Knol: Googles Antwort auf die Wikipedia?

Google bastelt an einem neuen Dienst, der sich um Wissensteilung dreht. Gemeinsame Wissenserstellung und -teilung. Das ist was heute? Allen voran die Wikipedia.

Was schreibt Google:

Anzeige

Our goal is to encourage people who know a particular subject to write an authoritative article about it. The tool is still in development and this is just the first phase of testing. For now, using it is by invitation only. … The key idea behind the knol project is to highlight authors. Books have authors’ names right on the cover, news articles have bylines, scientific articles always have authors — but somehow the web evolved without a strong standard to keep authors names highlighted. We believe that knowing who wrote what will significantly help users make better use of web content. At the heart, a knol is just a web page; we use the word “knol” as the name of the project and as an instance of an article interchangeably. … Google will provide easy-to-use tools for writing, editing, and so on, and it will provide free hosting of the content. Writers only need to write; we’ll do the rest. … Knols will include strong community tools. People will be able to submit comments, questions, edits, additional content, and so on. Anyone will be able to rate a knol or write a review of it. Knols will also include references and links to additional information. At the discretion of the author, a knol may include ads. If an author chooses to include ads, Google will provide the author with substantial revenue share from the proceeds of those ads.

und wedelt sogleich mit einer prima Suchmaschinenplatzierung:

Our job in Search Quality will be to rank the knols appropriately when they appear in Google search results. We are quite experienced with ranking web pages, and we feel confident that we will be up to the challenge. We are very excited by the potential to substantially increase the dissemination of knowledge.

Also, fassen wir zusammen:
– jeder kann einen Artikel schreiben
– der Schreiber wird im Gegensatz zur Wikipedia explizit im Vordergrund stehen
– Dritte können den Artikel nicht editieren, aber Inhalte ergänzen
– Dritte können kommentieren und raten
– AdSense wird eingebaut
– Suchmaschine Google wehrt sich nicht gegen Knol

Screen + Ausschnitte:
Knol
Knol
Knol

Obs nun ein spannendes Projekt wird? Nur weil Google draufsteht? Na, Google hat nicht unbedingt das gute Händchen gepachtet. Herausragend sind mit Sicherheit die Suche zu nennen wie auch Maps, News und GMail, mit dem Rest kannst Pfeiffe rauchen imho. Keine sonderlich gute Quote angesichts der Unzahl von Anwendungen, die Google anbietet. Abwarten also, wie es sich wirklich anfühlt und obs die User annehmen, außer halt Mr. Nigeria.

siehe auch:
Read Write Web, Mashable, Techcrunch, Futurezone (via Schockwellenreiter)

Abgelegt unter

Newsletter

27 Kommentare

  1. jk

    mit dem rest pfeife rauchen? ja, nee, is klar. vielleicht lieber mal informieren statt schnell hinschludern. (nein, *ich* werde dich nicht informieren.)

  2. Robert Basic

    bin gespannt, wer schreiben darf überhaupt, sonst müllen die Leute die Plattform 10000x mit Apple, Viagra und Asus EEE PC zu:)) Das wird das beste Ratingsys nicht mehr verhindern können. Ohne Blockwarte wirds halt wirlich schwer, auch diese Seite der Medaille muss man faktisch ohne Feelings so sehen und honorieren.

  3. Brandau

    Das man die Artikel nicht ändern kann wird denke ich der große Nachteil sein. Entweder gibt es dann zu einem Thema viele Artikel nebeneinander oder aber es ist ein wer-zuerst-kommt-mahlt zuerst. Bewerten der Artikel ist zudem immer anfällig für Manipulation. Ist dann wohl eher ein Artikelverzeichnis als ein Ersatz zu Wikipedia.

  4. Wolf-Dieter

    Mag sein, dass es ein interessantes Projekt bei Google ist. Im vorliegenden Fall hat aber die Wikipedia eine Art “Kanzlerbonus”. Den müsste Google ihr erst mal abkaufne.

    Was mich persönlich interessiert: Wikipedia ist politisch entschieden unabhängiger als Google. Ich werde auf jedenfall Wikipedia gegenüber Google bevorzugen.

