Google will mit Satelliten-TV-Betreiber Dish ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen

Das hört sich ja mal spannend an: Google und der US-Satelliten-TV-Betreiber Dish wollen ein neues Mobilfunknetz aufbauen. Die beiden sind zwar noch weit von konkreten Plänen entfernt, aber die Ankündigung lässt aufhorchen. Denn entweder wird das eines der größten Projekte schlechthin oder eine absolute Bauchlandung. Oder ein perfekter Bluff.

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Best Case: Googles Produkte-Paradies

Auf den ersten Blick wirkt es perfekt: Dish hat 2008 ein Frequenzpaket ersteigert, das es gerne für LTE nutzen möchte. Trotz eines Rückschlags durch die Telekommunikationsbehörde FCC sind die Hoffnungen aber noch nicht ganz begraben. Doch selbst wenn das klappt, müsste noch immer ein LTE-Netz aufgebaut werden und das kostet Geld. Geld, das Google hat. Schätzungen zufolge reden wir von 10 Milliarden Dollar. Das Investment könnte sich auszahlen, indem Google sein gesamtes Portfolio von Android über Google Voice bis hin zu Google TV in die Waagschale wirft. Und als selbstständiger Operator könnte Google auch seiner mobilen Bezahllösung Google Wallet auf die Beine helfen, die von Verizon & Co. ignoriert wird. Hört sich erst einmal super an.

Grundsätzlich passt es auch in Googles Strategie, zunehmend als Netzanbieter aufzutreten. So wurden vor ein paar Tagen die ersten Haushalte an Google Fiber angeschlossen. Mir ist zwar unklar, warum das in Kansas City geschieht, aber es könnte auch sein, dass da der Neid aus mir spricht: 1.000 MBit/s im Up- und Downstream für 70 Dollar sind durchaus akzeptabel, 5 MBit-Geschwindigkeit zum Nulltarif (allerdings zuzüglich Installationskosten) sind unschlagbar.

Worst Case: Servicewüste Google

Doch gehen wir mal das andere Szenario durch: Google als Endkundenanbieter erinnert an den Ärger, den es bei der Einführung des Nexus One gab. Fazit damals: Kundenservice ist wichtig und da hat Google eigentlich keine Lust drauf. Insofern scheint man dazugelernt haben und hängt sich jetzt lieber an einen bekannten Anbieter dran anstatt die alleinige Initiative zu ergreifen. Doch auch Dish hat keine Erfahrungen auf dem Gebiet, geschweige denn Mobilfunk-Kunden. Wohl aber 14 Millionen Satelliten-Kabel-TV-Abonnenten.

Und dennoch, einen Mobilfunkanbieter aus dem Boden zu stampfen – von Sendemasten bis hin zu den Läden an jeder Ecke – dauert. Da wäre für beide Akteure eine Kooperation mit einem bestehenden Mobilfunkanbieter weitaus sinnvoller. Das ruft eigentlich nach T-Mobile USA, für die Google und Dish jeweils Gebote abgegeben haben, doch die Telekom-Tochter hat sich nun mit dem kleineren Anbieter MetroPCS verbündet. Und so interessant (und unwahrscheinlich) der Mobilfunkanbieter Google-Dish-T-Mobile-MetroPCS wäre – die deutlich größeren AT&T und Verizon würden sich künftig zwei mal überlegen, ein Android-Handy zu verkaufen und zu bewerben.

Und so könnte das Ganze nichts anderes sein als eine große Show, denn schon mehrfach hat Google strategisch investiert, beispielsweise bei WiMAX. Und auch bei Google Fiber wird gemutmaßt, dass der Suchmaschinenkonzern nur blufft, um den Netzanbietern zu zeigen, dass man könnte, wenn man wollte. So treibt man geschickt und günstig den Ausbau der Netz- und Mobilfunkanbieter voran. Auch Dish hätte etwas von dem Bluff, denn die LTE-Lizenzen die man derzeit noch nicht nutzen kann, könnten gewinnbringend an Verizon oder AT&T verkauft werden, die sich somit der drohenden Konkurrenz entledigen würden. Man darf gespannt bleiben, was da noch kommt.

Bild: Flickr / Dave Lindblom

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13 Kommentare

  1. Veronika

    Nein bitte keinen Bluff, ich hoffe auf Google Fiber in den nächsten 5 Jahren in der BRD um der Servicewüste der etablierten Anbieter zu entkommen.

