Apples iCloud macht den Dienst Dropbox obsolet, iTunes Match die Musikpiraterie an sich

Jürgen Vielmeier


Begnadigung für Piraten: Apple hat heute auf der Einführungsveranstaltung seiner Entwicklerkonferenz WWDC neben den neuen Betriebssystemen Mac OS X Lion und iOS 5 auch neue Cloud-Dienste vorgestellt. Highlight darunter dürfte der Cloud-Musikdienst sein, mit dem man neu gekaufte Songs automatisch in einem Online-Speicher ablegt und es sich wie von Geisterhand mit allen angeschlossenen Apple-Geräten synchronisiert. Und auch „One More Thing“, ein weiteres Detail, konnte sich sehen lassen: Apple hat sich in den USA offenbar mit der Musikindustrie über einen interessanten Deal geeinigt. Für 25 US-Dollar im Jahr kann man bis zu 25.000 Songs seiner Musiksammlung über iTunes Match durch neue Versionen der Stücke in der Cloud ersetzen lassen. Dabei ist es unerheblich, ob man die Songs legal oder illegal erworben hat.

Damit macht Apple Musikpiraterie endgültig unattraktiv. Und nicht nur das: Auch ein Hochladen der eigenen Musiksammlung in die Cloud erspart man den Nutzern damit. Das würde bei ähnlich vielen Stücken selbst bei einer durchschnittlichen Breitbandleitung Tage dauern. Trotzdem bleibt die Frage, ob man damit nicht illegale Filesharer belohnt. Man könnte es aber auch „Generalamnesie“ nennen, bei dem alle Seiten Vorteile genießen. Die Musikindustrie hat wohl erkannt, dass sie das Rennen gegen Illegal verloren hat – und will jetzt neue Wege gehen. Vorsicht ist außerdem geboten: Die 25 Dollar sind jährlich zu zahlen. Zahlt man nicht mehr, ist die Musiksammlung weg. Natürlich wird das Angebot vorerst nicht in Deutschland zur Verfügung stehen, wäre ja noch schöner.

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Der Cloud-Speicher iCloud, den Apple ebenfalls vorgestellt hat, könnte in der Tat Spaß machen: Der Dienst synchronisiert Fotos, Musik, Dokumente, Apps und weitere Daten automatisch und legt ihn in einem Cloud-Speicher ab. Da künftig alle Mac-Systeme Dateien automatisch speichern, muss man nichts mehr dafür tun: Apple synchronisiert alles automatisch über alle eigenen Geräte hinweg. Bis 5 Gigabyte Speicher sind bei iCloud kostenlos. Damit geht iCloud noch einen Schritt weiter als der beliebte Dienst Dropbox: das automatische Synchronisieren dürfte dem Nutzer viel Arbeit abnehmen. Zumindest für Mac-Nutzer hätte Dropbox damit seine Schuldigkeit allerdings getan.

Der Dienst iCloud wird zusammen mit iOS 5 im Herbst erscheinen. Letzteres hat Apple zusammen mit dem neuen Betriebssystem Mac OS X Lion (10.7) früher am Abend angekündigt. Ein neues iPhone stellte Apple übrigens – anders als in den vergangenen Jahren während des WWDC – diesmal nicht vor. Nicht ausgeschlossen jedoch, dass bis zum Herbst noch eins kommen wird. Das würde zumindest die ungewöhnlich lange Vorlaufzeit von iOS 5 und iCloud ein wenig erklären.

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Thisismynext.com)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.