  5. Tobias

    Das Problem bei Wikipedia ist eben, dass es sich nicht wirklich rentiert. Viele Kosten, die eben durch Spenden allein, nicht gedeckt werden können. Die Frage ist, wie lange Wikipedia noch unabhängig bleiben kann?

  6. Fragezeichner

    Um so etwas zu schaffen wie Wikipedia braucht man einen Haufen Idealisten mit einer Vision und einer Menge Motivation. Ich würde mal behaupten, diese Leute machen das nicht für Google. Eher baut Jimmy Wales eine Suchmaschine, die Google Konkurrenz macht, als Google einen ernsthaften Gegner für Wikipedia.

  7. Fritten

    Erst lese ich Knut dann irgendwas von zermahlen…
    Alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist wird zu Geld gepresst bei den Brins&Pages….

    @Wolf-Dieter: “Normale” Benutzer werden auch Wikipedia bevorzugen, da Knol einfach keine wirkliche Alternative bietet. Schau ich mir den Screenshot so an, denke ich eher an eine Bibliothek voller Examina anstatt einer wirklichen Enzyklopädie als Nachschlagewerk für Otto Normal.

    @Tobias: Wikipedia wird ja nicht durch die wenigen Spenden von Benutzern finanziert…
    Das Projekt hat genug “Gönner” im Hintergrund die bisher noch keinen Finger auf das Projekt drücken und sagen: “So jetzt refinanziert euch!”

  8. Matthias

    Ich hoffe sehr, dass das schnell zum Rohrkrepierer wird (auch wenn ich sonst Google durchaus schätze und bewundere). Aber ein eigenes Lexikon würde irgendwann massiv die Frage nach der Neutralität der Suchmaschine stellen.

    Ob die Leute wirklich nicht für Google schreiben würden? Google könnte ja einen Teil der mit diesen Seiten generierten Werbeeinnahmen an die Autoren weitergeben. Und damit die Artikel auch häufig genug angeklickt werden, kann ja die Suchmaschine ein bisschen nachhelfen. Also Anreize gäbe es da schon. Aber so stelle ich mir das Netz der Zukunft nicht vor!

  9. Kuba

    wetten das der dienst “google irgendwas BETA” heisst. bei google heissen alle produkte gefühlt beta, obwohl sie schon seit sehr langer zeit zum anwenden da sind und meistens sehr gut funktionieren.

  10. Björn

    Ich finde es klingt nach völligem Schmarrn. Damit Leute ihre persönliche Meinung äussern können, gibt es doch schon Webseiten, oder Blogs für die technisch weniger versierten.

    OK, wenn es eine supereinfache Möglichkeit für jedermann ist, seine persönliche Wiki-Seite zu haben, wäre das was neues? Aber das gibt es schon lange bei MySpace, oder?

    Ich sehe jedenfalls keine Veranlassung, etwas bei knol zu schreiben, was ich genausogut woanders schreiben könnte. Google soll lieber seinen Job machen und meine Äusserungen als #1 in den Suchergebnissen liefern, egal wo ich sie veröffentliche.

  11. xconroy

    @ 8: Jimmy Wales *hat* schon eine Suchmaschine, nennt sich “Wikiasari”. Der richtig große Durchbruch ist da aber noch nicht gelungen, meine ich.

    Ganz allgemein denke ich, daß sich das reine Konkurrenzdenken auf dem Markt der Online-Enzyklopädien auf lange Sicht nicht lohnen wird. Im Moment steht da noch viel Ideologie im Raum (speziell pro und contra Wikipedia), aber derjenige, der im Mittelpunkt steht, ist der wissensdurstige User, und für den könnte die Situation noch um einiges idealer sein.

    Ich stell mir das so vor:

    – früher oder später werden kostenpflichtige Dienste (Brockhaus) ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung stellen (und sich stattdessen durch Werbung finanzieren – ist halt ein Trend, den ich zu erkennen meine)

    – und dann wird irgendwer auf den Trichter kommen, einen Enzyklopädie-Aggregator zu entwickeln, der ähnlich wie zb. PageFlakes funktioniert – nur nicht für News, sondern für Wissensdatenbanken.

