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Basic Flashback: Wegen dieser Paid Content-Geschichte…

zeitungen

Egal, wo ich in letzter Zeit bin: überall fange ich eine Journalismus-Debatte an. Beim Friseur, in der Bahn, wenn die Feuerwehr mal wieder im Haus ist („Das sind nur Weihnachtsplätzchen!“), im Wartezimmer beim Arzt – überall. Alle beklagen sich, alle motzen über die Qualität des deutschen Journalismus oder beginnen zumindest damit, nachdem man das Thema angesprochen hat und sie das erste Mal wirklich darüber nachdenken. Doch es gibt einen nie scheiternden, schnellen Ausstieg aus jeder dieser Diskussionen. Man fragt einfach: „Und wann haben Sie sich denn zuletzt eine Zeitung gekauft?“ Als Antwort gibt es dann entweder eine wegwerfende Handbewegung („Ich zahle nicht für schlechte Nachrichten!“) oder ein betretendes Schweigen („Sie haben ja Recht…“). Vor zwei Tagen stieg ich spätabends in ein Taxi. Während wir fuhren, lockerte ich den Gurt und beugte mich vor, damit ich die „Express“ des Fahrers auf dem Armaturenbrett besser erkennen konnte. „Ihre?“, fragte ich. „Jep.“ – „Selbst gekauft?“ – „Nein. Wir tauschen alle.“ – „‚Wir?‘ Sie meinen die Taxifahrer?“ – „Jep.“ – „Ihr habt einen Zeitungstauschring?!“ – „Jep.“

Auch, wenn ein derartiger Lesezirkel unter den Gesichtspunkten der Bequemlichkeit, des Umweltschutzes und der persönlichen Ökonomie punkten kann, muss man sich auf der anderen Seite doch fragen, wer überhaupt noch Presseartikel am Kiosk kauft. Tatsächlich kenne ich außerhalb von konservativen Mutter-Vater-Kind-Haushalten mit Abo-Versorgung keinen Menschen mehr, der sich regelmäßig mit gedruckter News-Literatur auf dem Laufenden hält. Sicher, die Kosten spielen eine große Rolle. Ein hervorragendes Beispiel für diese Hürde liefert ja jedes Jahr der „Spiegel“. 2002 kostete eine Ausgabe 3 Euro, Anfang 2009 3,70 Euro und die diesjährige Weihnachtsausgabe kostete erstmals 3,90 Euro. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Copy-Preis des „Spiegels“ um 30 Prozent erhöht. Warum? Nun, der Kölner Büdchen-Besitzer erklärt dies mit einer einfachen Gegenfrage: „Wissen’se eijentlisch, wie schweineteuer heute dat Papier jeworden is?“ Tatsächlich unternimmt der Papierpreis seit der Jahrtausendwende eine Klettertour nach oben, doch das ist nicht der eigentliche Grund. Wurden vor zehn Jahren die Kosten pro Ausgabe noch zu zwei Drittel durch die Werbung gedeckt, so wird exakt dieser Betrag heute durch den Kaufpreis getragen.

Schwindende Werbeeinnahmen und sinkende Auflagen (der Spiegel wird 2010 erstmals wieder unter die Millionenschwelle fallen): das ist der Zweifrontenkrieg, dem Printmedien heute ausgesetzt sind. Ich will im Folgenden nicht über Offline-Marketing reden und mich lieber um die ausbleibenden Offline-Leser kümmern, die zweifelsohne immer mehr zu Online-Lesern geworden sind. Und denen drängt sich nun neuerlich das beunruhigende Problem auf, das sie für eigentlich überwunden hielten: Sie werden wieder zur Kasse gebeten.

Diese Woche herrschte Chaos im deutschen Internet. Das Weltbild der Nutzer wurde erschüttert! Die Spielerei mit den kostenpflichtigen App-Abos für die „Bild“ und die „Welt kompakt“ war tatsächlich nur ein kleines Strohfeuer, der Springer-Verlag hatte noch eine viel süßere Überraschung in der Hinterhand und schaltete nonchalant die bislang frei verfügbaren Netzangebote „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“ auf Paid Content um. Die Quersubventionierung sei gescheitert, ab sofort gelte eine Bezahlschranke für lokale Inhalte. Knapp acht Euro soll nun der uneingeschränkte Zugang zu allen Artikeln pro Monat kosten, lediglich Print-Abonnenten könnten sich diese Gebühr sparen.

Der sachlichste Kommentar unter den knapp 500 bis heute abgegebenen Leser-Statements dazu lautete: „Tschüss dann…“ Ich bin die Liste der Beschimpfungen einmal durchgegangen und habe insgesamt drei Punkte gefunden, die es wert sind, einmal näher beleuchtet zu werden:

1.) Warum soll ich für schlechte Qualität bezahlen?

Tja, gute Frage. Das würde ich eigentlich auch nicht. Wie schon früher erwähnt, geht der Mangel an Qualität alleine auf die Kappe des deutschen Verlagswesens. Diese Debatte, die heute geführt wird, hätte bereits vor Jahren stattfinden sollen. Stattdessen setzte man auf ein blindes „Weiter so!“ und sparte bei den Ausgaben. Kein Autohersteller würde in Krisenzeiten auf die Idee kommen, den Preis zu drücken, indem man die Windschutzscheibe weglässt, die Motorhaube, die rechte Seitentür. Doch das wurde jahrelang in der deutschen Medienlandschaft praktiziert. Redaktionen – das eigentliche Kapital – wurden radikal abgebaut. Aus zwei Ressorts wurde eines gemacht oder man verzichtete gleich direkt darauf. Und jetzt hat uns das „Weiter so!“ vor die Wand gefahren. Die Early Adopters unter den Paid Content-Lesern sind diejenigen, die nun beim Wiederaufbau helfen müssen. Und natürlich kostet es Überwindung, acht Euro im Monat zu bezahlen, angesichts von nackten Agenturmeldungen, die 1:1 übernommen wurden. Oder für die Klick-dich-durch-Bildergalerien, deren einziger Sinn und Zweck es bislang war, Klicks zu generieren, um die Position des Vermarkters gegenüber den Werbern zu stärken („Aber werfen Sie doch mal einen Blick auf unsere Page Impressions!“). Wer jetzt sein Bezahlkonto anlegt, hilft bei der Instandsetzung. Und ein Wort an die Verlage: Ihr tätet gut daran, dieses Vertrauen nicht zu missbrauchen.

