrenner ab 2035 ein. Die Folge: Auf EU-Ebene findet aktuell ein Änderungsverfahren statt. Es sieht vor, dass das ursprüngliche Ziel von 100 Prozent CO2-Reduktion ab 2035 auf 90 Prozent abgesenkt wird. Damit könnten unter bestimmten Voraussetzungen teilweise auch künftig noch Hybride oder sogar Verbrenner zugelassen werden. Opel vollzog derweil eine kleine Kehrtwende von seiner einstigen E-Wende und kündigte durch die Blume wieder mehrere Modelle explizit mit verschiedenen Antriebsarten an.
- Aktuell ist der Opel Corsa als Benziner, Hybrid oder Elektroauto zu haben. Er basiert auf der e-CMP-Plattform von Mutterkonzern Stellantis. 2027 sollte eigentlich eine neue Modellreihe kommen – dem Vernehmen nach ebenfalls mit verschiedenen Antriebsarten. Gegenüber der Welt am Sonntag ließ Opel-Chef Florian Huettl nun aber verlauten, dass der neue Corsa erst 2028 auf den Markt kommt – als reines Elektroauto. Der E-Corsa soll auf der neuen Stellantis-Plattform STLA Small basieren, die theoretisch auch andere Antriebsarten ermöglicht. Sie wurde aber vor allem zur Elektrifizierung der eigenen Flotte konzipiert.
Was Opel besser macht als VW
Wenn es um die deutschen Autobauer geht, geht es vor allem um Volkswagen, Mercedes und BMW. Opel scheint in puncto Elektromobilität oder Automobilkrise vor allem medial allenfalls eine Nebenrolle zu spielen. Das ist zumindest mein Eindruck. Dabei kriselt es auch in Rüsselsheim. Denn Stellenabbau und Absatzeinbrüche machen auch vor Opel keinen Halt.
Indes steht das Unternehmen bei den aktuellen Halbjahreszahlen 2026 aber wieder deutlich besser da als die anderen deutschen Autobauer. Grundproblem der Automobilindustrie in Deutschland ist aber nicht allein die allgemein schwächelnde Wirtschaft. Es sind auch hausgemachte Management-Entscheidungen.
Kleinwagen wurden etwa ausgedünnt, Modelle immer größer und teurer – und damit für immer mehr Menschen schlicht unerschwinglich. Gleichzeitig wurde die Elektromobilität lange eher verwaltet als vorangetrieben. Oder: mitunter verpennt!
Vor allem Volkswagen bekommt das in China zu spüren, wo der Markt längst stark auf Elektroautos getrimmt ist. Wer dort den Anschluss verliert, verliert eben nicht nur ein paar Prozentpunkte.
Opel ist hingegen fast der karosseriegewordene Beweis dafür, dass Antriebsvielfalt nicht zwangsläufig Stillstand bedeuten muss. Denn Benziner, Hybride und Elektroautos nebeneinander können gerade in einer Übergangsphase sinnvoll sein – zumindest so lange, bis daraus keine Ausrede wird, die Elektrifizierung zu verschleppen.
Der neue E-Corsa passt deshalb grundsätzlich in die Zeit. Er ist ein vergleichsweise günstiges Elektroauto für den Massenmarkt. Nur kommt er 2028 eben auch ziemlich spät. Die Frage ist deshalb nicht nur, ob Opel den richtigen Weg einschlägt, sondern ob Rüsselsheim diesmal schnell genug unterwegs ist.
Stimmen
- Im September 2023 sagte Opel-Chef Florian Huettl in einem Interview mit der Bild: „Bereits im kommenden Jahr bieten wir in ausnahmslos jeder Baureihe mindestens ein rein batterieelektrisches Modell an. Ab 2025 wird jedes neu in den Markt gebrachte Opel-Modell ausschließlich rein elektrisch angetrieben sein. Ab 2028 werden wir in Europa nur noch batterieelektrische Autos anbieten.“
- Im August 2025 folgte die Kehrtwende. Auf eine Anfrage des Hamburger Redaktionskontors BeHonest für Elektroauto-News ließ eine Unternehmenssprecherin verlauten: „Wir profitieren von der Flexibilität, die unsere Strategie im Einkauf und in den Werken bietet. Diese muss nicht auf 2028 begrenzt sein, wenn die Nachfrageseite anderes verlangt, doch wir haben ganz klar die Ziele im Bereich der Dekarbonisierung unseres Unternehmens und unseres Fahrzeugangebots im Blick. Aktuell prüfen wir unsere entsprechenden Planungen und passen sie an die neuen Bedingungen an.“
- Und nun? Wieder eine kleine Wende von der Kehrtwende der E-Wende. Gegenüber der Welt am Sonntag sagte Opel-Chef Florian Huettl zum neuen Corsa: „Er wird 2028 kommen, rein elektrisch sein und um die 25.000 Euro kosten. (…) Mit so einem Angebot leisten wir unseren Beitrag zur Etablierung der Elektromobilität auch im Einstiegssegment. (…) Das Angebot ist stark, die Ladeinfrastruktur entwickelt sich gut, die Politik unterstützt Elektrofahrzeuge gezielt. Und durch gestiegene Benzinpreise rechnet sich ein Elektroauto für viele Kunden schneller.“
E-Corsa für 25.000 Euro: Opel muss jetzt vor allem liefern
Opel will mit seinem neuen E-Corsa eine Lücke schließen. Er tritt in einem Segment an, das bislang zwischen Kleinwagen-Sterben und Elektroauto-Aufpreis eingeklemmt war. Mit einem Preis von rund 25.000 Euro wäre er ein direktes Konkurrenz-Angebot zum ID.Polo von Volkswagen. Er könnte ein kleines Duell mit großer Symbolkraft entfachen.
Denn wer die Elektromobilität wirklich in die Breite bringen will, muss irgendwann weg von den teuren SUV und hin zu bezahlbaren Alltagsautos. Zeitlich könnte Opel dabei gerade noch die Kurve kriegen, da die E-Autoprämie noch bis Ende 2029 laufen soll. Der E-Corsa hätte also noch rund ein Jahr, um von der Förderung zu profitieren.
Ob das reicht, um den Markt nachhaltig anzukurbeln, ist aber eine andere Frage. Denn staatliche Kaufanreize können zwar die Nachfrage stimulieren; sie ersetzen aber weder attraktive Modelle noch vernünftige Preise.
Hinzu kommt, dass Opel als Teil von Stellantis streng genommen längst kein rein deutscher Autobauer mehr ist. Die Entwicklung des neuen E-Corsa ist deshalb auch weniger eine deutsche Einzelentscheidung, sondern Teil der internationalen Konzernstrategie.
Umso wichtiger wäre es, dass Opel nicht jeden politischen Zickzackkurs mitmacht. Denn nach Jahren von E-Wende, Kehrtwende und Kehrtwende der Kehrtwende braucht es weniger Richtungswechsel – dafür aber umso mehr Konsequenz und Konstanz.
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