    Denn: ideal aus Nutzersicht wäre eine Art loses “Netz des Wissens”, in dem freie Projekte wie Wikipedia, professionelle wie Brockhaus oder auch fachspezifische solche gemeinsam, jeder auf seinem Weg und durchaus in fruchtbarer Konkurrenz, an der Vertiefung und Vermehrung des menschlichen Wissens arbeiten.
    Daß das u.a. aufgrund der raumgreifenden Egos der Verantwortlichen utopisch ist, weiß ich.
    Daher kann sowas mmn eher und sehr gut auf Nutzerebene funktionieren.

    Man hat also eine Art PageFlakes-Webtop, und je nach Einstellung findet man zb. nebeneinander den Wikipedia-Artikel zum gesuchten Begriff (idealerweise kann man von seinem “Webtop-Account” auch auf seinen WP-Account zugreifen und die Artikel bearbeiten) und den Brockhaus-, Wikiweise- und Knol-Artikel, bei fachspezifischen Anfragen einen aus einem Fachlexikon (Indiepedia bspw. bei Musik) etc. Man kann die Artikel vergleichen, Übereinstimmungen und Widersprüche markieren usw.

    Ja klar, das führt schon Richtung OffTopic, aber wie bei jedem “dieses Lexikon ist toller als das da”-Artikel juckt es mich in den Fingern, auf die Hirnverbranntheit dieser Entweder-Oder-Denke hinzuweisen ;-)

    Vielleicht fühlt sich ja jemand angeregt, sowas zu programmieren…

  12. Thomas

    Ganz klar wird das Erfolg haben. Wenn Knol – eben wie Wikipedia – bei allen großen Keys vorne mitspielt, führt kein Weg mehr daran vorbei. Autoren dafür werden sich schon ausreichend finden. Eine ordentliche Autorenennung, keine herumpfuschenden Fremden und Erfolgsbeiteiligung machen Knol für Artikelschreiber schon attraktiv genug, sodass da Inhalte zusammenkommen. Das große Problem was ich sehe, ist nur die Glaubwürdigkeit, wenn sich dann jede Organisation möglichst gut darstellen will, und es niemanden gibt, der geschönte Aussagen wieder objektivieren kann.

  13. Ronald

    Hmmm… wissenschaftliche Artikel im Netz veröffentlichen? Hatte da nicht ein Herr Berners-Lee *neulich* (1990) schon so Ideen? Hatte das nicht neulich schon nicht geklappt? So von wegen Verlagen im Weg und mangelndes qualifiziertes Reviewing?

    Wo genau hat Google da gerade die bessere Idee?

  14. Chris

    Nicht das die die Anzahl der Content-erzeugenden User unterschätzen. Habe letztens eine Statistik gesehen, auf der gerade mal 4% der Wiki-User Inhalte erstellen. Das ist sogar noch recht viel, bei Youtube und Co. wars bedeutend weniger. An sich aber ein nettes Konzept, welches aber auch gut “ausgenutzt” werden kann (was natürlich nicht so dolle ist).

  15. Ron

    Das war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Knol mal wieder ein größeres Projekt von google werden könnte. Ob das Thema in Deutschland funktioniert, mag ich auch nicht voraussagen. Aber das in den Mittelpunkt stellen des Autors scheint in Amerika sehr gut zu funktionieren. Das ganze Thema subsummiert sich dort unter dem Begriff Artikel Marketing.
    Wahrscheinlich wird der Dienst dann auch an ein google Konto gebunden und damit lässt sich der Spam schonmal ein wenig eingrenzen – für den Rest wird es dann Redakteure geben – und die kann man sich ja auch leisten, wenn man Werbung integriert.

  16. Thorsten

    Google hätte diesen Schritt vermutlich nicht gewagt, wenn Wikipedia selbst AdSense betreiben würde. Bei dem Traffic wären da sicher ein paar Millionen für Google drin.