2.) Die schalten doch Werbung, das reicht!

Werbung im Internet ist eine feine Sache – und vor allem ein stark wachsender Sektor. Kontextbasierte Textanzeigen, schicke Display-Banner, nervige Layer-Ads sind stark im Kommen und das wird auch so weitergehen und bald auch richtig den Mobilfunkmarkt erobern. Doch auf der Einnahmenseite bedeuten Banner Peanuts. Vermarkter bekommen heute von Werbern den Preis diktiert, weil es schlicht ein Überangebot von vermarktbarer Fläche im Internet gibt. Banner boomen – doch davon haben die Verlage wenig: für 1.000 Klicks gibt es einen kalten Kaffee und einen Kugelschreiber. Werbung ist zwar eine wichtige Einnahmequelle, doch sie alleine reicht nicht mehr aus. Dazu kommt wieder einmal das Verhalten des Lesers. Im Mai machte ich eine kleine Umfrage unter rund 400 Teilnehmern. Etwa ein Viertel von ihnen setzt Ad-Blocker ein und würde auch dann nicht darauf verzichten, wenn das Angebot stimmt.

3.) Wenn ich zahle, will ich keine Werbung sehen!

Aha. So ist das also. Ich schätze, es waren die beiden Freemailer GMX und Web.de, die Ende der Neunziger indirekt den Irrglauben verbreiteten, dass man mit bezahlten Accounts das Anrecht auf Werbefreiheit hat. Xing wollte erstmals wieder damit brechen und kündigte vergangenes Jahr an, auch Premium-Kunden in den Genuss von Bannern kommen zu lassen. Was war da los! Pfui, Spinne! sagten die Nutzer und verabschiedeten sich. Es herrscht mehr, als eine reine Gratismentalität im Netz. Es herrscht ein anmaßendes Anspruchsdenken. Wenn ich heute ins Kino gehe, bezahle ich neun Euro, um mir 45 Minuten vor Filmbeginn alkoholische Produkte, Zigaretten und Rundfunkgebühren in fetzigen Werbeclips schmackhaft machen zu lassen. Ich habe noch niemanden gesehen, der protestierend den Saal verlassen hätte. Gibt es den neuen „Spiegel“ – der ja nun 3,90 Euro kostet – auch werbefrei? Nein. Der Kaufpreis deckt nicht annähernd den Preis für die Aufwendungen. Jemand, der bereit ist, 15 oder 20 Euro im Monat für die Online-Ausgabe des „Hamburger Abendblatts“ hinzulegen – der könnte ein Anrecht auf Werbefreiheit haben. Das könnte der Verlag für die Kritiker ja gerne einmal durchrechnen. Werbung, auch mit den oben genannten Einschränkungen, ist und bleibt unverzichtbar.

Wir werden sehen, wie sich die Sache für Springer entwickelt. Tatsache ist, dass das Konzept in dieser Konstellation nicht aufgehen wird, wenn die übrigen Verlage nun feixend daneben stehen und sich über den willkommenen Besucherstrom freuen. Denn das verzögert nur die Lösung des eigentlichen Problems.

Die Alternative?

In den Vereinigten Staaten laufen ähnliche Experimente: Rupert Murdoch wird für seine Paid Content-Offensive scharf angegriffen. Auf der anderen Seite stehen Anbieter wie AOL und die Huffington-Post, die sich dazu entschlossen haben, ungeniert und in aller Öffentlichkeit mit Werbern ins Bett zu gehen. Bei AOL haben Unternehmen ab sofort (und gegen entsprechende Bezahlung) die Möglichkeit, bei der Erstellung journalistischen Contents mitzuwirken. Wie sähe das bei Spiegel Online aus, wenn RWE beim Thema „Atomenergie in Deutschland“ seine Hilfe anböte? Oder der Pharmakonzern Roche, Hersteller von Tamiflu, ein wenig über die Neue Grippe referieren dürfte? Ich frage mich, warum die Stimmen der Kritiker hier nicht lauter sind. Der Journalismus ist die vierte Gewalt im Staat. Und ohne jetzt die Idealismuskeule schwingen zu wollen: Warum gehen die Bürger auf die Barrikaden, wenn mal wieder herauskommt, dass ein bei kritischen Entscheidungen eingebundener Parlamentarier bei dem oder dem Unternehmen auf der Gehaltsliste steht? Und warum lehnen sie sich entspannt zurück, wenn ein Verlag sagt, dass man ab sofort einen Großteil der Einnahmen mit Hilfe von Advertorials verdienen wird? Weil unabhängiger Journalismus andernfalls Geld kosten würde?

Ich bin gerne bereit, knapp 96 Euro für die Online-Zeitung meines Vertrauens im Jahr zu zahlen, wenn ich wüsste, dass dort gute Arbeit geleistet wird, dass das Medium etwas bewegt und die Redakteure ordentlich behandelt werden. Überlegt es euch auch einmal. Und überlegt es euch richtig. Immerhin besteht ja ein wenig Hoffnung. Laut einer GfK-Studie würden hierzulande lediglich neun Prozent aller Internet-Nutzer für Online-Inhalte bezahlen. Von unseren Lesern würden dies immerhin 31 Prozent hypothetisch tun. Ein Anfang.

(André Vatter / Foto: Pixelio – Fotograf: Oliver Weber)


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Über den Autor

André Vatter

André Vatter ist Journalist, Blogger und Social Median aus Hamburg. Er hat von 2009 bis 2010 über 1.000 Artikel für BASIC thinking geschrieben.

50 Kommentare

  • Ich abonniere seit Jahren die taz und seit ein paar Monaten ist auch der freitag hinzugekommen. Trotzdem lese ich sehr viele News im Netz, aber morgens beim Frühstück mit dem Laptop auf dem Tisch gefällt mir dann doch nicht so. Abgesehen davon kriegt man in so einer Zeitung doch einfach auch noch andere Infos, zumindest anders aufbereitet.

