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AOL wird hyperlocal: Hunderte Blogs sollen die Käseblätter der Vorstädter ersetzen

Nach seinem kleinen Abstecher mit dem AIM ins Social Network-Terrain konzentriert sich AOL nun offenbar wieder auf handfestere Projekte. Internen Informationen zufolge, die dem Silicon Alley Insider über AOL zugeschanzt wurden, plant der Internet-Konzern Weltbewegendes: Er will zum „globalen und lokalen Leader im […] Produzieren und Ausliefern von qualitativ hochwertigem Content“ werden, so die anonymen Quellen. Und wie soll dieses bescheidene Kunststück erreicht werden? AOL-CEO Tim Armstrong will hierfür den Mitte des vergangenen Jahres erworbenen Dienst „Patch“ kräftig aufbohren.

Für jene, die Patch nicht kennen: Es handelt sich um eine „Community-spezifische News- und Informations-Plattform“, die von „professionellen Redakteuren, Autoren, Fotografen und Videografen“ betrieben wird. Zu Deutsch: Lokalnachrichten deluxe. Der Plan sieht nun vor, das aus derzeit 30 News-Blogs bestehende Netzwerk bis zum Ende dieses Jahres auf „Hunderte“ aufzustocken. Ein sicherlich zu großer, deswegen aber nicht unbedingt falscher Schritt in die richtige Richtung. Oder doch?  

Es dürfte sich nicht erst seit Roberts Buzzriders und Twitters „Local Trends„-Liste herumgesprochen haben, dass Lokales das nächste „Big Thing“ im Netz sein könnten. Auch AOL spricht von den „verheißungsvollsten ‚white spaces‚ im Internet“. Insofern ist es nur konsequent, in diese Lücke mit aller Macht hineinzustoßen und sich so breit wie möglich aufzustellen, bevor die Konkurrenz auch auf den Trichter kommt. Ganz ohne Mitbewerber ist man aber freilich nicht mehr.

So verfolgt etwa der Examiner schon seit einiger Zeit das gleiche Konzept. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Während es sich bei den Patch-Mitarbeitern um ausgebildete Profis handelt, die in den Communitys leben, aus denen sie berichten, arbeiten beim Examiner – ähnlich wie hierzulande die X-Scouts beim Express  – Laien als Berichterstatter. Gut vorstellbar, dass Patch hierdurch einen Qualitätsvorsprung erzielt, der vom Leser bevorzugt wird.

Gleichzeitig erwachsen AOL aber durch dieses professionelle Team horrende Kosten – vor allem bei solch einer Expansion, wie sie angedacht ist. AOL wird versuchen, dies über Werbung zu refinanzieren. Möglicherweise wird kleinen Betrieben aus der jeweiligen Gegend sogar ein Discount-Preis geboten, damit sie auf der Patch-Seite ihres Ortes werben. Damit steht und fällt das Konzept in meinen Augen aber. Sollten nämlich auf diesem Wege nicht ausreichend Einnahmen generiert werden, könnte sich das Projekt schnell zu einer Geldvernichtungsmaschine entwicklen. Vom User geliebt, vom Geldbeutel gehasst – ein Problem, das von Social Networks schon bestens bekannt ist.

(Marek Hoffmann)

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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

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