  2. Robert Vossen

    @Peter, danke für den Hinweis. Ist korrigiert.
    @Veronika: Na, das ist aber etwas sehr optimistisch ;-)

  3. Mika B.

    Warum ein Mobilfunknetz ?
    So etwas benötigt man doch gar nicht mehr Internet mit VoIP reicht doch aus.
    Ich frage mich schon länger wann der erste mobile Anbieter ohne ein GSM-Mobilfunknetz auf den Markt kommt, allein mit einer Internet Flat für Smartphone.

  4. Mika B.

    Du benötigst also für “Skype oder ” Google Voice” noch ein herkömmliches Mobilfunknetz?
    Mit flächendeckender “LTE” Abdekung könnten “GSM-Mobilfunknetze” zum “Auslaufmodell” werden und mobiles Telefonieren über VoIP sogar als kostenloses Feather einer “Google Flatrate” angeboten werden.

  5. Nothing

    Da muss ich Mika B recht geben. Wir könnten in der Technik schon so weit sein, das möchtest du dir nicht erträumen.

    Kostenloser 100Mbit Anschluss für jeden.
    + Festnetz VoIP (5,00€)
    + Internet HD TV (10€)
    + Mobile flat (VoIP,MSG,usw…) (10€)

    25€ im Monat und jeder ist glücklich :p

  6. Mika B.

    @Nothing
    Schön wäre es, nur leider werden solch Preise wohl noch länger ein Wuschtraum bleiben, da der LTE Ausbau wiederum Mrd. kostet welche die Firmen schnell vom Kunden zurück wollen.
    Einen der schlimmsten Fehler der Politik ist das es auch bei LTE wieder keine einheitliche Infrasruktur gibt und jeder Anbieter sein eigenes Netz aufbaut.
    Dies ist ungefähr so als hätte jeder Stromanbieter sein eigenes Leitungsnetz zu verlegen mit unterschiedlicher Voltzahl und eigenen Anschlußdosen ect.
    Welch eine “dumme” Verschwendung an Ressourcen, Geld und Zeit welche dann der Nutzer teuer bezahlen muss.

  7. Richy

    @Nothing & @Mika B.

    Natürlich wäre es schön, wenn wir für 25 Eur alles frei Haus bekämen. Warum aber nicht zu 24, 20, oder gar 10 Eur ? 10 Eur im Monat und jeder ist glücklich. Jeder ? Da müsste nur jemand noch die Netze aufbauen, bereit stellen, betreiben, Lizenz- und Durchleitungsgebühren zahlen, alles verwalten, abrechnen, Kunden akquirieren, etc. Wer von Euch beiden wollte das übernehmen ?
    Nehmen wir also z.B die Mobilfunkbetreiber. Geben wir ihnen die 25 Eur/Mt. ganz alleine, das sind 300 p.a., in 5 Jahren 1500 per Kunde, brutto. Pro 10 Millionen Kunden sjnd das 15 Milliarden in der risiko-kalkulierten Abschreibungszeit der Investition, einschl. aller Betriebs- und Regiekosten, der Durchleitungsgebühren und der Terminierungskosten in fremden Netzen. Abzüglich der USt. bleiben 12,6 Mrd. Die Lizenzkosten (2002) beliefen sich alleine auf gut 50 Mrd. Eur; Nutzung bis 2020. Gut, machen wir einen Monopolisten auf: 40 Millionen Kunden, 500 Mrd.Eur Netto-Umsatz pro 5 Jahre. Wie wär’s mit etwas Gewinn bei diesem hoch risikobehafteten Monster-Unternehmen, mit 80+ % Fixkosten ? Vielleicht auch noch ein paar Zinsen an die Kapitalgeber, und Steuern an den Staat ( ~30% KöSt ).
    Wer von Ihnen Beiden will es übernehmen? Das klassische Festnetz würde gegen eine kleines Anerkennungsentgelt quasi umsonst dazu gegeben.

  8. Mika B.

    @Richy
    Ich sagte doch, keine Einheitliche Infrastruktur, ist ein unnützer großer riesiger Kostenfaktor, im Endeffekt für den Kunden.
    Denn warum muss jeder LTE Anbieter sein eigenes Netz haben?
    Hier wäre eine wirkliche “Netzargentur” (Betreiber) angebracht, statt jeder selbst vor sich hin Wirtschaftet mit unterschiedlichster Netzabdeckung oder eigenen Prioritäten, ect.
    Man stelle sich vor es hätte auch nie ein einheitliches Festnetz oder Stromnetz gegeben?

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