    Ich wäre auch bereit, für Infos im Netz zu bezahlen, wenn denn die Qualität stimmt. Nur passt es nicht, für alle Blogs aus meinem Feedreader je 1 EUR / Monat zu zahlen, da ich dann ca. 100 EUR im Monat los wäre und das ist doch ein bischen doll. Das müsste also irgendwie anders laufen, z.B. mit einer Monatszahlung an eine Blogkollektive, die dann nach Zugriffszahlen von mir mein Geld verteilt… Irgendwie so.

  • Wenn die Anbieter von journalistischen Inhalten zu doof sind, ein sinnvolles Angebot, und zwar koordiniert, anzubieten, ist ihnen nicht zu helfen.
    Wenn ich die Möglichkeit hätte, einzelne Artikel via Paypal oder einem ähnlich funktionierenden Modell zu bezahlen- zu einem vertretbaren Preis, würde ich das auch tun. Ich will mich aber nicht auf Abos festnageln lassen. Den Onliner zeichnet ja schnelles Surfen quer durch die Medien aus, dem müßte auch entsprochen werden.

    Ich habe auch keine Nerven mir, mir zum 150.000sten Mal einen Artikel dieser Länge zu diesem Thema durchzulesen.
    Wenn sogar amerikanische Verleger zu begrenzten Kooperationen in der Lage sind, bei einem Markt, der wesentlich schwieriger ist als der deutschsprachige, dann scheint dieser Patient echt nicht mehr zu retten zu sein.

  • ich kann immer nur von mir sprechen, aber ich vermisse immer wieder die funktion, mit einem klick auf einen button unter dem artikel (oder unter der vorschau) den artikel für wenige cents zu kaufen. ein klick, unkompliziert und nicht mehr als 10 cent. ich würds nutzen, jedoch fehlt noch eine vernünftige micropayment lösung.

  • @3 genau meine Meinung! Die Preise für einzelne Artikel sind zu hoch und die Bezahlmöglichkeiten ungeeignet. Abo’s will niemand, weil man online mehrere Quellen hat. Die Bindung an eine einzelne Zeitung ist nicht so gegeben wie bei den Printmedien.

    Dagegen sollten die Preise bei Onlineartikeln im Verhältnis zu den Kosten der gedruckten Ausgaben stehen, d.h. z.B. Preis pro Wort in einer Zeitung ermitteln und dann mit der Anzahl der Wörter im Artikel multiplizieren. Das wäre ein fairer Weg der Preisgestaltung.

  • Hey, Leute … vergesst Paid Content im Netz, dieser Zug ist abgefahren. So lange es Anbieter mit Gratiszugang gibt, werden diese die Nutzer um sich scharen (und „Free“ wird es immer geben!). Die Murdochs dieser Welt werden ganz einfach verschwinden. Schade um die Zeit, über Bezahlinhalte zu schreiben. Alternativen sind gefragt!

  • ich bin wohl einer der 70% die sich negativ gegenüber einem paid-content auf basicthinking.de ausgesprochen haben. ich kann hier nur für mich selbst sprechen, aber für mich wäre es absolut unrealistisch für jeden blog / magazin welches ich tag für tag ansurfe jeweils 1€ zu zahlen. ich könnte wohl keine miete mehr zahlen … 😉
    die für mich einzig spielbare variante wäre eine plattform, ein zusammenschluss von mehreren seiten, die dann ähnlich wie meinetwegen google news ein breitgefächertes angebot anbieten können. für ein solches portal wäre ich auch bereit gut und gerne 10€/monat auf den tisch zu legen.
    der weg der derzeit von der springer presse verfolgt wird, wirkt auf mich eher wie ein versuch dem gesetzgeber zu beweisen, dass paid content nicht funktionieren kann um dann gesetztesentwürfe wie das ‚leistungsschutzrecht‘ besser propagieren zu können. die umsetzung ist praktisch ein arschtritt für jeden der zahlt. hier wäre ein spenden button um einiges ehrlicher und warsch. genauso erfolgreich …

  • Ich würde auch gerne zwischen Schlagzeilen und Artikeln unterscheiden.

    Schlagzeilen zur Klimakonferenz sind überall für lau zu haben und morgen veraltet. Ein ausführlicher Artikel dazu nicht.
    Gleiches gilt für regionale News. Neuer Bürgermeister im Dorf. Erfährt man so oder so. Ausfühliche Storys nicht.

    Viele Zeitungen insb von Springer arbeiten in Bereich eins, der wird wegfallen.
    Die ausfühlichen Fach/Zeitungen werden bleiben, aber nur, wenn sie sich wieder auf ausfühliches konzentriren. Das kostet aber auch Geld in der Herstellung – Wer da spart wird verschwinden

  • Prolog: der Text ist etwas lang und weicht auch zwischen durch vom Thema ab … XD

    Mmmmh tue mir bei der ganzen Geschichte etwas schwer. Jahrelang wird der Kunde wie ein Unmündiger behandelt, es wird versucht das Maximum (finanziel) aus ihm rauszuholen und dann wird gejammert wenn der Kunde sich weiterentwickelt, seine Macht mit Hilfe des Internet neu entdeckt und Sie dann auch einsetzt (so wie Konzerne es immer tun). Man unterschätzt das Inet. nach wie vor gewaltig. Allgemein habe ich kein Problem damit für gute Inhalte/Konzepte/Handling etc Geld zu zahlen, tue ich auch schon. Das Problem unserer Gesellschaft ist meiner Ansicht nach, die Mentalität, aus jedem und allem auf kosten aller und unter zum Teil Menschenunwürdigen Umständen, max. Gewinn für 1-2% der Gesellschaft zu generieren. Bei kostenpflichtigen Angeboten, denke ich reflexartig zu erst „wer will mich damit, wie abzocken“ und nicht, „ach ist das ein tolles Angebot darauf habe ich gewartet“ … sorry ist halt so.

