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Ein Smartphone, zwei Bildschirme: YotaPhone 2 vorgestellt – leider erst Ende des Jahres erhältlich

Es gehört unzweifelhaft zu den interessanteren Geräten des – trotz diverser Pseudo-Innovationen wie acht CPU-Kernen oder Fingerabdrucksensoren – mittlerweile eher drögen Smartphone-Einerleis: das YotaPhone. Falls euch das wider Erwarten nichts sagen sollte: Das Gerät zeichnet sich durch ein zweites Display aus, das auf EPD-Technologie – allgemein besser bekannt als E-Ink – basiert.

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Heißt: Die schwarz-weiße Anzeige eignet sich zwar vorwiegend für textbasierte Inhalte, glänzt dafür aber durch minimalen Stromverbrauch sowie hohe Kontraste. Und zielt damit auf die Schwachstelle eines jeden Smartphones: die erbärmliche Akkulaufzeit. Einer der größten Energiefresser, der Knallfarben-Super-Knackscharf-Bildschirm, hat bei Yota Devices, dem Hersteller des YotaPhones, vergleichsweise häufig Pause.

Das Konzept kommt nun voll zum Tragen

Auf dem MWC haben die Russen nun die zweite Generation ihres im letzten Jahr erschienenen Erstlings vorgestellt, mit dem die eigentliche Stärke des Konzeptes erst voll zum Tragen kommt. Waren bisher auf dem Zweit-Screen lediglich Benachrichtigungen darüber zu sehen, dass neue Mitteilungen vorliegen, kann man diese nun auch direkt öffnen und lesen. Dementsprechend muss nicht mehr für jede SMS oder E-Mail zwingend das energiehungrige Farb-Display angeworfen werden. Auch Posts auf Twitter, Facebook und Co. lassen sich auf diese Weise sofort beantworten.

Geschraubt hat Yota zudem an der Größe der Bildschirme. Diese wachsen von 4,3 auf 4,7 beziehungsweise 5 Zoll bei jeweils höherer Auflösung. Das größere AMOLED-Display kommt nun in Full HD, die nun vollständig Touch-fähige EPD-Anzeige erreicht 960 x 540 Pixel. Unter der Haube geben ein Snapdragon 800 mit vier Kernen und 2 GB RAM den Takt vor. Der Speicherplatz liegt bei 32 GB, neu unterstützt werden zudem NFC und drahtloses Aufladen. Ebenfalls an Bord sind zwei Kameras mit 8 und 2 Megapixeln. Ins Internet geht es wahlweise mit UMTS oder LTE. Als OS wird Android in einer aktuellen Ausführung verwendet.

Trumpfkarte Laufzeit

Von 1.800 auf 2.500 mAh kräftig aufgerüstet wurde zudem der Akku. Die versprochene Laufzeit der zweiten Generation soll bei weit über zwei Tagen liegen, wenn Inhalte ausschließlich auf dem EPD-Display angezeigt werden. Da das YotaPhone aber nun einmal kein reiner E-Book-Reader ist, sondern eben ein Smartphone, werden die realen Werte niedriger ausfallen. Aber auch dann dürften die maximalen Laufzeiten für vergleichbare Smartphones des Highend-Segments nicht zu erreichen sein.

Zudem hat das YotaPhone noch ein Ass im Ärmel: Geht der Akku zur Neige, kann der Hauptbildschirm auch ganz ausgeschaltet werden. Typische Funktionen wie Telefonieren laufen dann allein über das EP-Display. Zudem ist der zuletzt angezeigte Inhalt auch dann noch zu sehen, wenn das Gerät vollständig entladen ist. Für Nutzer elektronischer Tickets ein absolutes Killer-Feature.

Große Pläne

Leider gibt es auch einen Haken: Das YotaPhone 2 wird erst im vierten (!) Quartal in Russland sowie einigen ausgewählten EU-Märkten, darunter auch Deutschland, zu haben sein. Mehr als ein halbes Jahr also – im Smartphone-Business ein schier endloser Zeitraum, in dem noch viele Geräte Premiere feiern werden. Ob das Yota-Modell dann noch in der ersten Liga mithalten kann, lässt sich schwer abschätzen. Zu lange Produktzyklen haben aber schon manche gute Idee zum Scheitern gebracht.

In diesem Fall wäre das mehr als schade. Denn der russische Hersteller hat noch viel vor: Den Kollegen von „TechCrunch“ gab Firmenchef Vladislav Martynov auf dem MWC einen Einblick in seine weitreichenden Pläne. So ist auch das YotaPhone 2 nur ein Zwischenschritt. Erklärtes Ziel ist hingegen eine dritte Generation mit einem EPD, das sich nahtlos über die gesamte Rückseite erstreckt. Darüber hinaus arbeite man an höheren Auffrischungsraten und Auflösungen. Vielleicht ist ein reines E-Ink-Smartphone ja nicht mehr allzu fern.

Bild: Yota Devices

Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.