Smart City Kommunen Digitalisierung Bitkom

Smart City: Was Kommunen jetzt von der Bundesregierung fordern

André Gabriel
Bild: DepositPhotos

Der aktuelle Smart City Index zeigt eine positive Entwicklung. Doch genau darauf darf sich Deutschland nicht ausruhen, wie der Digitalverband Bitkom zusammen mit Spitzenverbänden der Kommunen und Gemeinden fordert. Für eine erfolgreiche Digitalisierung der Kommunen sind neue Förderansätze nötig. Doch ist das mit der oft kurzfristigen Denkweise der Bundesregierung überhaupt vereinbar? Eine kommentierende Analyse.

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Warum es jetzt dauerhaft finanzierte Strukturen braucht

  • Der Digitalverband Bitkom, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB), der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) stellen in einem gemeinsamen Positionspapier klare Forderungen: Die Digitalisierung der kommunalen Daseinsvorsorge dürfe nicht mehr von befristeten Modellprojekten abhängen. Stattdessen brauche es eine dauerhafte digitale Grundversorgung für Kommunen.
  • Warum kam es zu dem Zusammenschluss? Zentrale Förderprogramme wie die Modellprojekte Smart Cities des Bundesbauministeriums laufen aus. Gleichzeitig könne die Digitalisierung der Kommunen nicht nur mit einzelnen Innovationsprojekten gelingen, weshalb die bisherige Förderlogik nicht mehr tragbar sei. Ziel müsse es sein, die „weitere Digitalisierung von Städten und Regionen […] in dauerhaft finanzierte Strukturen zu bringen, die allen Kommunen zugutekommen“, wie es in der Presseinformation des Bitkom heißt.
  • Die Forderungen richten sich auch konkret an den Deutschland-Stack – die nationale Technologieplattform für die Digitalvorhaben in Deutschland. Hier müsse die Politik auch Smart-City-Lösungen sowie nötige Standards und Schnittstellen berücksichtigen, damit Kommunen dauerhaft digitale Basisinfrastrukturen erhalten. Der Deutschland-Stack soll das Fundament für eine digitale Verwaltung schaffen, das auf souveränen, europäisch anschlussfähigen und interoperablen digitalen Komponenten für Bund, Länder und Kommunen fußt.

Weniger reden, mehr machen!

Der Smart City Index 2026 zeigt: In Deutschland ist nicht alles eingestaubt. Bitkom hebt unter anderem das flächendeckende Klimamessnetz mit 76 Stationen im gesamten Stadtgebiet von Dortmund hervor. Es erfasst die Hitzebelastung und macht sie über ein Dashboard sichtbar, um Hitzeereignisse früher zu erkennen. Auch Solingen gehört zur Best-Practice-Sammlung, weil die kreisfreie Großstadt mit dem Pilotprojekt SMARTKRIS die Krisenkommunikation optimiert.

Fakt ist aber auch, dass solche Erfolge in befristeten Förderprogrammen entstanden sind. Um einen nachhaltigen Nutzen zu ziehen, müsse man zum einen voneinander lernen, zum anderen sei es wichtig, „das Erreichte zu sichern und auszubauen, statt es auslaufen zu lassen“. Außerdem sollten Kommunen laut Bitkom „künftig nach dem Prinzip ‚weniger entwickeln, mehr beschaffen‘ erprobte Lösungen über einen ausgebauten Marktplatz beziehen können, unterstützt von einer zentralen Beratungsstelle für Auswahl, Einführung und Betrieb“.

Das alles klingt nach: weniger reden, mehr machen, aber bitte mit einem nachhaltigen Fokus. Getriggert? Und wie! Dass kurzfristige Lösungen, oft mit einem aktionistischen Charakter, en vogue sind, untermauert der erneute und viel kritisierte Tankrabatt. Und jetzt will Friedrich Merz doch noch die Stromsteuer für alle senken – eine ähnliche Richtung. Denn die mögliche Umsetzung eines alten Versprechens ist zweckgebunden: Die CDU greift nach Vertrauensstrohhalmen. Rund fünf Milliarden Euro wird das vor allem politisch gedachte Vorhaben kosten.

Die Deutschland-App ist ein Positivbeispiel. Sie wird nun in sechs Pilotkommunen erprobt (in Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden). Dafür wird zunächst ein Prototyp entwickelt und anschließend mit Nutzern getestet – inklusive der digitalen Identifizierung über die Online-Ausweisfunktion und einer möglichen Anbindung an die EUDI-Wallet.