    Aber auch solche „pseudo“ Spendenaktionen wie sie Danone mit Volvic macht siehe dazu http://www.nachdenkseiten.de/?p=4417 , regen mich ungemein auf und unterhölen das Vertrauen der Bürger in unsere Wirtschaft.

    Das Problem für den Einzelnen ist doch inzwischen, das er nicht mehr leicht erkennen kann, was dahinter steckt.

    zu deinen Fragen :
    1.) Warum soll ich für schlechte Qualität bezahlen?
    2.) Die schalten doch Werbung, das reicht!
    3.) Wenn ich zahle, will ich keine Werbung sehen!

    Die Fragen sind meiner Meinung falsch, die Frage sollte lauten

    Brauchen wir noch Zeitungen in der jetzigen Art und Form?

    Dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Journalismus

    ins besondere folgendes Zitat

    Wolf Schneider und Paul-Josef Raue (2006) definieren die Aufgabe des Journalismus‘ als eine zweifache: „Durch den Dschungel der irdischen Verhältnisse eine Schneise der Information zu schlagen – und den Inhabern der Macht auf die Finger zu sehen.“

    Journalismus ist Meinungsbildung und sollte nicht zum reinen Geldverdienen verkommen.

    Der heutige Printjournalismus trägt dem nicht Rechnung. Wo ist noch die unparteiische ( schreibt man das so?) neutrale,vielseitige Berichterstattung? Es wird doch nur noch eine einseitige Berichterstattung geboten und die ist mir kein Cent wert. (Habe deshalb mein Tageszeitungsabo vor 2,5 Jahren gekündigt).

    Wo ist das „Herzblut“ des journalismus?

    Ich seh das nur noch im Inet zum Teil geboten und dort noch viel zu wenig.

    Um deine Frage „Wie kann ich mit euch Lesern Geld verdienen“ (bitte nicht böse sein 😉 ) zu antworten.
    Es müsste ein Bezahlsystem geben, bei dem ich anonym, ohne großen Aufwand schnell zahlen kann, dann bekommst du von mir Geld.
    Keine Prepaidkarte die nach 1 Jahr plötzlich Geld kostet weil ich sie nicht gekündigt habe oder bei deren Kauf ich mich ausweisen muss.

    Eine anonyme prepaid Kreditkarte währe sinnvoll, von mir aus darf die auch gerne etwas extra kosten.

    LG
    Vini

  • Ich schließe mich denen an, die den Preis einzelner Artikel bemängeln, denn da ist meiner Meinung nach wirklich etwas zu tun. Dass ein Bezahlmodell bei längeren Artikeln mit guter Recherche durchaus funktionieren kann, würde ich schon so sehen.
    Heise gehört zu den ersten an die ich mich persönlich erinnern kann, bei denen es im Online-Kiosk einzelne Artikel schon sehr früh für 30 bis 90 Cent zu kaufen gab, was ich hier und da auch mal genutzt habe.
    Rechnet man allerdings spaßeshalber mal die Preise aller Artikel der aktuellen iX zusammen, kommt man auf stolze 22,50 Euro. Nun, vielleicht bin ich blind, aber als Web-Entwickler scheint mir die Aufbereitung und Auslieferung digitaler Inhalte als PDF deutlich weniger aufwendig als die der Printversion. Natürlich sind einzelne Titel teurer als das Gesamtkunstwerk, das kennt man von Musik (auch bei MP3s) … aber das 6-fache ist schon nicht ohne.

  • Dominik, in deiner Rechnung fehlt der Anteil der Werbeerlöse z.B. durch Werbefläche, die im kompletten Magazin zu finden sind. Also passt es wieder. Ihr wollt keine Werbung, also sollt ihr auch den realen Preis des Beitrags zahlen. Keiner hat etwas zu verschenken.

  • @Paul
    Niemand fordert den exakten Preis wie beim Print oder dass die PDFs werbefrei sind. Ich weiß nicht wo du das bei mir gelesen haben willst. Ich lebe selbst von der Werbung. Das Verhältnis scheint mir nur schon etwas ungleichmäßig.

  • sollte die hamburger morgenpost auf ihren bezahlseiten tatsächlich etwas anderes bieten als die 1:1-übernahme von agenturmeldungen, die ich auf jedem anderen online-angebot einer zeitung auch lesen kann, dann finden sich sicherlich auch leser, die dafür bereit sind, zu zahlen..aber sich gleich hinter einem abo-preis von 8 euro einzumauern, finde ich schlicht gesagt falsch..warum ist denn in den vergangenen 10 jahren nicht ein funktionierendes zahlsystem entwickelt bzw. etabliert worden, das es mir – und da stimme ich #8 entschieden zu – erlaubt, mir einzelne artikel, die mich wirklich interessieren, im bereich von cent-bruchteilen durchzulesen, und diesen preis nach der online-sitzung ganz anonym vom konto abbuchen zu lassen..

  • Ich stimme den meisten hier absolut zu – es geht meiner Ansicht nach bei Paid Content besonders um eines: Günstige Preise bei maximalem Zahlkomfort und großer Auswahl. Diese drei Punkte sollten mindestens erfüllt sein.

    Warum also gibt es immer nur Paid Content für einzelne Angebote? Es macht doch viel mehr Sinn, große Portale zu schaffen, die dem Leser den Zugriff auf alle Online-Angebote eines Verlages gewähren – einmal zahlen und sämtliche Zeitungen, Zeitschriften, etc. lesen können. Oder: Mit einem Klick für ein paar Cent einen Artikel lesen – schnell und unkompliziert.

    Micropayment halte ich dabei für das Stichwort der Stunde – oder alternativ auch einen Spendenbutton, der weitaus sympathischer wäre. Aber ob ein Angebot mit Spenden genug Einnahmen generieren könnte, muss sich zeigen…ein Versuch wäre es jedenfalls wert.

