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Videoanbieter Brightcove treibt HTML5 im Netz voran, lässt das iPad attraktiver werden

Wie nicht anders zu erwarten war, beziehen kurz vor der Markteinführung des iPad jene Unternehmen nun offiziell Position, die in der einen oder anderen Form mit dem Gerät verbandelt sind oder sein möchten. So auch eine der führenden Onlinevideo-Plattformen, Brightcove. Wie das US-amerikanische Unternehmen auf seinem Blog mitteilt, werde man nun offiziell den neuen Standard HTML5 unterstützen. Nur kurz zur Erinnerung: Das Gadget aus Cupertino unterstützt kein Flash. Jedes Unternehmen, das seinen Kunden die eigenen Videos daher auch auf dem iPad zugänglich machen möchte, ist folglich quasi dazu gezwungen, sich Apples Diktum zu unterwerfen. Und je mehr dies sind, desto größer die Freude bei Steve Jobs. Nicht nur, weil der Mann aus seiner Abneigung gegen Flash kein allzugroßes Geheimnis macht („Wir verschwenden keine Kraft auf alte Technologien.“). Sondern auch, weil sein Unternehmen zu den federführenden Mitgliedern der WHATWG-Gruppe gehört, deren Aufgabe es ist, den Web-Standard stetig weiterzuentwickeln.   

Zurück zu Brightcove und seiner Ankündigung: Diese wäre vielleicht nicht so bedeutend, wenn es sich bei der Plattform um irgendeinen x-beliebigen Video-Anbieter mit kleinem Kundenkreis handeln würde. Fakt ist aber, dass ich an keinen einzigen Hochkaräter denken kann, den Brightcove nicht in seinem umfangreichen Portfolio vorweisen könnte. Einige Beispiele gefällig? Here we go: Fox International, AOL, New York Times (die auch an dem Unternehmen beteiligt ist) oder Warner Music Group. Zu den deutschen Kunden zählen unter anderem Gruner + Jahr, Sky Deutschland, Sony Music Germany oder Zeit Online. Die Tragweite der Entscheidung pro HTML5 ist also keine geringe, könnte anderen Anbietern als Signal dienen und daher durchaus richtungsweisend sein.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass sich die Verantwortlichen der Onlinevideo-Plattformen nun völlig von Adobes Flash abwenden. „HTML5 wird sich behaupten, aber der Standard befindet sich noch in seinen Kinderschuhen. Und die Flash-Plattform wird in absehbare Zeit nicht verschwinden, daher ist es für Website-Besitzer wichtig eine Strategie zu entwickeln, die sich beide Ansätze zunutze macht“, schreibt Jeff Whatcott auf dem Unternehmensblog. 

Sein Chef, Jeremy Allaire, stellt aber zugleich klar: „Unsere Kunden wollen imstande sein, ihren Video-Content auf jedem Screen anzubieten zu können – und zwar ohne Einbuße in Qualität, Interaktivität oder Verdienstmöglichkeiten, die sie von der Brightcove-Plattform kennen.“ Und um dies auch auf dem iPad zu gewährleisten, wird derzeitig das sogenannte Angebot „The Brightcove Experience for HTML5“ entwickelt (siehe Screenshot). Es „füllt die Lücke zwischen den derzeitigen Abspielmöglichkeiten des neuen Standards und dem, was unsere Kunden brauchen, um erfolgreich Onlinevideo-Business betreiben zu können.“

Im Klartext handelt es sich bei The Brightcove Experience for HTML5 um ein kostenloses Angebot, das auf dem Codec Theora (zuletzt habe ich darüber im Zusammenhang mit der Wikipedia geschrieben, die auch auf HTML5-Videos setzt) basiert und den Standard H.264 unterstützt. Ein Tool zur Geräteerkennung würde auf dem iPad automatisch einen HTML5-Player ausliefern, der die gespeicherten Videos erkennen und deren Datenrate mittels des Standards selbstständig reduzieren. Die New York Times soll das Angebot offenbar schon bald als erster Kunde nutzen können, bis dahin will Brightcove aber noch kräftig daran arbeiten und um wichtige Features erweitern. Allen voran um die Möglichkeit, Werbung in die Videos zu integrieren. 

Wie gesagt: Brightcoves Entscheidung bedeutet nicht, dass Flash nun komplett abgeschrieben ist. Aber es handelt sich sicherlich um einen Etappensieg für Jobs und sein iPad. Einen Sieg, der in Anbetracht der bevorstehenden Markteinführung des Gadgets und der immernoch unklaren Partnerschaften (vor allem mit den Zeitungsverlegern) wichtig ist, will man das iPad tatsächlich als E-Reader auf dem Markt etablieren. Anbei noch eine kurze Vorschau darauf, wie der dazugehörige App Store für das XXL-iPhone wohl aussehen wird:     

(Marek Hoffmann) 


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Über den Autor

Marek Hoffmann

Marek Hoffmann hat von 2009 bis 2010 über 750 Artikel für BASIC thinking geschrieben und veröffentlicht.

7 Kommentare

  • Sehr schöne Zusammenfassung der Geschehnisse um HTML5. Die meisten Kunden, mit denen wir sprechen, wünschen sich ebenfalls ein Flash-freies Video Web. Am liebsten noch mit Ogg statt h.264 aber das bleibt wohl Wunschdenken. Jedenfalls hat es uns animiert, ebenfalls eine HTML5 Videolösung für iPad zu launchen. Dennoch bleibt für Videoplattformen auf absehbare Zeit nur eine mehrgleisige Produktstrategie. Manch einer wird womöglich vorerst bei Flash bleiben oder bleiben müssen.

  • Ich glaube, dass geht ganz in Richtung Spaltung des Internets. Alles, was bisher über Werbung (meist Flash) zu sehen war, wird einen Flash-freien Klon bekommen. Einige US-Betreiber bauen ihre Websites ja schon für’s Ipad um. Und Videos spielen da nur eine kleine Rolle. Was bringt mir denn ein Flash-Werbung, wenn sie auf dem iPad nicht läuft?
    Am Ende des Tages wird es so aussehen: die billig und kostenlose Variante mit bunter Werbung wie im Ramschladen und auf der anderen Seite die kostenpflichtigen Apps, die sauber die Inhalte präsentieren.
    So können wenigstens auch andere im Internet verdienen und nicht nur Google.

  • Mich stört flash nicht. Mein Browser zeigts mir problemlos an. Und Werbung wirds auch weiterhin mit html5 geben. Wieso also dieser heck-meck. Nur weil jobs und adobe sich nicht leiden können?

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