In Schönefeld ist Deutschlands größte Agri-PV-Anlage in Betrieb gegangen. Auf rund 76 Hektar wird hier künftig gleichzeitig Landwirtschaft betrieben und Solarstrom gewonnen. Das Modellprojekt für die doppelte Nutzung wertvoller Flächen wird zusätzlich wissenschaftlich begleitet.
Die Energiewende geht mit einem wachsenden Platzbedarf für Anlagen zur Erzeugung von Wind- und Solarenergie einher. Das Windenergieflächenbedarfsgesetz sieht beispielsweise vor, bis 2032 zwei Prozent der Fläche Deutschlands für Windenergie an Land auszuweisen. Für die Freiflächen-Photovoltaik sollen bis zum Jahr 2040 bis zu 195.000 Hektar, also rund 0,5 Prozent der Fläche Deutschlands, genutzt werden.
Doch gleichzeitig werden Äcker und Grünflächen weiterhin für die Erzeugung von Lebensmitteln benötigt. Um den zunehmenden Nutzungsdruck auf Böden zu begrenzen, dürfte es deshalb immer wichtiger werden, Flächen nicht nur einer einzigen Funktion vorzubehalten. Eine Lösung hierfür ist die Agri-Photovoltaik, bei der Landwirtschaft und die Produktion von Solarstrom auf derselben Fläche stattfinden und nicht miteinander konkurrieren müssen.
In der Gemeinde Schönefeld ist nun das größte Agri-Photovoltaik-Projekt in Deutschland in Betrieb gegangen. Dabei finden auf rund 76 Hektar Fläche gleichzeitig Landwirtschaft sowie Solarmodule Platz.
Deutschlands größte Agri-Photovoltaik-Anlage startet in Schönefeld
Auf rund 76 Hektar Fläche hat die Berliner Stadtgüter GmbH (BSG) im Schönefelder Ortsteil Selchow Deutschlands größte Agri-Photovoltaik-Anlage mit Ackerbau in Betrieb genommen. Insgesamt werden dort künftig 74.064 Solarmodule erneuerbaren Strom erzeugen.
Die Module, die 3,50 Meter über der landwirtschaftlich genutzten Fläche angebracht sind, wurden in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und können so der Sonne im Tagesverlauf folgen. Dadurch können diese nach Angaben der BSG 25 bis 30 Prozent mehr Strom im Vergleich zu fest installierten Modulen erzeugen. So soll die gesamte Anlage jährlich Strom für rund 16.500 Haushalte erzeugen, wodurch rund 21.500 Tonnen CO2 eingespart werden können.
Für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung stehen die Freiflächen zwischen den Solarmodulen zur Verfügung. Diese wurden in einem Abstand von elf Metern errichtet, rund neun Meter davon können landwirtschaftlich genutzt werden.
Zusätzlich sollen direkt unter den Solarmodulen Wildblumenstreifen entstehen und Lebens- und Rückzugsräume für Insekten und Kleintiere bieten. Insgesamt strebt die BSG an, mindestens 90 Prozent der Fläche ökologisch zu bewirtschaften.
Nicht nur Strom vom Acker: Agri-PV schützt Pflanzen und Böden
Wie gut sich Landwirtschaft und Solaranlagen auf derselben Fläche tatsächlich ergänzen, wird in dem Modellprojekt in Schönefeld zusätzlich wissenschaftlich untersucht. Dabei werden unter anderem Wissenschaftler vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung sowie der TU Dresden erforschen, wie sich die Anlage auf Ernteerträge, Bodenfeuchte und Biodiversität auswirkt.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den möglichen Vorteilen der Teilverschattung. Denn die Solarmodule können vor allem in Hitzeperioden die darunterliegenden Pflanzen vor intensiver Sonneneinstrahlung schützen. Auch die Verdunstung kann so reduziert werden und damit Trockenstress abmildern. Niederschläge und Starkregen können zusätzlich teilweise abgefangen werden und die Kulturen so vor Wetterextremen schützen.
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