    Ansonsten glaube ich, dass es nicht mehr um die Frage Zahlen oder Nicht-Zahlen geht. Ich denke, früher oder später sind Bezahlmodelle Normalität. Da hilft auch die oft an den Tag gelegte Scheinheiligkeit einiger Leser wenig, die jahrelang ein Angebot nutzen (und ich gehe nun einmal davon aus, dass jeder nur das liest, was auch den eigenen Ansprüchen genügt) und sobald es ums Bezahlen geht, als erste schreien, für solchen „Schund“ gäbe man keinen Cent. Diese Argumentation kann man fast überall da lesen, wo ein Portal, eine Website oder ein Verlag das Thema Paid Content aufgreift oder umsetzt.

    Natürlich wählt jeder ganz genau aus, was er liest, sobald es etwas kostet. Aber bitte, erst ein Angebot regelmäßig zu nutzen und es dann abzuwerten, nur weil es Geld kostet – das halte ich für scheinheilig. Im Internet scheint für viele der Umkehrsatz des Spruches, Was nix kostet, ist auch nix, zu gelten: Plötzlich ist alles nix mehr, weil es etwas kostet.

    Und ja: Da bloße Verbreiten von dpa und Co. ist kein Journalismus. Völlig korrekt. Aber es sind mit Sicherheit nicht die Journalisten, die hier mit gesenktem Haupt von dannen ziehen sollten. Die Redaktionen werden immer mehr ausgedünnt, gerade im Online-Bereich sind die Journalisten nicht mehr nur für Recherche und Schreiben verantwortlich, sondern werden immer mehr zu Generalisten, die auch die Bildbearbeitung übernehmen, die Leseranfragen beantworten, Webseiten erstellen und SEO-Maßnahmen übernehmen – in der klassischen Printwelt gabs für alle diese oder vergleichbare Dinge einen eigenen Mitarbeiter.

    Das gleiche ist aber auch dort bereits so angekommen, man denke nur an die „so innovativen“ Newsrooms, in denen 12 Journalisten drei Zeitungen beliefern. Von Vielfalt, keine Spur. Alle haben den gleichen Mantel, lediglich das Wetter wird noch der jeweiligen Region angepasst.

    Fazit:

    Am Ende bleibt die Frage, was war zuerst da. Das Huhn oder das Ei. Soll heißen: Der Leser zahlt nicht, so lange das Angebot aus seiner Sicht nicht stimmt. Das Angebot stimmt aber so lange nicht, wie große Redaktionen nicht finanzierbar sind. Ergo: Das wirklich spannende an der Paid Content-Debatte ist doch eines:

    Wie wirkt sich die Einführung des Bezahlmodells auf die Qualität der Angebote, sprich die Größe der Redaktionen aus? Und hier hat Andre absolut recht. Das Vertrauen der zahlenden Leser sollte nicht enttäuscht werden. Sollte sich herausstellen, dass damit die Qualität erhöht wird, werden die Stimmen der Kritiker von selbst verstummen.

  • Die Branche wird sich erst weiterentwickeln, wenn Transaktionen von wenigen Cents gewinnbringend realisierbar sind, sprich die Anbieter der Micropayment Systeme nicht mehr als 5 % des Rechnungsbetrags bei Kleinstbeträgen verlangen. Leider sind wirkliche Innovationen im Bereich Micropayment nicht ersichtlich. Vielleicht sollten die Verleger selbst aktiv werden.

  • Ich bin ebenfalls der Meinung, dass in einigen Teilen der Welt ein anmaßendes Anspruchsdenken herrscht.

    Auch wenn es mich selbst treffen würde, bin ich für die Einführung von Paid Content.

    Die Ausmaße der Gratiskultur reichen ja weit über joun. Angebote hinaus, ob nun Telefongebühren im unteren Centbereich, erwarteter kostenloser Versand bei Onlineshops oder immer billigere Multimediaprodukte, damit auch jeder Proletarier seine Zerstreuung findet.

    Es sollte in dieser Gesellschaft wieder jedem klar werden, dass jede Leistung kostet, ansonsten muss man darauf verzichten.

    Dieses Verhalten wird schon für die Jüngsten in der Familie geprägt, aber da sehe in den meisten Fällen kaum eine Chance zur Änderung.

  • Solange es noch genügend freie Quellen im Internet gibt, werden nur wenige die Paid Angebote nutzen. Sollten aber alle Zeitungen und Magazine umstellen, könnte es anders aussehen. Je weniger freie Quellen im Netz vorhanden sind, desto mehr Content kann verkauft werden. Ganz einfach und logisch. Vielleicht wird ja dann wieder mehr Zeitung gelesen 😉

  • „Wenn ich heute ins Kino gehe, bezahle ich neun Euro, um mir 45 Minuten vor Filmbeginn alkoholische Produkte, Zigaretten und Rundfunkgebühren in fetzigen Webeclips schmackhaft machen zu lassen. Ich habe noch niemanden gesehen, der protestierend den Saal verlassen hätte. Gibt es den neuen “Spiegel” – der ja nun 3,90 Euro kostet – auch werbefrei? Nein. Der Kaufpreis deckt nicht annähernd den Preis für die Aufwendungen.“

    Diese Vergleiche hinken bzw. sind nicht zuende gedacht. Denn erstens werden im Kino VOR dem Film EINMALIG Werbeclips gezeigt. Wie aber wäre es, wenn – wie im Internet – ständig von Dir gefordert wird, Deine Aufmerksamkeit zu teilen bzw. Dich gut zu konzentrieren, um vom Film etwas mitzubekommen: Indem während des Films beständig in einem Frame rechts daneben animierte Werbung liefe? Da würdest Du nach einer Viertelstunde schon nach einem Werbeblocker schreien wie jeder andere auch. Oder den Saal verlassen. Vor allem dann, wenn die Werbefläche bei einer kleinen Bewegung im Saal – ähnlich einer versehentlichen Mausbewegung über dem Werbebanner – plötzlich jene Werbefläche prominent den halben Bildschirm belegt und über dem Film liegt…

    Zweitens ist die Werbung im Spiegel weder vor Werbeblockern (wie etwa darübergelegten DIN-A4-Zetteln oder schlichtweg dem Arm) geschützt noch animiert, weshalb man sich leichter auf das konzentrieren kann, was man eigentlich will: Nämlich den Artikel lesen.

