Sonstiges

Was passiert, wenn LinkedIn Mails an euer ganzes Adressbuch schickt

Social Networks machen sorglos. Ich hatte noch die Möglichkeit, es zu verhindern, aber ich dachte mir: Was ist schon dabei. Ein großer Fehler, aber einer, von dem die Unternehmen wollen, dass man ihn begeht. Vor ein paar Jahren schickte mir ein Dienst namens LinkedIn plötzlich eine Mail. Ob ich jenen Bekannten nicht kennen würde und zu meinem persönlichen Netzwerk hinzufügen wollte. Meinem persönlichen Netzwerk? Ich hatte mich nie dort angemeldet. Irgendwann trat ich LinkedIn dann aber doch bei, um für Recherchen über das Thema auf dem Laufenden zu bleiben. Davor und danach bekam ich immer wieder Mails von LinkedIn von möglichen Kontakten, die ich in mein Netzwerk übernehmen sollte. Mails, denen man keine Beachtung mehr schenkt, wenn man täglich etliche von diversen Netzwerken erhält.

Heute Vormittag war es wieder einmal so weit. Ich wollte über die Funktion „LinkedIn Today“ berichten, einen personalisierten Newsaggregator. Stutzig hätte ich schon werden sollen, als LinkedIn mich zwar namentlich begrüßte, mich aber trotzdem prominent bat, mich noch einmal mit meiner E-Mail-Adresse und meinem Passwort anzumelden. Nachdem ich das pflichtschuldig getan hatte, dauerte es verdächtig lange, bis die Anmeldung gelang. Am Ende fragte mich LinkedIn, ob ich knapp 500 neue Kontakte einladen wollte. Mir war es Wurst. Ich benutze LinkedIn so gut wie nie. Mir schlicht egal, was dort passiert, und Kontakte kann man nie genug haben. Also dachte ich mir: Mach du mal.

Wütende Mails, neue Kontaktanfragen

Aus meiner Lethargie wurde ich erst aufgeschreckt, als meine beste Freundin sich wenige Minuten darauf auf meinem Handy meldete, was die ganzen Spam-Nachrichten in all ihren E-Mail-Postfächern sollen und warum ich so kryptische Nachrichten twittern würde. Oha. LinkedIn hatte mir nicht passende neue Kontakte aus seinem Netzwerk angeboten, sondern mein E-Mail-Postfach nach Adressen durchsucht. Das gleiche, was dem Freund von mir vor ein paar Jahren offenbar auch passiert war. Das Desaster startete ich mit der Funktion, die ich für das Einloggen hielt. Binnen weniger Minuten bekam ich einen Haufen interessanter Antworten:

  • 5 wütende Mails mit der erbosten Frage, was der Schwachfug denn wohl solle, ihnen so einen Mist zu schicken. Ähm, sorry!
  • 4 Außer-Haus-Mails, darunter von einem Ex-Vorgesetzten. Die einzige Mail, den ich je an ihn geschrieben habe, war vor gut zwei Jahren meine Kündigung. Wie er wohl auf die LinkedIn-Anfrage reagieren wird…
  • 3 Antworten von Bekannten, die mir sagten, sie seien schon auf Xing und Facebook und hätten keine Lust auf noch ein Netzwerk, noch dazu so ein zwielichtiges
  • 4 Antworten von Bekannten, die mir mitteilten, sie hätten sich bei LinkedIn abgemeldet. Ob ich mich nicht lieber auf Xing mit ihnen vernetzen wolle.
  • 5 neue Kontakt-Anfragen auf Xing
  • 11 neue Kontaktbestätigungen auf LinkedIn
  • Jeweils 1 kryptischen Cross-Post auf Twitter und Facebook von meinem Posterous-Account, mit dem ich LinkedIn offenbar verbunden hatte. Dort frage ich mich selbst, ob ich nicht mit mir verbunden sein möchte.

Wir alle sind zuweilen DAUs

Nehmt das als abschreckendes Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Natürlich war das meine eigene Schusseligkeit und Sorglosigkeit. Aber ich kenne euch und weiß, dass ihr auch nichts besser seid. Jeder, so intelligent er auch sein mag, kann in einem schwachen Moment etwas unglaublich Dummes machen. Sprich: Ein jeder ist ein DAU (dümmster anzunehmender User), mehr oder weniger häufig. Viel interessanter finde ich die Tatsache, dass LinkedIn sich diese menschliche Schwäche für seine aggressive Expansionspolitik zu Nutze macht. Dass das Durchsuchen des Adressbuches der Abfrage nach dem Passwort ähnelt, ist ja kein Zufall. Man rechnet ganz offensichtlich damit, dass es Leute geben wird, die a) darauf hereinfallen und b) sich nichts dabei denken. So bekommt man Zugang zu den Adressbüchern und kann seine Nutzerzahlen enorm in die Höhe treiben. Deswegen bietet man diese Funktion überhaupt an.

