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Shazam will Fernsehsendungen erkennen, wird aufgekauft oder ausgebootet werden

ShazamShazam ist so eine App, die mich auch nach mehreren Jahren mit meinem Smartphone immer wieder ein wenig in ungläubliges Staunen versetzt. Wie machen die das bloß, dass die fast jedes noch so deppertes Lied erkennen, das mir gefällt? Technisch gesehen hat sich bei Shazam seit Jahren kaum etwas getan. Warum auch? Das Ding funktioniert – und gut. Es gab nur einige Erweiterung wie kürzlich eine Songtext-Karaoke-Erweiterung oder leider vor einigen Monaten die Beschränkung, in der kostenlosen App nur noch bis zu 5 Tracks pro Monat zu erkennen. Ging für mich aber in Ordnung.

Jetzt hat Shazam laut Techcrunch 32 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt, unter anderem, um eine interessante Erweiterung zu starten: Shazam soll künftig auch Fernsehsendungen und Werbespots erkennen können. Dabei soll es nicht nur darum gehen, die Folge einer Serie zu erkennen, sondern sogar noch die Szene. Das ist das, was die App Intonow bereits seit längerem anbietet. Da aber fast jedes Kind Shazam kennt, dürfte sich der Marktführer mit der Maßnahme durchsetzen – und dann auf eine Übernahme hoffen.

Wenn Übernahmen zu teuer werden, kommen Eigenentwicklungen

Der Konkurrent Intonow wurde bereits wenige Wochen nach dem Start von Yahoo übernommen. Nicht umsonst. Die Zukunft des Fernsehens könnte so aussehen, dass ihr euch eure Sendung auf einem Gerät eurer Wahl anschaut, eure Lieblingsszenen liked und mit anderen teilt, Sendungen kauft oder abonniert. Der Anbieter, der es schafft, eine Community darauf aufzubauen, die auch das Kaufen von Serien und das Einblendung von Werbung ermöglicht, dürfte ein hübsches Sümmchen damit verdienen. Es ist noch ein weiter Weg in diese Zukunft, aber der Wettlauf dorthin hat begonnen. Neben Shazam und Intonow buhlen soziale Film- und Seriencommunitys wie GetGlue und Miso um die Gunst der Zuschauer. Zum Gewinner dürfte der werden, der all diese sozialen Funktionen – inklusive dem Erkennen von Serien auf einer Seite vereint.


Und hier wollen natürlich die großen Anbieter am Ende das Rennen machen, sprich: Apple, Amazon, Microsoft. Mir fielen kürzlich die Augen aus, als Microsoft für das kommende Mango-Update für Windows Phone 7 eine eigene Musikerkennung vorstellte. Kein Shazam, sondern eine Erweiterung der mobilen Bing-Suche. Ich gehe davon aus, dass Apple und Google sich das nicht lange tatenlos ansehen werden. Und dann wird Shazam von einem der Großen entweder gekauft – oder einfach ersetzt. Ab einem gewissen Punkt werden auf dem Schlachtfeld keine Gefangenen mehr gemacht. Die Unterlegenen werden nicht erschossen – sie werden einfach wegignoriert. Die Shazamer müssen aufpassen, dass ihnen nicht das gleiche Schicksal blüht.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

13 Kommentare

  • Ohne Begrenzung auf Android zur Musikerkennung:

    Soundhound

    Hat gefühlt eine größere Datenbank, bessere und schnellere Erkennung. Und das Limit auf 5 Lieder im Monat wurde rausgenommen (dafür kleiner Werbebalken rein, alternativ: Donate-Version).

    Natürlich kostenlos.

  • Ich finde vom image passt es besser zu Apple als zu Windows. Die können ja etwas erwirken was tabellendiagramme erkennt und importiert oder so..

  • Shazam ist wirklich toll, aber die Musikerkennung gab es auch schon im Jahre 2000 als Vodafon-Dienst. Da rief man in der Disko eine vierstellige Kurzwahl an, hielt das Billighandy in die Höh und erhielt daraufhin eine SMS mit dem Titel des Lieds. Bei Erfolg, der wie bei Shazam die Regel war, zahlte man fuffzich Pfennich, sonst war es kostenlos.

  • Bei mir in der Klasse war die Musikerkennung auch der Hammer, zumindest in den ersten Wochen nachdem es sich in ganz Deutschland verbreitet hatte. Aber das mit dem Fernsehsendungen erkennen klingt echt interessant, bin gespannt ob etwas draus wird …

  • Die Brisanz, und warum es spannend bleibt:

    Google kann das längst auch schon. Bei Youtube wird immer umfassender nach Uploads von Rechteinhabern gesucht. Nicht nur zum Verbieten, sondern es fängt schon an mit dem Taggen mit Interpret, Titel, Album und Kauflink (im Titel und unten rechts unter entsprechenden Videos)

    Eine Frage der Zeit, bis es in die Suche integriert wird. Die Voice-Search ist ja experimentell schon drin (mobil: schon lange).