    Und das ist nun also anmaßendes Anspruchsdenken: Wenn man einen Artikel im Internet in Ruhe in allen Einzelheiten erfassen und verstehen will, ohne durch Werbebanner abgelenkt zu werden, die nur zum Ziel haben, sich selbst wichtiger zu machen als das eigentliche Produkt?

    Kannst Du mir verraten, wie man da Qualitätsjournalismus noch erkennen soll?

  • Das mit dem „RWE arbeitet an Artikeln mit“ ist doch heute schon teilweise Tatsache. Da werden doch inzwischen ganze „Artikel“ von PR-Argenturen zugeliefert.

  • Die Ansätze des Artikels sind (fachlich gesehen) ja eher konservativer Natur, aber nicht unbedingt falsch.

    Ich sehe aber einen gewaltigen Denkfehler des Autors, der das Problem der Branche ganz allgemein charakterisiert: „Es herrscht ein anmaßendes Anspruchsdenken“.

    Nun mal abgesehen davon, dass es einfach unklug ist, einem Kunden oder Konsumenten eines Produkts so etwas vorzuwerfen. Es ist ganz einfach nicht hilfreich.

    Wenn ich etwas verkaufen will (an Leser, nicht an Werber), muss ich dem Kunden das Maximum an Qualität und Komfort bieten. Und zwar so, dass der Kunde mein Produkt will und kein anderes. Auf Deutsch: Die online Angebote schaffen das zur Zeit, Print nicht. Wie sich das im Detail ändern soll (oder muss?), keine Ahnung. Bzgl der Qualität unserer aktuellen Medienlandschaft allgemein brauchen wir an dieser Stelle ja kaum zu diskutieren. Außer vielleicht, dass Netzangebote wenigstens nichts kosten…

    Jedenfalls Verachtung für den Kunden entwickeln und ihn mit einer Art Zugangsgebühr regelrecht bestrafen zu wollen, ist garantiert kontraproduktiv. 😉

  • Ich würde für Qualitätsjournalismus zahlen. Aber nicht für die Art von Journalismus, die es heute gibt. Simples Wiedergeben von Agenturmeldungen ist meiner Meinung nach schon genügend durch die GEZ-Gebühren gedeckt, dann hör ich halt Radio oder guck mir die Nachrichten an.
    Hintergrundartikel im Stile von ZEIT-Artikeln wären mir knappe 100€ im Jahr schon wert.

  • Nun ja, es sind ja nicht die Besten, die verschwinden werden, wenn ich an diese beiden Springer-Gazetten aus Berlin und Hamburg denke, oder an Murdochs Blätter.
    Recht geschieht ihnen.
    Wenn ich daran denke, wie die gesamte deutsche Journaille ahnungslos gefeixt hat, als „das Internet“ der pösen pösen Musikindustrie recht schlimme Schwierigkeiten einbrockte, empfinde ich nun eine gar nicht mal so klammheimliche Freude darüber, dass es denen jetzt ebenfalls an den Kragen geht. Viele viele Lügen, Ahnungslosigkeit, schlechtes Deutsch, Kampagnenjournalismus (a la Springer) & doofe Reklame werden verschwinden; na und?
    Mich freut’s. Und Lichtenberg, Gustav Freytag oder Karl Kraus würden sich ebenfalls freuen, dass dieser elende Sumpf endlich trocken ist.
    Neuigkeiten (auch das nicht-so-Neue), Nachrichten, Wichtiges und Unwichtiges, all das such und find‘ ich seit Jahren nicht mehr in „meiner Zeitung“ (geschweige denn in sowas wie Focus oder Das Grüne Blatt) sondern schnell auf privaten und anderen Seiten im Internet. Und im Radio. Ja, es gibt noch zwei, drei Sender, die „gut“ sind.
    Und wenn ich wissen will, wie das Wetter ist, schau ich aus dem Fenster.

  • Leider finde ich auch die Qualität der Angebote zu mies um dafür freiwillig Geld zu bezahlen. Kritische Berichte, Dinge hinterfragend aber dennoch objektiv bleibend gibts heute nur noch sehr selten. Für nen fast 1:1 übernommenen Artikel der PR Abteilung XY oder aber der Presseargenturen sehe ich es nicht ein zu honorieren.

    Bei mir gehört mittlerweile zum Medienkonsum dazu das ich danach direkt auf Seiten wie bildblog und Co. surfe um meine eben erhaltenen Informationen zu verifizieren. Viel zu oft wird die Recherche vernachlässigt und das muss ich dann als „Kunde“ nachholen auf anderen Seiten.

    Der erste Schritt muss von den Verlagen/Magazinen/Zeitungen kommen, ich sehe es jedenfalls nicht ein Paid Content zu unterstützen ohne Aussicht auf Besserung.

  • „Wenn ich heute ins Kino gehe, bezahle ich neun Euro, um mir 45 Minuten vor Filmbeginn alkoholische Produkte, Zigaretten und Rundfunkgebühren in fetzigen Webeclips schmackhaft machen zu lassen. Ich habe noch niemanden gesehen, der protestierend den Saal verlassen hätte.“

    Ich bin schon mehrfach um besagte Dreiviertelstunde später in den Saal gegangen, und hab das auch oft genug bei anderen beobachtet. Das fehlte noch, dass wir im Kinosaal nach Vogonenart auf Rezipientensesseln festgeschnallt werden, mit Augenlidspreizern wie in Clockwork Orange.

  • Erst einmal allgemein: Gescheite Micropayment-Lösungen sehe ich ebenfalls als kritischen Faktor in dieser Diskussion. Besser wäre es natürlich auch, wenn sich Allianzen unten der Verlagen bilden, damit nicht jeder in Abrechnungsfragen sein eigenes Süppchen kocht und Leser mit einem Konto verschiedene Angebote nutzen können.