LinkedIn hat inzwischen über 90 Millionen Mitglieder. Viele dürften auf oben genannte Weise zum Netzwerk dazu gestoßen sein. Genau das macht diese hohe Nutzerzahl in meinen Augen so wenig wertvoll. Eine Nachricht habe ich aber auch an LinkedIn: Der Dienst LinkedIn Today, von den dieser Beitrag eigentlich handeln sollte, ist mir jetzt herzlich egal. Das war es dann mit LinkedIn und mir. Und statt LinkedIn Today empfehle ich euch Flipboard, wenn ihr ein iPad habt, und Paper.li, wenn nicht. Beide gefallen mir im Übrigen auch besser. In Bezug auf Kontaktnetzwerke, kann ich nur wiederholen: Xing, bitte beschleunigt eure Auslandsexpansion!

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

29 Kommentare

  • Ist mir lustiger Weise gestern auch mit Stickybits so gegangen. Anstatt wie vermutet Kontaktanfragen an mein Netzwerk weiterzugeben, hat die App einfach öffentliche Tweets an die Kontakte gepostet.

  • Aus Versehen? Das bedeutet, dass du für deinen LinkedIn-Account dasselbe Passwort benutzt wie für deinen Emailaccount. Schäm dich!

  • @#2 – Ich nutze auch nicht für jeden meiner Accounts ein anderes Passwort. Nicht überall nur das gleiche, aber doch hier und da ein identisches. Das ist zugegeben etwas fahrlässig, aber ich habe keine Lust, mir 100 Passwörter zu merken 🙂

  • Vor allem wird einem diese Spam-Steilvorlage bei jedem login neu präsentiert. Absolut furchtbar. Die werden gegen Xing keine Chance haben in Deutschland…

  • ist mir vor zwei wochen genauso passiert! mit genau den gleichen effekten. was aber hinzukommt: tritt der eingeladene nicht bei, bekommt er automatisch weiterhin reminder in regelmäßigen abständen. imme rnoch verknüpft mit der ursprünglichen einladung. Bis heute hab ich es nicht geschafft dies zu verhindern oder zu stoppen. Der LinkedIn support läßt seit einer woche auf antwort warten.

  • Gut zu wissen, danke für den Post! Hab neulich auch so eine Mail bekommen, sie aber Gott sei Dank gleich gelöscht. Diesen Adressbuch-Import-Schrott kennt man ja von Facebook genauso.

    Jedenfalls hab ich mein LinkedIn-Konto grad geschlossen, da wird ja echt in jeder Ecke versucht, an meine Kontakte und Passwörter zu kommen. Furchtbar!

    Lang lebe Xing!

  • Was ich letztens noch ziemlich schlimm fand, war die Sache, dass Facebook Daten bei der Anmeldung Formulardaten aktiv speichert. Ich wollte mich anmelden, hab‘ das Formular ausgefüllt (OHNE einen weiteren Button zu drücken) kurz vor Schluss war’s mir dann wieder mal doch zu doof und ich hab‘ das Browserfenster zugemacht. Später kam eine Mail im Mafia-Stil: Sie haben Ihre Anmeldung noch nicht beendet, wenn Sie mit Freunden und Verwandten Kontakt halten wollen, müssen sie Ihre Facebook Anmeldung abschließen. WTF? Ist das legal?

  • Naja,
    Das macht Facebook auch in einer ähnlichen Art. 😛
    Was noch viel schlimmer ist, dass sobald man sich eine Fan-Page erstellt, automatisch ein neues persönliches Profil angelegt wird. (FanPage+PrivatesProfil)
    Mit den Namen denn man angegeben hat.

  • Aus meiner Sicht einfach nur Facebook Methoden kopiert, warum regt Ihr euch bei Linkedin darüber auf, aber bei Facebook nicht?

    Ich nutze XING sehr intensiv im deutschsprachigen Raum, da wird Linkedin keinen Fuss fassen können. International aber habe ich über Linkedin ganz hervorragende Kontakte!

  • @Jürgen – mit Verlaub, du nutzt das Netz ja wie meine Freundin – und das ist nicht unbedingt ein Kompliment 😉 Ich empfehle dir (und eigentlich jedem hier) 1Password. Stimmt, das kostet Geld, aber wer es einmal benutzt hat, fragt sich wie es vorher ohne ging. 1Password generiert sichere Passwörter direkt in das Anmeldeformular und du meldest dich anschließend stets mit einem Klick an. Selbstverständlich verschlüsselt, mit mehreren Accounts je Site, iPhone und Android App usw.

