Google Trends zeigt nun auch aktuelle Grippewellen in Deutschland an

André Vatter

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Ich habe auf dem Blog schon häufiger Loblieder auf den Dienst Google Trends gesungen – sei es in seiner Funktion als Wahlbeobachter oder bundesrepublikanisches Sex-o-Meter. Der Google-Dienst zeigt auf, was gerade im Netz „in“ ist, was die Menschen bewegt und was sie suchen. Im Sommer werden Eistee-Rezepte recherchiert, im Winter stöbern die Leute nach den besten Preisen für Winterreifen.

Seit November gibt es für Amerikaner eine kleine Erweiterung des Dienstes. Flu Trends zeigt auf, wo und wann in den Staaten nach „Flu“ (Grippe) gesucht wird – laut Google ein Indikator dafür, wo sich gerade wieder eine neue Husten/Schnupfen/Heiserkeit-Welle ausbreitet. Auf diese Weise entstand langsam ein Frühwarnsystem: Nutzer wissen nun, wann in ihrer Nachbarschaft Genesungstipps gegen die Grippe gegoogelt werden – und werden sich folglich häufiger die Hände waschen. Dass die Gesundheitsbehörden von diesen Informationen ebenfalls bei der Vorsorge profitieren, dürfte klar sein.

Und heute hat Google auch gute Nachrichten für uns Deutsche (natürlich auch für uns Österreicher und Schweizer): Google Flu ist endlich auch für Europa verfügbar. Wie ein erster Blick auf die Statistik verrät, steigt die Infektionsrate in Deutschland seit etwa Mitte September langsam an, bleibt im Vergleich zu den Vorjahren aber auf erstaunlich niedrigem Niveau. Die Pharmaindustrie wird mit Nasenspray, Kopfschmerztabletten und Hustensäften erst zwischen Dezember und Januar den größten Reibach machen – in dieser Zeit erlebte die Grippewelle zumindest im vergangenen Jahr ihren Höhepunkt.

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Leider hat es Google noch nicht geschafft, die Daten nach Bundesländern aufzuschlüsseln. Ich rechne jedoch damit, dass dies in den kommenden Monaten geschehen wird, so dass noch exaktere Prognosen gemacht werden können. Übrigens ist mit „Grippe“ immer die klassiche Grippe gemeint. „H1N1“-Suchanfragen wurden nicht berücksichtigt, da sich augenscheinlich mehr Leute sich für das Thema interessieren, als tatsächlich infiziert sind.

Wer der Messmethode übrigens noch immer nicht richtig über den Weg traut, sollte sich das Diagramm im Aufmacher noch einmal genauer ansehen: Hier werden die Schätzungen auf Grundlage der Suchanfragen mit den realen Daten des European Influenza Surveillance Network verglichen. Schon erstaunlich nah dran, wenn ihr mich fragt…

(André Vatter)

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André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.