Abstiegskampf 1998/99: Die legendäre Radiokonferenz

Robert Basic

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erinnert Ihr Euch? 1998/99? Fußballbundesliga. Letzter Spieltag. Für 5 Mannschaften steht es auf Messers Schneide, wer dritter Absteiger wird. Wikipedia: Zwischen dem 1. FC Nürnberg, dem VfB Stuttgart, dem SC Freiburg, Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt musste der dritte Absteiger ermittelt werden.

Und anbei der überaus dramatische Verlauf, bei dem es ständig hin und her ging. Ich hatte schon damals geschrieben, dass ich zu der Zeit im Auto saß und nicht mehr weiterfahren konnte vor Aufregung. Ich bin wie viele andere auch auf einen Parkplatz herausgefahren, so gezittert hatte ich. es war unmöglich, normal weiterzufahren. Und wir alle schrien uns dort am laufenden Band die Seelen aus dem Leib:

* 68. Minute

Zu diesem Zeitpunkt deutete viel auf einen Abstieg Frankfurts, ohnehin mit den geringsten Chancen in diesen Spieltag gegangen, hin: Die drei direkt vor Frankfurt platzierten Vereine lagen in ihren Spielen in Führung: Stuttgart mit 1:0 gegen Bremen, Rostock mit 1:0 in Bochum, Freiburg mit 2:0 in Nürnberg. Der Club wiederum schien trotz des Rückstands gerettet, denn für den Abstieg Nürnbergs hätte nicht nur Nürnberg selbst verlieren und Rostock in Bochum gewinnen müssen, sondern vor allem Frankfurt gegen Kaiserslautern mit drei Toren Differenz gewinnen müssen, wenn es beim 0:2-Rückstand Nürnbergs geblieben wäre. Die Eintracht, die mit 5 Toren Unterschied hätte gewinnen müssen, um den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen, führte zwar zunächst gegen Kaiserslautern, doch die Roten Teufel, die noch die Teilnahme an der Champions League erreichen konnten, glichen nach 68 Minuten aus, es stand 1:1 – zu wenig für Frankfurt. Doch nun, in den letzten zwanzig Minuten der Saison, begannen sich die Ereignisse zu überschlagen:

* 70. bis 74. Minute

Frankfurt ging gegen Kaiserslautern wieder in Führung (70. Spielminute). Als Bochum fast gleichzeitig gegen Rostock aus einem 0:1 ein 2:1 (71. und 74.) machte, wäre Rostock abgestiegen und Frankfurt gerettet gewesen.

* 77. bis 82. Minute

Rostock glich wieder aus (77.), das hätte aber zu Rettung nicht gereicht, erst recht nicht, als Frankfurt unter großem Jubel des Publikums zwei weitere Tore schoss (80. und 82.) und beim Spielstand von 4:1 jetzt sogar Nürnberg im Hinblick auf die Tordifferenz ein- und wegen der mehr geschossenen Tore auch überholt hatte. Zu diesem Zeitpunkt wäre nach wie vor Hansa Rostock abgestiegen, denn die Ostseestädter brauchten zu diesem Zeitpunkt einen Sieg.

* 83. Minute

Rostock ging in Bochum erneut in Führung. Dadurch wären die Hanseaten gerettet gewesen und plötzlich wäre Nürnberg, das immer noch 0:2 gegen Freiburg zurücklag, abgestiegen.

* 85. Minute

Nürnberg schoss das 1:2, und obwohl die Franken noch immer zurücklagen, hätte sie dieser Spielstand gerettet, denn nun hatten sie die bessere Tordifferenz gegenüber der Frankfurter Eintracht, der auch ein hoher 4:1-Sieg gegen Kaiserslautern nun nichts mehr genutzt hätte.

* 89. Minute

Frankfurts Jan Åge Fjørtoft gelang nach einem Alleingang und einem phantastischen Übersteiger doch noch das unglaubliche 5:1 gegen Kaiserslautern – und damit die Rettung Frankfurts vor dem Abstieg. Nürnberg, das nun wieder abgestiegen wäre, erhielt jedoch fast gleichzeitig eine letzte Chance: Nach einer Kopfballabwehr der Freiburger rauschte Marek Nikl aus dem Hintergrund an und drosch den Ball mit einem Distanzschuss an den Pfosten. Der Abpraller fiel Nürnbergs Frank Baumann vor die Füße, dieser schaffte aber aus kurzer Entfernung das Kunststück, den Ball dem Freiburger Keeper Richard Golz in die Arme zu schießen. Der Ausgleich hätte wiederum Frankfurt zum Abstieg verurteilt.

So aber blieb es bei der Nürnberger Niederlage, und da Rostock 3:2 in Bochum und Frankfurt 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann, musste am Ende der 1. FC Nürnberg absteigen. Der Club, der vor dem letzten Spieltag – mit drei Punkten und fünf Toren Vorsprung auf einen Abstiegsplatz auf Platz 12 stehend – beste Chancen auf den Klassenerhalt zu haben schien, hatte am Ende die gleiche Tordifferenz wie die Frankfurter Eintracht, die aber vier Tore mehr geschossen hatte als die Nürnberger.

Dieser letzte Spieltag der Saison war zugleich eine Sternstunde der Bundesligakonferenz im Radio. Die Reporter Manfred Breuckmann in Bochum, Günther Koch in Nürnberg und Dirk Schmitt in Frankfurt schafften es, die Dramatik der sich überschlagenden Ereignisse intensiv zu vermitteln, ihre mitreißende Reportage wurde preisgekrönt.

Ja, diese legendäre Radiokonferenz. War zu faul, beim HR3 um Erlaubnis nachzufragen, die MP3-Files bekommen zu können. Habe sie aber auf YouTube gefunden. Here we go:

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Und der Fernsehbericht:

Hands down, es gab nie zuvor und nie danach so einen dramatischen Abstiegskampf zwischen so vielen Mannschaften und mit so vielen Wendungen. Absolute Spitzenklasse! Jan Åge Fjørtoft ist seitdem ein Gott in Frankfurt. Und die Art war mal saucool, wie er das Ding reingemacht hat, Wahnsinn (oben im TV-Video bei 4:30). In der 89. Minute, Frankfurt ist abgestiegen, er hats auf dem Fuß, letzte Spielminute der regulären Spielzeit, er läuft auf den Torwart zu, macht nen Übersteiger und peng. Irre, Irrsinn, Wahnsinn! Und rettet damit die SGE vor dem Abstieg! Aber zugleich ist Frank Baumann/Nürnberg eines der tragischten Spieler aller Zeiten (im Video ab 6:30). Muss man gesehen haben!

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Robert Basic ist Namensgeber und Gründer von BASIC thinking und hat die Seite 2009 abgegeben. Von 2004 bis 2009 hat er über 12.000 Artikel hier veröffentlicht.