Sonstiges

Qriocity Music Unlimited im Test: Sony macht den Napster

Hier ist es wieder zu lesen: Der Bundesverband der Musikindustrie, IFPI, verkündete vergangene Woche Wachstumszahlen. Der Markt für Musikdownloads in Deutschland soll in diesem Jahr um 33 Prozent wachsen. Laut Media Control erwirtschaften Online-Verkäufe dann insgesamt 11 Prozent am Gesamtumsatz der Musikindustrie. Bitte, wieviel? Nach weiteren Zahlen von MediaControl nutzt nicht einmal jeder Zweite in Deutschland einen MP3-Player. 14,3 Prozent nutzen zum Musikhören einen iPod, 3,8 Prozent ein iPhone, 4,8 Prozent einen Player von Samsung und 7,8 Prozent einen Player von Sony. Fokussiert man Sony hierbei, hört immerhin jeder Dreizehnte Deutsche Musik über einen mobilen Player von Sony. Hinzu kommen noch tragbare CD-Player und Heim-Audioanlagen von Sony. Kurz: Ein gar nicht so kleiner Markt.

Das dürfte mit dazu beigetragen haben, dass Sony am vergangenen Wochenende einen eigenes Musikangebot für seine Digitalgeräte und PCs auch in Deutschland gestartet hat. UK und Irland dürfen bereits seit Oktober reinhören, in den USA startet „Qriocity Music Unlimited“ noch im ersten Quartal. Außer in Deutschland startete Sony das Angebot vergangenes Wochenende auch in Frankreich, Italien und Spanien. Bei unserem Test auf dem PC überzeugt Qriocity Music Unlimited durchaus. Sony hat hier nicht nur Musik aus dem eigenen Angebot mit an Bord, sondern auch solche anderer Labels, 6 Millionen Stücke insgesamt. Auch ausgefallenere Künstler wie „This Town Needs Guns“ oder Danko Jones sind dort gelistet.

Der Mensch bleibt Jäger und Sammler

Die Registrierung funktioniert nur mit einer Kreditkarte. Es gibt eine einfache und eine Premium-Mitgliedschaft, wobei nur letztere wirklich Music Unlimited bedeutet. Bei der einfachen Mitgliedschaft von derzeit 3,99 Euro (später 4,99 Euro) darf man für 30 Sekunden reinhören, bekommt aber zusätzlich immerhin vollen Zugang auf zahlreiche Musikkanäle. Wirklich interessant wird es mit der Premium-Mitgliedschaft für derzeit 9,99 Euro (später 12,99 Euro), mit der man wirklich unbegrenzt Musik hören kann. Neben der ordentlichen Musikauswahl überzeugt hier auch die Klangqualität. Der eingebaute Player spielt und skippt ohne Mucken, die Bedienung ist selbsterklärend, einzelne Stücke lassen sich mit zwei Klicks in die eigene Mediathek oder auf eine Wiedergabeliste hinzufügen. Nicht ganz klar ist mir, wozu man bei Stücken auf „Gefällt mir“ klicken kann, wenn man die später gemochten Stücke auf keiner Liste mehr wiederfindet, wie Last.fm das zum Beispiel löst. Dafür gibt es wenigstens einen „Gefällt mir nicht„-Button.

Die Nachteile liegen aber auch klar auf der Hand: Es ist zwar schön, dass ich Music Unlimited auf einem PC, einem Sony-Fernseher, einer Playstation 3, einem Sony Heimkinosystem oder einem Sony Blu-ray-Player hören kann. Aber für unterwegs gilt die Flatrate nicht. Logisch, denn Music Unlimited ist ein Cloud-Angebot, das die Musik streamt. Eine mobile Alternative ist ohne lokal speicherbare Songs bei den aktuellen mobilen Datentarifen nicht wirklich attraktiv und auch nicht wirklich sinnvoll. Und deswegen sieht Music Unlimited im Vergleich etwa zu Napster doch ein wenig alt aus. Bei Napster gibt es mit 10 Millionen Stücken für 9,99 Euro im Monat mehr zu einem niedrigeren Preis. Für fünf Euro Aufschlag kann man Songs auch auf ausgewählten MP3-Playern oder Handys mitnehmen. Da sind zwar praktisch keine aktuellen Smartphones dabei, aber interessanterweise einige Sony-Walkman-Handys.