  • Während ich die Funktion und die Technik dahinter faszinierend und vor allem als neu empfinde scheint diese funktionalität für euch alle hier scheinbar das normalste der Welt zu sein.

    Die ganzen Jahre der Handyentwicklung sind scheinbar vollkommen spurlos an mir vorbei gegangen. Wenn es das selbst im Jahr 2000 schon gab fühle ich mich jetzt allerdings wirklich vollkommen outdated.

    Ich glaube es wird Zeit das ich mir endlich auch ein Smartphone zu lege. Dann werde ich vielleicht irgendwann mal herausfinden wer das geniale Lied wirklich erstellt das ich seit Jahren im Auto höre, bei dem ich aber nie feststellen konnte von welchem Interpret es ist geschweige denn wie der Titel lautet.

    Das wäre mir die paar Hundert Euro für ein Smartphone zumindest wert und für mich der einzige Anreiz mir ein solches Gerät zu zu legen.

    Wenn mir jetzt jemand von euch einen Onlinedienst nennt bei dem das auch ohne Smartphone funktioniert werde ich aber wohl auch in den nächsten 10 Jahren keins mein eigen nennen 😀

  • @Georg wenn es dir nur um das eine Lied geht, ruf doch einfach beim Sender an wenn es läuft, oder falls du es halbwegs trällern kannst, wünsch es dir, die DJs werden es schon erkennen 😉

  • @Sascha,

    das mit dem DJ habe ich schon in einer recht bekannten Kölner Diskothek versucht aber wenn du mich alterndes Weissbrot einen schwarzen Künstler mit extrem tiefer und rougher Stimmlage imitieren sehen und vor allem hören würdest… Du würdest nicht minder dämlich kucken wie der DJ bei dem ich es versucht habe, glaub mir 😉

    Außerhalb meines Autos bzw. nicht von meiner Mix-CD stammend habe ich das Lied leider noch nirgends gehört. Auch meine Google Recherchen mit dem potentiell richtigen Lyrics war bisher immer erfolglos.

    Meine Hoffnung sind die Smartphones, und wenn es nicht klappt tausche ich das Teil um. Wenn der Verkäufer die Begründung meiner Rückgabe hört wird er mit Sicherheit auch blöd gucken *g*

  • Auch wenn audio und visuelles finger printing ganz spannende Themen sind, erschließt sich der Sinn nur so halb. Und schon gar nicht wenn es um 32 Mio Steine geht. Boah. Wofür denn bloß? Wie lässt sich das denn wieder rein holen? Oder ist das ein Hintertürchen wo an ganz anderer Stelle Geld verdient wird. Aber selbst dann: Das kann ja nur für begrenzte Zeit gut gehen.

    Rauchige schwarze Stimme? Ist doch klar! Barry White natülrich! 🙂 Frage das nächst beste Musik Forum und alles wird klar, oder?

  • Ja, natürlich lässt sich das wieder reinholen. Die Erkennung selbst ist dabei nur noch ein Baustein in dem ganzen Konzept. Es revolutioniert aber den Check-In Prozess indem es ihn automatisiert. Du könntest dich so automatisch mit der Community zu einer Sendung verbinden lassen. Das Spielfeld da ist relativ groß, aber auch nur, wenn der Player dahinter groß ist. Zur Auswertung einzelner Sendung ist es übrigens auch von enormen Vorteil. Wenn Kommentarverlauf, Absprungraten etc, einer genauen Stelle im Film zugeordnet werden können, kann man sein Produkt dahin verbessern. Wie gesagt… das Spielfeld ist groß..

  • Die Optionen, die dadurch möglich sind, sind wirklich enorm. Ich fand es beim Start von Shazam schon überaus beeindruckend, mit welcher Präzision selbst unbekannte Lieder erkannt werden konnten. Wenn sie ihren Erkennungsalgorithmus beziehungsweise die Technologie noch auf die nächste Stufe bringen – dann wirklich Hut ab!

  • Google kann das längst auch schon. Bei Youtube wird immer umfassender nach Uploads von Rechteinhabern gesucht. Nicht nur zum Verbieten, sondern es fängt schon an mit dem Taggen mit Interpret, Titel, Album und Kauflink (im Titel und unten rechts unter entsprechenden Videos)

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