Sonstiges

Opera Unite macht aus dem Browser einen Server

opera_screenshot

So, ihr Fans des norwegischen Browsings: jetzt kommt ihr auch mal auf eure Kosten. Als wir uns gestern über den schwelenden Krieg zwischen Safari, Firefox und Internet Explorer unterhalten haben, kam eine Alternative ganz offensichtlich zu kurz – Opera. Gerade kam eine Pressemitteilung aus Oslo, in der Opera Unite vorgestellt wurde, eine neuartige Kombination aus Browser und Server.

Die Idee klingt gut – wenn nicht sogar ein wenig revolutionär. Schauen wir uns das Ding mal näher an: Nachdem ihr die Build-Version installiert habt, benötigt ihr noch ein Konto bei Opera, das Anlegen geschieht direkt im Browser. Dann kann es eigentlich auch schon losgehen. In der linken unteren Ecke klickt ihr auf das Logo von Opera Unite. Es erscheint eine ganze Palette an möglichen Diensten, die sich im Servermodus benutzen lassen. Der Clou daran ist, dass keine Daten erst mühsam ins Netz gebracht werden müssen – alles ist von außen von der eigenen Platte abrufbar, wobei auch nicht auf eine Rechtevergabe verzichtet werden muss. Opera stellt dazu für jeden registrierten Anwender eine passende URL bereit, meine schnell angelegte lautet beispielsweise: http://dell-moehre.andreok.operaunite.com.

Schauen wir uns die Möglichkeiten der Reihe nach an. Beispiel File-Sharing: Eine nette Option. Ihr teilt den Freunden lediglich eure Opera-Adresse mit und schon kann der direkte Download beginnen. Alternativ lässt sich auf das Verzeichnis nur nach Eingabe eines Passworts zugreifen. Oder es steht ganz eingeschränkt nur für den eigenen Gebrauch zur Verfügung. Der Web-Server ist eine ähnlich raffinierte Sache. Hier wird zunächst ein Verzeichnis auf der Festplatte definiert (das vorzugsweise irgendeine index.htm enthält). Es lässt sich dann dank der Opera-Proxies direkt über die Weboberfläche aufrufen. Das Ganze sieht dann später beispielsweise so aus. Denkt daran: Wenn ihr die Adresse aufruft, landet ihr über Opera direkt auf meinem Rechner, was natürlich nur funktionieren kann, wenn der Browser bei mir auch läuft und die Schnittstelle bieten kann. Die Funktionen Media-Player (spielt Audio-Files) und Photo Sharing arbeiten nach demselben Prinzip. Auch auf ein bisschen Web 2.0 braucht am Anfang noch nicht verzichtet zu werden, dank dem lokalen Chat-System The Lounge und Fridge, eine Art Online-Pinnwand.

Opera bietet mit dem neuen Browser also eine Art Cloud Computing light, die sich künftig weiter ausreizen lassen soll: „Mit Server-Fähigkeiten direkt im Browser haben Web-Entwickler die Möglichkeit, mit wenigen Handgriffen eigene Anwendungen zu erschaffen. Nutzer bekommen wiederum die Flexibilität geboten, mit privaten und effizienten Mitteln ihre Informationen zu teilen“, sagt Opera-Chef Jon von Tetzchner. Probiert es einmal selbst aus. Bin mal gespannt, welche Ideen euch für neue Browser/Server-Apps einfallen.

(André Vatter)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

30 Kommentare

  • Mein Kopf explodiert gerade vor Ideen.. Aber irgendwie ist das ganze auch ein reverse Cloudcomputing.. Bin mir nicht so sicher ob sich so ein Konzept auf lange Sicht hält.

  • Feine Sache das…
    Und als langjähriger Operanutzer tut es gut, wenn der mMn doch sehr komfortable Browser auch mal gelobt wird 😉

    Mal sehen, wenn ich erstmal umgezogen bin und weiss welche Bandbreite mir wirklich zur Verfügung steht, vltl stell ich ja meine eigene Internetseite auf meinen „Operaserver“ 😀
    Super Vorstellung oder?

  • Wow, finde den Ansatz klasse. Gibt es die Möglichkeit, dass Dritte Apps dazu programmieren können? Schnittstellen? Andererseits: Meint ihr nicht, dass das wieder Debatten auslöst bzgl. illegalem filesharing?

  • Apropos Filesharing. Wie fortschrittlich das doch in Zeiten allgemeiner Paranoia ist: Ein Dienst, wo man sich erst anmelden muß, um Dateien zu tauschen. Darüber sollte man vielleicht wirklich nur Linux verteilen 😀

    @Anonymus: Und wieder werden zig tausend Menschen denken, sie könnten ihre Hoompäitsch zu Hause hosten.

  • Nun ja, in Verbindung mit bspw. einem netbook- bzw nettopgerät sollten sich zumindest einfache html seiten problemlos hosten lassen. Alles was nicht gross rechenleistung erfordert, kann damit realisiert werden und der stromverbrauch ist mit 30W auch nicht sehr hoch.

