Die Jugendlichen fliehen aus dem Mitmachnetz – aber wohin? Und wovor?

André Vatter

web20nutzerNoch ist es nur ein Gefühl – gestützt von einigen Umfragen und Statistiken: Doch kann es sein, dass die jungen Internet-Nutzer sich auf einem Rückzug aus dem Web 2.0 befinden? Die Meinungsforscher von iStrategyLabs haben einmal das aktuelle Publikum bei Facebook unter die Lupe genommen und kamen dabei zu überraschenden Ergebnissen: Gemessen wurden die Mitgliederzahlen des US-Portals zwischen Januar und Juli 2009. Demnach stieg die Zahl der 50-Jährigen um satte 514 Prozent. Gleichzeitig haben sich 16,5 Prozent aller registrierten Schüler und 21,7 Prozent der Studenten von der Plattform verabschiedet. Pressetext weist zu Recht darauf hin, dass die Rechnung einen Haken haben könnte, da während der Schul- und Semesterferien einige Nutzer ihren Status geändert haben könnten. Doch selbst wenn, würde dies nicht die große Masse betreffen…

Ich frage mich also, wie die Teenager nun ihre Tage verbringen: Gibt es auf die mütterliche Aufforderung – „Jetzt mach doch die Kiste aus. Geh mal raus, triff dich mit Freunden!“ – keine maulenden Antworten mehr? Es scheint so. MySpace, vor wenigen Jahren noch der Klickibunti-Tummelplatz für Schüler, blutet langsam aus, die Profile verwaisen zusehends: keine „Thanx for the add!“-Nervbotschaften mehr. Bei den jüngsten AGOF-Zahlen war SchülerVZ das einzige Netzwerk, das bei den Unique Usern Verluste in Kauf nehmen musste (minus 200.000). Springen die Jungen dafür auf Alternativtechnologien auf? Nein, eben nicht. Laut einer Umfrage aus dem April, bei der 3.400 Jugendliche befragt wurden, gab ein stolzes Prozent offen zu, Twitter aktiv zu nutzen. Ein Prozent! Sollte das heute lancierte Gerücht einer Twitter-Integration in den VZ-Netzwerken stimmen, könnte sich dieser Schritt also schnell als Luftnummer erweisen.

Bleibt die Frage nach dem Auslöser dieser Entwicklung. Stimmen die Produkte nicht? Sprechen sie die falsche Zielgruppe an? Oder ist der Sommer zu heiß?

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(André Vatter / Bild: Pixelio)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.