  17. mark

    Knol braucht keiner und wird sich auch nur schwerlich durchsetzen.
    Welche Themen sind denn interessant?
    Apple, Viagra, Asus EEE PC, nackte Weiber, Kredite …
    Klar, für eine garantiert geförderte Suchmaschinenposition mit den Keys Kredit, PKV und ähnlichen, würde ich mich auch dazu hinreissen lassen den ein oder anderen Erguss beizusteuern, aber wer schreibt freiwillig über
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hornussen_(Sport)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Rattenk%C3%B6nig
    oder das http://de.wikipedia.org/wiki/Schnabeltier ?

    und wer darf am Ende über Kredite und PKV schreiben?
    Ebay vielleicht? Weil die so stiefmütterlich in den SERps behandelt werden?
    Pah

    Wie Du oben schon richtig erwähnt hast, ausser der Suche, den Maps und Gmail wurde vieles von Google probiert und wieder eingestampft, so kann das durchaus auch mit Knol kommen.

    Btw. kann sich noch jmd. an Google Answers erinnern?

  18. Lazerte

    Den Autor mehr in den Mittelpunkt rücken. Genau das ist es, was mich an einem Nachschlagewerk am wenigsten interessiert. (Eine gewisse Art von Fachautoren aber sicher sehr.)

  19. Schrempfy

    Abgesehen davon, dass es für mich so aussieht WP krampfhaft vom Thron zu schubsen: das ist doch ungefähr so wie eine modifizierte Version von Blogsport, Blogger, oder auch normalen Blogs.

  20. Thorsten

    Hat hier eigentlich keiner Vorbehalte gegen Wikipedia?
    Das ist ein furchtbares Hierarchisches System das von irgendwelchen Besserwissern tummelt, das da jeder Beiträge verfassen kann ist schon lange nicht mehr der Fall.
    Da hat Google genau die richtige Idee gehabt.
    Die Lösung warum Spezialisten auf Wikipedia nichts oder selten verfassen: Sie profitieren finanziell davon, und müssen sich keiner Macht beugen(was ironischerweise bei Wikipedia mehr vorkommt als das bei Google je der Fall sein kann).
    Auch Mehrere Ansichten können geschildert werden was wieder demokratischer als bei Wikipedia ist.
    Noch ein Vorteil gegenüber Wikipedia ist die Möglichkeit in der schule/uni etwas zu zitieren was bei Wikipedia ja im allgemeinen verboten ist.
    Müllbeiträge werden durch mangelnde Klicks und Ratings untergehen und oben werden sich die Beiträge von den Professoren befinden.
    Das nenne ich konzentriertes und qualitatives Kollektivwissen.

    Ich vertraue übrigens Google in Sachen Datenschutz und Manipulationen da diese Firma fast gänzlich von ihrem ruf lebt.
    Das ist kein Microsoft das dem Nutzer keine Wahl lässt.
    Für jeden Googledienst gibt es 5 alternativen und die Nutzer lassen sich nur durch das Branding halten.

    ich sehe in knol endlich wieder eine revolutionäre idee die etwas mit der Googlephilosophie gemein hat: Wissen allen zugänglich zu machen.
    Endlich wieder etwas wo alle von Profitieren können (außer der arme Mr Wales vielleicht ;-).

  21. Hans Kolpak

    Der Google-Konzern hat offensichtlich genug Ressourcen, um eine Wissensdatenbank zu etablieren, die durch Artikel von Autoren getragen ist. Zu einem Thema kann es konkurrierende Artikel geben. Die lästigen Schreibkriege und Diskussionen sind damit gegenstandslos. Wenn ein Autor Werbung plazieren möchte, dann generiert er sogar Einnahmen.

    Nüchtern betrachtet, handelt es sich keineswegs um Konkurrenz zu Wikipedia, sondern zu den Artikelportalen, die sich mit Google-Adsense totgelaufen haben. Aus meiner Sicht ist es eine direkte Antwort auf die Kritik von Clifford Stoll, der zu Recht die kümmerlichen Denkprozesse beanstandet, die durch die Arbeit mit Suchergebnissen in Suchmaschinen provoziert werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachte unsere Kommentar-Richtlinien.