Musik-Streaming-Angebote sind schön. Aber es ist ein seltsames Gefühl, immer nur Besucher zu sein und niemals Besitzer. Einkaufsbummel machen doch nur dann Spaß, wenn man nach stundenlangem Schaufenstergucken etwas mit nach Hause nimmt. Also will ich Musik kaufen und besitzen. Wem es anders geht und wer auf Musik für unterwegs verzichten mag, der findet bei Sonys Qriocity Music Unlimited ein gutes Angebot zu einem fairen Preis.

(Jürgen Vielmeier)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

12 Kommentare

  • Interessante Vermarktung, finde ich.
    Allerdings würde mich genau das selbe stören wie Dich. Man ist nur Besucher und nicht Besitzer. Aber ich denke, dass sich das Angebot trotzdem für viele lohnt!

  • Bin diesbezüglich auch etwas skeptisch. Heutzutage sollte wirklich keiner mehr ein Problem damit haben, für Musik zu bezahlen! Allerdings sollte man dafür auch mehr erwarten können als bloß zu Hause streamen zu können. Eine optimale Anbindungs ans Smartphone ist da ein Muss!

  • Qriocity ist sowas von überladen mit graphischem Schnickschnack, da fängt mein Notebook aber ganz schnell an zu pusten. Nee nee, da lobe ich mir meinen kleinen schnuckeligen ressourcenschonenden Spotify Player. 😉

    Bei Spotify ist man übrigens auch nur Besucher, nicht Besitzer (mal abgesehen vom temporären Besitz der Offline-Tracks).

    Aber ich denke, das ist sowieso der Trend: weg von Downloads, hin zu Streamings in der Cloud…

  • Der Vergleich mit Grooveshark hinkt ein wenig, denn Qriocity’s Mehrwert liegt unter anderem in der Kompatibiltät zu „zahlreichen Sony-Geräten“. Und wenn es um eine vollständige Sicht auf komplette Alben geht, kann man Grooveshark total vergessen. Würde ich z.B. nie gegen mein kostenpflichtiges Spotify Premium eintauschen, never…

  • Abgesehen davon ist Grooveshark schlicht illegal, da Rechteinhaber, Künstler etc. überhaupt nicht bezahlt werden. Offenbar sind gerade die BT-Nutzer bereit Geld für Musik zu bezahlen.

    Eine prima (legale) Alternative zu Grooveshark und Qriocity mit guten Apps für Android und iOS ist simfy – der Dienst lässt sich im Browser übrigens auch ganz kostenlos nutzen.

  • Das stimmt aber auch nicht. Grooveshark arbeitet mit einigen Labels zusammen, machen ja auch auf ihrer Homepage Werbung für Künstler.

  • Grooveshark ist und bleibt eine ID3-Tag-Hölle. Das ist für mich komplett nutzlos. Noch dazu illegal.
    Bei Qriocity soll mobiler Support kommen, zumindest für PSP. Vielleicht wird es aber auch auf SonyEricsson-Telefone ausgedehnt. Omnifone, der Dienst der die Lizenzrechte für Qriocity hat, schrieb sowas in ihrer Pressemeldung.
    Und was Besucher vs. Besitzer angeht: ich höre seit ich Spotify Premium nutze mehr Musik denn je. Kann für 10 Euro nicht meckern. Musik die mir dann immer noch gefällt kaufe ich dann bei einer Saturn 5 Euro MP3-Aktion 😉

  • Eine Möglichkeit für Sony wäre, das Musikangebot in Zukunft zusammen mit seiner Hardware unter die Leute zu bringen. Auch wenn Nokia mit seiner Musik-Flatrate anscheinend kein großer Erfolg beschieden war, halte ich das für attraktiv.

    Es kommt darauf an, ein spannendes Angebotspaket zu schnüren.

    Im Vergleich kann Napster allerdings ganz klar mit der Offline-Nutzung punkten.

Kommentieren