    @16: „Habt ihr überhaupt was davon, wenn man euch nur über den werbefreien RSS-Feed verfolgt?“

    Derzeit wird BT wie angekündigt vermarktet, d.h. per Affiliate: https://www.basicthinking.de/blog/2009/10/07/in-eigener-sache-ohne-moos-nix-los/
    Da der RSS-Feed werbefrei ist, haben wir derzeit davon aus finanzieller Sicht nichts – das stimmt! 😀

  • Vielen Dank für den sehr gut geschriebenen Artikel. Entgegen einigen Kommentaren bleibe ich weiterhin der Meinung, dass die meisten Menschen doch nur deshalb nicht zahlen wollen, weil sie die Informationen woanders kostenlos bekommen.

  • Hab immer mehr den Eindruck, dass die Menschen in immer mehr Bereichen mit Informationen geradezu erschlagen werden und dass deshalb eine gewisse Müdigkeit einsetzt, wenn es an das Lesen und Bezahlen von anderen Inhalten geht. Dann lieber ein vernünftiges Buch zur Entspannung.

  • Nur so am Rande: Im Kino kann man auch ne halbe Stunde später kommen und so nen großen Teil der Werbung einfach überspringen. Der Vergleich hinkt also etwas.

  • Soso, im Kino steht also niemand auf, wenn 45 Minuten Werbung laufen…

    Ich war dieses Jahr ein einziges Mal im Kino. Natürlich stehe ich nicht auf, wenn Werbung läuft. Ich reserviere im Internet, bezahle dafür gerne den Aufpreis, drucke mir die Karten aus, komme 3 Minuten vor Filmbeginn, und ansonsten bleibe ich zu Hause.

    Was für eine verquere Logik. Als würd die Werbung im Kino dafür sorgen, dass Kino billiger ist. Cinemaxx, Cinestar etc. pp. Alles Aktiengesellschaften. Die Werbung im Kino sorgt für die Renditegarantie der Aktieninhaber. Für sonst gar nix.

    Schauen Sie sich mal an, was direkt über Ihrer Verlinkung auf bildblog.de für ein Text zum Thema SEO steht. Der Kunde der Zeitungen sind nicht die Leser, sondern die Werbetreibenden, so sieht’s doch aus. Wenn ich für ein Abo im Netz bezahle, dann will ich damit die Werbung los sein, damit ich in Zukunft über die Qualität des INHALTES überzeugt werde, das Abo zu behalten, und IVW und Clickthrough-rates einen Scheiß interessieren.

    Aber ist ja auch kein Wunder. Andere Produkte des Inhabers von Basicthinking sind z.B. Onlinekosten.de, die zugebrettert sind mit Werbung, strotzen von nicht vorhandener Recherche und 08/15 Journalismus. Kein Wunder, dass da Werbung als notwendiges Übel dargestellt wird.

    In einer Zeitung vielleicht, im „Free TV“ sicherlich auch. Im Web ganz sicher nicht. Wenn Sie direkt davor XING nennen, müssen Sie sich diesen Vergleich gefallen lassen.

  • Tja, das Bezahlen im Netz ist wohl nicht ohne weiteres umsetzbar. Ich würde durchaus bspw. für interessante Angebote wie z. B. Telepolis zahlen – natürlich nicht zu viel (weil ja mehrere Angebote konsumiert werden) – unte der Voraussetzung, dass ich bspw. einen RSS-Feed bekomme, mit allen Inhalten. Und dass ich den Text auch weiterverarbeiten kann, bspw. in meiner lokalen Datenbank. Und dann möchte ich bspw. auch auf meinem eigenen Blog auf den Inhalt verlinken können – auch ohne, dass die Leser gleich dort auch zwangsangemeldet sein müssen oder Geld zahlen sollen. Verlinkung muss möglich sein. Und da wird es schwierig – da muss man noch überlegen.

    Einfach nur den RSS-Feed kostenpflichtig zu machen, wird übrigens nicht helfen: im Moment bleiben einfach sämtliche Blogs außen vor, die es nicht schaffen, da was nutzbares anzubieten. Einen teuren RSS-Feed würde ich nur in ziemlich wenigen Fällen akzeptieren – wenn der Content gut ist. Für mehr als rund fünf Feeds gäbe es da auch keinen Markt bei mir.

    Und natürlich müsste man vorher sehen, was es so gibt (also Probeabo quasi), um sich für einen Feed entscheiden zu können. Aber dazu müsste man ja mal anfangen, guten Content zu liefern…

  • Tja, das kommt davon, wenn man zu lange am Text schreibt. Kommentar zu:

    > Entgegen einigen Kommentaren bleibe ich weiterhin der Meinung, dass die meisten Menschen doch nur deshalb nicht zahlen wollen, weil sie die Informationen woanders kostenlos bekommen.

    So ist das Leben. Wenn es irgendwo Freibier gibt, geh ich nicht in die Kneipe nebenan 🙂 Und teilweise ist das sogar besser…

    Im praktischen Leben sieht man das häufig: Warum sollte ich Verkaufsanzeigen in Regionalzeitung für teures Geld schalten, wenns die kostenlosen Blätter oder die Anzeigenwand im Laden auch tun? Warum sollte ich Microsoft Geld in den Rachen schieben und die damit ihre proprietären, patentbehafteten „Standards“ mit Bestechung und allem drum und dran durchdrücken lassen, wenn mit Linux und OpenOffice vollwertige, größtenteils bessere und stabilere und vor allem freie Alternativen existieren? Warum sollte ich Taxi fahren, wenn der ÖPNV (wenn er denn fährt) mich zum Bruchteil des Preises mitnimmt? Warum sollte ich dieses teure Bio-Zeugs kaufen, wenn im Garten das Zeugs billiger wächst? Warum soll ich GEZ zahlen, wenn deren Hauptprogramm sich nicht vom Politikergeschwätz unterscheidet?

  • Früher hatte ich auch ein Abo einer Tageszeitung aber im Berufsleben fehlt mir einfach die Zeit für die tägliche Zeitungslektüre. Inzwischen habe ich nur noch die FAS im Abo. Tageszeitungen kaufe ich nur wenn ich z.B. mit der Bahn unterwegs bin.