    Und auch kleinere Seiten mit Joomla oder WordPress CMS sind sicher kein Grund, extra Webspace zu mieten, wenn man die Geräte bereits hat.

  • Ich frage mal, da ich mich mit so etwas nicht auskenne. Wäre es nicht dann möglich diese entstehende Schnittstelle für Angriffe auf einen PC zu nutzen. Gemäß man nutzt diesen Dienst und nutzt somit auch seinen eigenen Server? Somit würde man ja potentiellen Angreifern einen Weg öffnen?

  • War mein erster Gedanke: „Und wie sieht das mit der Sicherheit aus?“
    Aber die Erfahrung zeigt auch, dass das heutzutage erstmal keinen interessiert.

  • Man sollte erwähnen dass der ganze Service über einen Proxy läuft, defacto alles mitgelogt werden kann, ich würde damit nichts sharen ;).

  • Naja ist ja nicht gedacht damit grossflächig irgendwelche Szenereleases zu verbreiten. Aber um nen Kumpel kurz Bilder oder MP3s zukommen zu lassen ist das sicher eine schöne Möglichkeit

  • Bin ja eigentlich Firefox-Fan, aber damit hat Opera mich echt überzeugt!

    Dieser Browser könnte ein echter Erfolg werden. Aber ich denke mal, dass die neue FIrefox-Version dann auch sowas enthalten wird, aber mit mehr Funktionen. Die möchten ja schließlich ihre Nutzer behalten.

  • @ Simon: Ich glaube kaum, dass Firefox das 1:1 kopiert und auch noch ausweitet. Es sei denn, sie wussten schon längst davon und planen das auch seit Monaten. Aber das glaube ich diesmal nicht. Schließlich wusste selbst TechCrunch nichts davon – und das will schon was heißen! Hab übrigens auf meinem Blog zwei Artikel dazu veröffentlicht mit mehr Hintergrundinfos!

  • @ Cookie: Ja, wird es geben – ist sogar fest eingeplant: „Unter dem Stichwort “Cloud Computing” (Datenwolke) kündigte Opera heute seine neueste Technologie an. Mit Opera Unite soll der Nutzern zunächst einmal mehrere Webdienste zur Verfügung gestellt bekommen, die in Zukunft durch (größtenteils externe) Module erweitert werden können. Auch das kennen wir von Facebook, das für Entwickler API-Schnittstellen geöffnet hat, um den Mitgliedern beispielsweise Geburtstagskalender, Quiz und Landkarte mit bereits besuchten Orten anbieten zu können.“ Quelle: http://www.juiced.de/blog/2009/06/16/opera-unite-zu-spaet-ein-guter-flop/

  • als treuer operanutzer, der schon fast fürchtete, daß sein geliebter norwegischer browser ausstirbt bin ihc wegen dieser nachricht natürlich komplett euphorisch und freue mich auf die neuen möglichkeiten von opera unite (obwohl ich manches davon bereits mit dropbox löse), aber wie kann ich das aktivieren? in dem beschreibungsvideo auf der operaseite sagen die, daß man es einfach in seinem browser im unitepanel aktivieren kann. das finde ich bei mir aber nicht. bin ich einfach nur blind oder ist es noch zukunftsmusik?

  • Also zum Websiten hosten wird sich das ganze Sicher nicht eignen weil niemanden seinen PC inklusive Browser 24/7 online hat. Mal ganz abgesehen von der Bandbreite bzw. tld´s.

    Ich bin ja schon seit Jahren ein Opera nutzer und freue mich natürlich auf den neuen Browser und auch auf Unite. Ist halt nett um sich mit Freundin etc. Dateien bereitzustellen.

  • Der interessanteste Aspekt sind m.E. die hier in den Kommentaren angesprochenen Sicherheitsfragen. Basic Thinker, klemmt euch doch mal dahinter und recherchiert mal für uns!

  • Thx. Würde dieses Feature schon sehr gerne nutzen. Aber eben nicht vom Nebenstübchen aus, sondern an meinem Hauptrechner 😉

  • @ Sneakpod-Christoph: Du musst dir eine neue/spezielle Opera-Version herunterladen. Downloadlinks findest du hier: http://labs.opera.com/news/2009/06/16/ (If you haven’t already, download the new Opera Unite alpha builds available, and start playing: Opera Unite build for Windows …)

    Das ist die gleiche Opera-Beta, aber mit Opera Unite Alpha zusammen integriert!

  • Ich sehe gewisse Parallelen zum „Skype, Horror der Administratoren“. Da Opera keine Portweiterleitung benötigt und ohne UPnP auch über Opera Proxy erreichbar ist ist der Transport von Daten zwischen Firma und WildWorldDatenAde natürlich besonders leicht gestaltet. Nicht dass über Andere Browser vorsätzlich weniger Daten irgendwohin hochgeladen werden könnten. Dennoch wird der Pure Gedanke an die Möglichkeiten manch einem Admin Albträume bereiten.
    Bleibt zu hoffen dass die Sandbox nicht ebenso löchrig ist wie alle Sandboxen vor ihr.

Kommentieren