Die Energiewende in Europa bringt die Stromnetze zunehmend an ihre Grenzen. Eine von der NGO Beyond Fossil Fuels beauftragte Analyse zeigt, dass enorme Kapazitäten bei erneuerbaren Energien und Batteriespeichern auf einen Netzanschluss warten. Dieser Rückstau bremst Ausbauprojekte und Investitionen massiv aus.
Der Ausbau erneuerbarer Energien in Europa schreitet immer weiter voran. Der Anteil der Solarenergie an der Nettostromerzeugung in der EU lag im Jahr 2023 noch bei 8,1 Prozent. Bis 2025 ist er bereits auf 11,2 Prozent gestiegen.
Doch mit dem zunehmenden Ausbau von Wind- und Solarparks wächst auch der Druck auf die Stromnetze. Denn erzeugter Strom aus erneuerbaren Quellen kann nur dann genutzt werden, wenn diese Anlagen rechtzeitig an das Verteil- und Übertragungsnetz angeschlossen werden.
Genau hier entstehen zunehmend Engpässe, die durch langwierige Genehmigungsverfahren und überfüllte Anschlusswarteschlangen Projekte teils über Jahre verzögern. Eine von der NGO Beyond Fossil Fuels beauftragte Analyse zeigt, dass aufgrund dessen Hunderte Gigawatt an erneuerbaren Energien und Batteriespeichern europaweit auf einen Netzanschluss warten.
Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Euro warten auf Netzanschluss
Für die Analyse hat das Beratungsunternehmen AFRY die Anschlusswarteschlangen in den Verteilnetzen von acht europäischen Märkten untersucht. Dazu zählten neben Deutschland die Länder Bulgarien, Tschechien, Großbritannien, Griechenland, Italien, Polen und Spanien.
Im Fokus standen dabei erneuerbare Erzeugungsanlagen und Batteriespeicher mit mehr als einem Megawatt Leistung. Untersucht wurden dabei Projekte, für die entweder bereits ein formeller Netzanschluss beantragt wurde oder die trotz Genehmigung noch auf die Inbetriebnahme warten.
Obwohl die Zahlen zwischen den einzelnen Ländern aufgrund unterschiedlicher Datenverfügbarkeit und Meldepraktiken laut dem Bericht nur eingeschränkt direkt miteinander vergleichbar sind, zeigt die Analyse einen deutlichen Rückstau bei Netzanschlüssen. Dieser betreffe sowohl neue Erzeugungsanlagen als auch Batteriespeicher.
In den acht untersuchten Märkten in Europa warten demnach derzeit Investitionen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro auf ihren Netzanschluss auf Verteilnetzebene. Da für den Bericht jedoch nur Projekte mit einer Leistung von mehr als einem Megawatt Leistung untersucht wurden, dürfte das tatsächliche Volumen noch deutlich höher liegen.
Energiewende in Europa: Administrativer Aufwand bremst Netzanschluss
In den untersuchten Märkten gehen in jedem Jahr im Schnitt mehr als 11.000 Anträge auf Netzanschluss für Projekte im Bereich erneuerbare Energien und Batteriespeicher ab einem Megawatt Leistung ein. Laut dem Bericht warten hier jedoch bereits Projekte für erneuerbare Energien mit einer Gesamtleistung von rund 375 Gigawatt sowie Batteriespeicherprojekte mit 455 Gigawatt auf ihren Anschluss an das Verteilnetz.
Eine der Herausforderungen für den Anschluss bestehe darin, Kabel, Transformatoren und Umspannwerke zu verstärken. Zusätzlich bremse ein erheblicher operativer und administrativer Aufwand die Verteilnetzbetreiber aus. Denn jeder Antrag erfordere eine technische Prüfung, Koordinierung, Dokumentation und häufig auch Netzstudien.
Dabei seien vor allem Verzögerungen beim Anschluss von Speichern besonders kostspielig, da viele Vorteile ungenutzt bleiben. Denn Batteriespeicher können nicht nur überschüssigen Strom aus erneuerbaren Quellen aufnehmen und in Zeiten hohen Bedarfs wieder abgeben. Sie führen auch dazu, dass weniger Anlagen abgeregelt werden müssen und das System mehr Flexibilität erhält.
Allein in Deutschland wurden laut der Bundesnetzagentur im Jahr 2025 rund 9,4 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien aufgrund von Netzengpässen abgeregelt. Ausgegangen von einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden, könnte diese Menge rein rechnerisch etwa 2,7 Millionen Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.
Beyond Fossil Fuels fordert deshalb einen grundlegenden Umbau der europäischen Verteilnetze. Statt Anschlussanträge vor allem administrativ zu verwalten, sollten Netzbetreiber vorausschauender investieren sowie digitale Lösungen und flexible Netzsteuerung stärker nutzen. Auch spekulative Projekte müssten aus den Warteschlangen entfernt werden. Ziel müsse es sein, Verteilnetze von einem Engpass zu einer aktiven Infrastruktur für erneuerbare Energien zu entwickeln.
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