    Was Paid Content betrifft, so bin ich dieser Geschäftsidee nicht einmal abgeneigt, wenn es denn finanziell interessant wäre (das z.B, das E-Papier Abo teurer ist als das traditionelle Abo ist ein schlechter Witz bzw Wucher in meinen Augen). Selbst einzelne Artikel zu kaufen wäre eine interessante Option, aber auch hier muss das Verhältnis zwischen Preis und Leistung stimmen. Aber genau dies ist bei den aktuellen Angeboten meiner Meinung nach nicht der Fall, so dass es mich nicht wundert das wenige Menschen diese Angebote auch nutzen.

    Ich sehe es übrigens nicht so wie Karl denn gerade im Alltag sind wir bereit für alles mögliche zu zahlen, egal ob Taxi, ÖPNV, Pay-TV, Bio-Lebensmittel oder Klingeltöne. In unserer Gesellschaft ist für alles Geld vorhanden und trotzdem herrscht eine Geiz-ist-Geil und alles-muss-gratis-sein Mentalität. Früher oder später werden wir die Quittung für diese Einstellung haben.

  • Ich werde niemals für ein Springerprodukt Geld bezahlen. Nie. Ich könnte nicht mit dem schlechten Gewissen leben, dass mein Geld dazu verwendet wird Menschen so zu behandeln.

    Für andere Onlineprodukte bin ich aber sehr wohl bereit Geld auszugeben. Ich werde wohl ein Taz Abo abschließen.

  • „Es herrscht mehr, als eine reine Gratismentalität im Netz. Es herrscht ein anmaßendes Anspruchsdenken.“

    Aha. Soso. Wer also nicht bereit ist, ein Angebot zu den gegebenen Konditionen anzunehmen macht sich eines „anmaßendes Anspruchsdenkens“ schuldig, und wer einen Dienst lieber nicht benutzen will wenn er was kostet, der hat also eine Gratismentalität.

    Anders herum ausgedrückt, der Kunde soll gefälligst nehmen was ihm geboten wird. Und wer einmal etwas umsonst angenommen hat der soll es gefälligst auch weiter kaufen wenn es dann etwas kostet.

    Und wer nicht für schlechte Zeitungen zahlen will, der ist schuld wenn das die Zeitungen nicht besser werden.

    Doch der Hase läuft nicht mit dem Arsch nach vorn. Wenn keiner für ein Angebot zu zahlen bereit ist, dann ist das nicht die Gratismentalität der Nutzer, sondern der fehlende Markt für das Angebot. Wenn ein Angebot vom Kunden nicht angenommen wird, dann gilt es nicht den Kunden zu beschimpfen sondern das Angebot zu ändern damit der Kunde es annimmt.

    Nicht die Kunden haben eine Mentalität die es zu diffamieren geht, sondern die Anbieter, die erwarten das, was immer sie auch anbieten, so auch angenommen wird. Aber es gibt kein Recht auf Gewinn.

  • Ich gehöre zur Gratismentalitäts Fraktion!

    Erstmal ich lese durchaus mal ne Zeitung – habe eine Tageszeitung im Abo und wenn ich ab und an mit der Bahn fahre kaufe ich mir auch ne Zeitung.
    Meine Tageszeitung ist O.K. ich fühle mich Lokal informiert und was ich in der Bahn lese ist meistens Schund.
    Im Internet lese ich Nachrichten meist auf Arbeit in der Mittagspause da möchte ich einfach nur schnell schauen was in der Welt los ist!
    Weder möchte ich mich dort irgendwo einloggen müssen um was zu lesen noch möchte ich da jeden einzelnen Artikel bezahlen müssen um! Mal ehrlich so lange es einer Kostenlos anbietet wird es wenige geben die bei einem anderen Geld dafür bezahlen selbst wenn das wofür Sie bezahlen höherwertig ist.
    Das ist nicht nur auf die Zeitungsbranche bezogen das ist überall so.
    Ein Beispiel dafür ist auch Premiere (Sky) die haben sicher das Aktuellste Programm. Man kann täglich TV Premieren genießen, Serien die noch nicht oder nie im Free Tv laufen außerdem tolle Live Sportereignisse und alles Werbefrei. Warum nutzen das trotzdem zu wenige um dem Sender aus den roten Zahlen zu holen? Klar weil ich auf anderen Sendern kostenlos Tv gucken kann.

  • Ich glaube in der Tat, dass die Zukunft weniger in Online-Abos liegt, die mich zu einem „Komplett-Kauf“ verdonnern (eigentlich will ich nur die Wirtschaftsnachrichten, muss die Kultur aber gleich mit einkaufen), sondern viel mehr in Micropayment-Strategien als langfristiges Ziel (also liefe z.B. Paypal dauerhaft im Hintergrund und würde die gelesenen Artikel mit je wenigen Cent vergelten). Mittel- und kurzfristig ist der erste Schritt zu eben diesem Micropayment, Premium-Angebote zu etablieren.
    So hat etwa das Handelsblatt angefangen – die Standard-Artikel sind kostenlos, weitere Informationen kosten. Hat man allerdings den Premium-Zugang, erhält man auch Zugang zum Online-Archiv und zu einer umfassenden Grafik-Datenbank (sehr nützlich!). Ich persönliche nutze dieses Angebot, denn hier ist m.E. wirklich Qualität geboten und – ebenfalls ein Zukunftsinikator und Wegweiser Richtung Micropayment – der Preis ist recht gering (und damit auch die Hemmschwelle). Der Holtzbrink-Verlag fährt damit wohl als einziger großer deutscher VErlag eine wenigstens teilweise durchdachte Strategie.

  • Ich wäre auch bereit für gute Informationen im Internet Geld zu zahlen. Aber wie schon erwähnt wär eine Art „Abo“ auf Blogs etc. zu teuer, da ich allein regelmäßig auf über 100 dieser Art surfe.

    Ich würde eine Art freiwillige „GEZ“ und Quotenregelung einführen.
    Man bezahlt an einen Verein und dieser vergütet dann die jeweiligen Portale nach Zugriffe.

    gruß

  • es ist vielleicht zu früh um den erfolg von payed content zu bewerten. in 3 jahren wird sichg zeigen, ob ein bezahl modell im internet wettbwerbsfähig ist

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