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Sollten wir damit aufhören, Dinge als innovativ zu bezeichnen?

Nicole Scott
Aktualisiert: 08. November 2018
von Nicole Scott
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Es scheint, als könnte man heutzutage kein Magazin, keine Zeitung und auch keine Webseite mehr öffnen, ohne über einen Artikel über eine vermeintliche Innovation zu stolpern. In Meetings und auf Presseevents bekommt man außerdem das Gefühl, dass die Unternehmen um jeden Preis als innovative Trendsetter wahrgenommen werden möchten. Ich gebe zu, auch ich konzentriere mich in meinen Testberichten auf die innovativen Funktionen der getesteten Produkte. Technologische Innovation unterscheidet sich jedoch von echter Innovation. Die wahre Bedeutung des Begriffs haben wir mittlerweile fast aus den Augen verloren.

Technologische Innovation ist eine völlig andere Sache als Innovation.

Ich habe in letzter Zeit viel über das Thema Innovation nachgedacht. Als Huawei das Mate 20 Pro auf den Markt brachte, schrieb ich einen Artikel über die Stagnierung des Smartphonemarkts und wie dieser Umstand zu mehr Innovation führen kann. In der darauffolgenden Woche flog ich nach Seoul, um mir dort die neuen Forschungs- und Entwicklungszentren von Samsung anzusehen und besuchte bei dieser Gelegenheit auch Samsungs Innovationsmuseum. Am Ende inspirierte mich dieser Trip dazu, diese Artikelreihe zu schreiben.

In der Vergangenheit stand der Begriff „Innovation“ für weltbewegende Erfindungen wie zum Beispiel das elektrische Licht!

Bei einem Fingerabdrucksensor, der in das Display eines Smartphones integriert ist, handelt es sich dagegen um technologische Innovation. Ein solches Feature ist zwar cool, definiert aber nicht unbedingt das Smartphone neu. Aber das ist wohl einer der Gründe, weshalb Begriffe wie „disruptiv“ oder „bahnbrechend“ an Beliebtheit gewonnen haben.

Wir haben uns die Zeit genommen, um einen Blick auf die Geschichte des Worts „Innovation“ zu werfen – ein interessanter Artikel, vor allem wenn ihr herausfinden möchtet, warum wir das Wort heutzutage so leichtfertig verwenden.

Innovation steht heutzutage für Neuheiten, die durch Forschung und Entwicklung entstanden sind. Deshalb sind Konferenzen zum Thema Futurismus und Thought Leadership regelrecht zum Schlagwort-Bingo geworden – „Nextgen“, „zukunftsfähig“, „dynamisch“, „Rightsizing“ … jetzt müsst ihr nur noch das Wort „Millennials“ ein paar Mal erwähnen und jeder sollte verstanden haben, dass ihr dabei seid, die Zukunft zu gestalten.

Oder eben nicht …

Wirklich weltbewegende Ideen sind selten. Die meisten Unternehmen, die nach Innovation streben, entwickeln Produkte, die sich kaum von denen der Konkurrenz unterscheiden – schließlich lässt sich so das Risiko eingrenzen. Diese Situation lässt sich auf zwei verschiedene Arten betrachten. Einerseits könnte man argumentieren, dass durch diese Imitationsstrategie Fortschritt und Innovation gehemmt werden. Andererseits könnte man der Meinung sein, dass diese inkrementellen Verbesserungen wertvoller sind als bahnbrechende Innovationen.

Branchenübergreifende Mikroinnovationen und inkrementeller Fortschritt müssen im Vordergrund stehen, nicht das Streben nach der einen großen Idee – so sollte unsere Sichtweise auf das Ökosystem von heute aussehen.

Anhänger dieser Denkweise bezeichnen sich übrigens als „Inkrementalisten“.

Elon Musik war schließlich nicht der Erfinder des Elektroautos.

Aber genau wie bei den technologischen Innovationen auf dem Smartphonemarkt, lässt sich durch schrittweise Innovation nicht die Konkurrenz überholen.

Die Vergangenheit zeigt, dass es nur ungefähr ein Dutzend Innovationen gibt, die tatsächlich unsere komplette Zivilisation verändert haben.

Die Verwendung des Begriffs „Innovation“ ist außer Kontrolle geraten und das Wort verliert immer mehr an Bedeutung. Es ist eines der überstrapaziertesten Worte der englischen Sprache und wenn wir einen Blick auf das Wörterbuch werfen, sehen wir auch warum.

Webster definiert Innovation als die Einführung von etwas Neuem. Dagegen lässt sich nichts einwenden, nur ist diese Definition nicht unbedingt nützlich.

Die Erfindung des elektrischen Lichts, mit der sich die Nacht zum Tag machen ließ, war in der Tat etwas Neues. Was ihre Auswirkung auf unsere Gesellschaft angeht, spielt sie jedoch in einer völlig anderen Liga als beispielsweise die Smartphone-Notch.

Wann sollten wir eine Sache als innovativ bezeichnen?

Ich habe nichts gegen das Wort „Innovation“. Aber ich glaube, wir sollten damit anfangen, es richtig zu verwenden. Ich bin positiv gestimmt und hoffe, dass jede Marketingagentur mit Internetzugang diesen Artikel lesen wird. (Den Beitrag auf Social Media zu teilen würde natürlich helfen.)

Mir gefällt Joe Dwyers Definition zu diesem Thema:

„Innovation ist ein Prozess der Wertschöpfung, bei dem neuartige Lösungen auf relevante Probleme angewandt werden.“

Auf Digintent findet sich außerdem ein kleiner Test:

Ist die Sache neu? Der Aspekt der Neuheit ist buchstäblich Teil des Worts „Innovation“. Wenn es nichts Neues ist, handelt es sich wohl eher um Optimierung als Innovation.

Löst die Sache ein relevantes Problem? Wenn nicht, ist sie vielleicht eher Kunst als Innovation. Das bedeutet nicht, dass Kunst keinen Wert hat. Sie dient in der Regel nur nicht der Lösung von Problemen.

Schafft die Sache einen Wert? Wenn nicht, ist sie vielleicht eher eine Erfindung als eine Innovation. Erfindungen können durchaus zur Entstehung eines Werts führen. Das ist aber meistens erst dann der Fall, wenn die Erfindung durch Innovation eine Anwendung findet.

Die Medien könnten sich etwas mehr anstrengen, um das Wort richtig, oder zumindest etwas differenzierter zu verwenden. Und Unternehmen würden höchstwahrscheinlich davon profitieren, ein besseres Verständnis für die tatsächliche Bedeutung des Begriffs zu entwickeln.

Mobile Geeks ist ein Teil dieses Problems. Wir lieben es nämlich, Dinge als innovativ zu bezeichnen, um Schlagzeilen zu kreieren und oft haben wir inkrementelle Verbesserungen als Innovationen bezeichnet.

Ab sofort werde ich aber mein Bestes geben, um Dinge nur dann als innovativ zu bezeichnen, wenn sie es tatsächlich sind!

Mein besonderer Dank geht an Samsung für die gesponserte Reise nach Seoul und zum Samsung Innovation Museum, die mich zu dieser Artikelreihe rund um das Thema Innovation inspiriert hat. Alle Gedanken und Ideen sind meine eigenen.

Bondora

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