Stimmen

  • Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder sieht die Erfolge und notwendigen Schritte: „Viele Städte haben gezeigt, dass Smart City funktioniert. Jetzt muss aus einzelnen Erfolgen eine digitale Grundversorgung für alle Kommunen werden, gerade auch für die kleineren. Nach Jahren der Modellprojekte brauchen wir Strukturen, die dauerhaft tragen. Das heißt insbesondere: Der künftige Deutschland-Stack muss bis ins kleinste Rathaus reichen.“
  • Markus Richter, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), zum Deutschland-Stack: Damit „schaffen wir eine offene, sichere und skalierbare IT-Infrastruktur, die föderale Zusammenarbeit erleichtert, Innovationen beschleunigt und nutzerorientierte Lösungen ermöglicht. Die Plattform wird Basiskomponenten wie Cloud- und IT-Dienste bereitstellen, die von Bund, Ländern und Kommunen genutzt werden können.“
  • Aus dem Smart City Index des Bitkom: „Deutlich sichtbar bleibt der Unterschied zwischen großen und kleineren Großstädten. Städte ab einer Million Einwohner erreichen im Mittel 87,5 Punkte (Vorjahr: 85,8 Punkte), Städte zwischen 500.000 und 999.999 Einwohnern 84,5 Punkte (81,0). Am unteren Ende stehen die Städte zwischen 100.000 und 149.999 Einwohnern mit 66,8 Punkten.“

Smart Cities sind viel mehr als nur Modernisierung

Zwar zeigen die Zahlen eine Kluft zwischen den kleinsten und größten Städten. Doch sie verdeutlichen auch, dass sich der Abstand verringert: von 23,4 auf 20,7 Punkte. „Größe hilft, aber auch Kleine können digital. Die kleinsten Großstädte holen in diesem Jahr am stärksten auf, und mit Erlangen, Hildesheim und Gütersloh stehen gleich drei von ihnen unter den dynamischsten Aufsteigern“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Ein Platz in den Top Ten erforderte diesmal 85,5 Punkte. 2025 haben dafür 84,7 Punkte gereicht, davor 79,8, und 2023 waren 76,6 Punkte nötig. Das kontinuierlich steigende Niveau spiegelt die positive Entwicklung im Bereich der kommunalen Digitalisierung wider. Jetzt gilt es, die Erfolge auszubauen, statt sie durch fehlende infrastrukturelle und finanzielle Mittel auszubremsen. „Die Städte haben bewiesen, dass sie digitalisieren wollen und digitalisieren können. Bei ihren Anstrengungen sollten [sie] weiterhin auch vom Bund unterstützt werden“, so Wintergerst.

Ein kontextuell gutes Zeichen ist das Webinar „Deutschland-Stack – Kompakt-Briefing“, das der DStGB zusammen mit dem BMDS vor Kurzem veranstaltet hat. Im einleitenden Statement erklärte DStGB-Sprecher Alexander Handschuh, dass die Kommunen entscheidend für den Erfolg von Deutschland-Stack und generell Digitalisierung seien. Laut Christina Decker, Leiterin der Abteilung Deutschland-Stack beim BMDS, würde der Deutschland-Stack auch dazu beitragen, dass die Bürger mehr Freude an der Verwaltung haben – und umgekehrt.

Es geht nicht einfach darum, deutsche Städte aus Prestigegründen moderner zu machen, wie Wintergerst ergänzt: „Eine Stadt, die ihre Energienetze, ihren Katastrophenschutz und ihre Verkehrssteuerung digital steuert, […] ist handlungsfähiger und resilienter im Krisenfall.“ Neben der Sicherheit steigt auch die allgemeine Bürgerzufriedenheit, wenn nervige bürokratische Prozesse entschlackt werden oder wegfallen – beispielsweise durch das Once-Only-Prinzip.

Hätte, hätte, Digitalkette. Genau das darf nicht passieren. Deutschland neigt dazu, Wesentliches erst anzustoßen, wenn der Handlungsdruck bereits groß ist. Oder zu situativ-politisch motivierte Entscheidungen zu treffen. Oder elementare Entwicklungen zu zerreden und in theoretischen Konstrukten zu verharren. Doch eine fortschreitende Digitalisierung auf Kommunalebene ist keine rein technische Modernisierung – sie bestimmt auch die Anschlussfähigkeit und Souveränität Deutschlands.

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André Gabriel ist seit Oktober 2026 stellvertretender Chefredakteur von BASIC thinking. Davor war er als freier Autor und Lektor tätig. Er studierte Germanistik, Literatur und Psychologie an der Universität Potsdam.
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