3,3 Milliarden Dollar für Warner Music: Warum hat kein IT-Schwergewicht zugeschlagen?

Jürgen Vielmeier

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Ist gekauft: Der russisch-stämmige US-Amerikaner Len Blavatnik hat über seine Firma Access Group am Freitag das Musiklabel Warner Music Group (WMG) übernommen. Er gewann die Auktion, die mehrere Monate gedauert hatte, bei einem Angebot von 8,25 US-Dollar pro Aktie. Zusammen mit den Anteilen, die Blavatnik schon besaß, hat Warner damit jetzt einen Wert von 3,3 Milliarden US-Dollar.

So viel Geld muss man natürlich erst einmal im Portemonnaie haben. Aber setzen wir das einmal in Relation, erscheint das schon fast wieder wenig: Facebook soll für die Telefoncommunity Skype Ähnliches geboten haben: 3 bis 4 Milliarden Dollar. Kurznachrichtendienst Twitter wird auf 8 bis 10 Milliarden Dollar bewertet, Social-Game-Anbieter Zynga auf 7 bis 9 Milliarden, Facebook selbst irgendwo zwischen 60 und 100 Milliarden. Einmal angenommen, eine große IT-Company würde bei einem dieser benannten Dienste zuschlagen: Warum dann nicht lieber ein paar Milliarden in eine Plattenfirma investieren?

Weniger Ärger für Musikdienste

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Wäre das so abwegig? Inhalte sind ebenso wichtig wie die Technik dahinter. Apple, Google, Amazon und Microsoft sind mit Musikangeboten im Netz vertreten oder bauen diese für viel Geld auf. Wer ihnen dabei immer wieder das Leben schwer macht, sind die Plattenfirmen, allen voran die vier Großen Universal, EMI, Sony und eben Warner. Die IT-Riesen könnten zumindest einen Teil des Problems umgehen, wenn sie ein Plattenlabel kauften. Als Eigentümer eines Musikriesen könnten sie einfacher bessere Konditionen für eigene Musikangebote aushandeln und hätten schlagkräftigere Argumente gegenüber den anderen Labels. Ein IT-Riese im Hintergrund könnte eigene Angebote für Online-Musik vorantreiben.

Zu hypothetisch für euch? Mehr als ein Gedankenspiel sollte das auch nicht sein. Probleme wären damit keinesfalls aus der Welt geschafft. Es gäbe weiterhin zähe Verhandlungen mit anderen Plattenlabels, mit den Künstlern, mit kleineren Musikanbietern und der Konkurrenz, die sich dann mit Google oder anderen herumschlagen müssten, statt bislang mit den Warner-Chefs. Wären alle vier Major Labels im Besitz einer IT-Company, gäbe es erheblichen Konkurrenzkampf untereinander. Gäbe es weniger als vier Große, stiege die Marktmacht jedes einzelnen. Wäre der Markt zersplitteter, wären die Verhandlungen noch zäher. So gesehen ist die aktuelle Situation mit vier großen Playern zwar nicht optimal, aber es ginge noch deutlich schlechter.

Etwas mehr Gegenwart bitte

Nur etwas mehr Gegenwarts- und Zukunftsdenken würde man sich manchmal von den Plattenfirmen wünschen. Als Kunde würde sich für mich vielleicht nicht viel verbessern. Aber wäre ich eine IT-Company mit einem eigenen Musikdienst, der sich tagtäglich vor allem über Plattenlabel X ärgert: Ich würde mein Geld zusammenkratzen, zuschlagen und nachts wieder ruhiger schlafen. WMG-Chef Edgar Bronfman kommentierte die Übernahme übrigens so:

Wir glauben, diese Übernahme ist eine außergewöhnliche Gelegenheit der Wertmaximierung, die im besten Interesse unserer Aktionäre und von Musikfans steht, ebenso wie denen unserer Künstler und Songwriter, sowie den wunderbaren Menschen dieser Firma.

Wie die Wertmaximierung einer Plattenfirma im besten Sinne von Musikfans stehen soll, will mir noch nicht so ganz in den Kopf…

(Jürgen Vielmeier, Bild: WMG)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.