  • Das gleiche ist mir schonmal auf Facebook passiert.
    Echt miese, dass sie einen da so ins Messer laufen lassen. Ich hatte danach auch wütende mails in meinem Postfach. Vor allen DIngen hat facebook darauf wohl zyklisch noch weitere mails geschickt. Seitdem mache ich einen großen Bogen um Einladungen via Adressbuch.

  • Hat schon jemand rausgefunden wie man unterbindet das Leute die versehentlich angeschrieben wurden immer wieder Erinnerungen bekommen? Habe alles durchsucht, aber nichts gefunden. Bin für jeden Tip dankbar.

  • Ja, mit dem Datenschutz das ist eben so eine Sache. Ich glaube, die Nutzer sozialer Netze werden in Zukunft mehr Augenmerk auf diesen Aspekt legen, besonders hier in Deutschland.

  • haha, ein DAU, is das ein feststehender Begriff? 😀
    Von Linkedin Today habe ich bis jetzt noch nichts gehört, bin aber schonmal auf was ähnliches gestoßen – und das war dann wesentlich kostspieliger.
    Die Seite war über outlets. Ich dachte mir, ok, cool, ich krieg hier alle Outlet angebote und schau dann wohin ich fahren kann =)
    Hab mich eingeloggt, natürlich mit meiner echten Email und auch Kontaktdaten. Was passierte? Ich bekam prompt eine Rechnung über 96 Euro als Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft.
    Das ganze ging dann soweit, dass ich sogar Inkasso benachrichtigungen erhielt und der Betrag auf 200 Euros stieg.
    Ich habe nicht gezahlt, und da mein großer Bruder jura studiert ein paar fiese mails zurückgeschrieben. Habe inzwischen nichts mehr von denen gehört, aber ich denke genug leute fallen drauf rein und zahlen aus reiner angst die 96 EURO
    Also ja, ich bin definitiv ein DAU – aber inzwischen einer mit Erfahrung 😉

  • Vielen Dank für den Artikel!

    Absolut großartig geschrieben!

    War vor kurzem noch am Überlegen ob ich mich da anmelden soll, wg. internationalen Geschäftlichen Kontakten, aber das sind ja schon FB-Methoden…

    Also doch lieber abwarten bis es ohne nicht mehr geht.

    🙂

  • Ist mir auch passiert, als ich ganz neu auf LINKEDIN war. Ich dachte nicht, und begriff auch nicht, wie sie Zugriff auf meine Leute auf meinem e-mail-account kriegen konnten, wie das technisch möglich ist. Soll ich wirklich mein Passwort preisgegeben haben? Offenbar! Oder wie ist das sonst möglich. Auch dabei dann der riesige Peinlichkeitseffekt – dass eine höchst offizielle Person, mit der ich nur beruflich in Kontakt war, diese „Einladung“ natürlich ablehnte…LINKEDIN, sofern du Englisch sprichst, weil es ein primär englischsprachiges „Netzwerk“ ist, hat einen hohen Suchtfaktor, und in tausenden von Gruppen und „Diskussionsrunden“ kannst Du Dich auch fertigmachen lassen. Ich habe kürzlich die Domain „LINKEDOUT.de“ gekauft.. Aber sehe hier, wie bin ich eigentlich zu Euch gelangt..lol…dass es schon einen sehr informativen Anti-Blog zu LI und anderen „Social Media“ gibt. Nach einem Trip kürzlich in internetfreie Gefilde, es war eigentlich nur eine Woche, begriff ich, dass mein Ende der Aktivität in all diesen „Social Media“ erreicht ist. Ich bevorzuge das reale..Leben…Grüsse ..!

  • hallo an alle BETROFFENEN!

    Ich war auch so blöde und hab dem ganzen zugestimmt und habe auch auf Linkedin keine Option gefunden, das ganze wieder rückgängig zu machen.

    Jedoch habe ich jetzt in meinem GMAIL-ACCOUNT eine Option gefunden die um die ZUGRIFFSRECHTE anderer WEBSEITEN und APPS zu PRÜFEN und siehe da, da stand gleich zweimal LINKEDIN. Ich habe dort dann ganz leicht das ZUGRIFFSRECHT WIEDERRUFEN KÖNNEN.

    ich hoffe das wars dann jetzt auch und der Spuk hat endlich ein Ende.

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