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Occupy Sesame Street

Die Protestaktion „Occupy Wall Street“ gegen die Macht der Banken läuft bereits seit einem Monat. Die meisten von uns dürften aber trotzdem erst seit rund zwei Wochen von der Aktion wissen, die am vergangenen Wochenende auch nach Deutschland rüberschwappte. Denn es ist ein Kampf um Aufmerksamkeit. Während Politiker fast aller Parteien sich schnell auf die Seite der Demonstranten schlugen, nannte der ehemalige Bundespräsidentschaftskandidat Joachim Gauck die Antikapitalismusdebatte „unsäglich albern“.

Jedenfalls dauerte es natürlich nicht lange, bis die Aktion parodiert wurde: Occupy Sesame Street („Besetzt die Sesamstraße“) wurde von Befürwortern der Proteste ins Leben gerufen. Die Aktion zeigt Bilder protestierender Sesamstraßenfiguren, die von der Polizei in New York teilweise brutal abgeführt werden. Auch Bilder eines Krümelmonsters (oben) machten auf Google Plus und Facebook die Runde: 99 Prozent der Kekse werden von nur 1 Prozent der Monster gefressen.

Sesamstraßenfiguren sind hier sowohl Opfer als auch Täter. Die Guten kämpfen gegen die Bösen. Ernie gegen Graf Zahl. Unklar, ob Aktivisten unter dem Motto „Occupy Sesame Street“ etwas anderes verstanden, als sie am Sonntag Videos im YouTube-Kanal der Sesamstraße gegen Pornovideos austauschten. 22 Minuten lang sollen die leicht verfrühten „Aufklärungsvideos“ online gewesen sein, bevor Google sie herunter nahm.

Noch zu ergänzen wären zwei Videos: In Berlin wurde einer Frau bei einer Sitzblockade vor dem Reichstag im Zuge der Occupy-Demonstrationen von zwölf Polizisten die Isomatte gewaltsam weggenommen. Wer auch immer die Idee dazu hatte: Was genau sollte das?

Und Filmemacher Corey Ogilvie hat Regierungserklärungen von US-Präsident Barack Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton über die Arabische Revolution mit Bildern der aktuellen Proteste und früheren Protesten in den USA und im Arabischen Raum zusammengeschnitten:

Es ist schwer zu protestieren, wenn niemand so genau weiß, gegen wen eigentlich. Und was eigentlich genau getan werden müsste, um die Dinge zu verändern. Aber dass da etwas im Argen liegt, dürfte kaum jemandem entgangen sein. Wenn doch, werft mal einen Blick auf Statistiken wie diese, die Occupy George auf 1-Dollar-Noten druckt:

Wenn es um Protest geht, dann erreicht man oft mehr mit Satire. Von daher: Ob Sesamstraße oder Wall Street, die Aufmerksamkeit steigt.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

6 Kommentare

  • Zu Deiner Frage, was die Wegnahme der Isomatte sollte: Es wird wohl darum gegangen sein, die Frau zu entfernen. Wenn illegal Lautsprecher genutzt werden, dann kann man die beschlagnahmen. Und wenn sie sich mit der Isomatte irgendwo hinsetzt, dann wird ihr die genommen und vielleicht verschwindet sie so auch ohne Knüppeleinsatz gegen sie persönlich.

    Wir haben in Deutschland Versammlungsfreiheit, das heißt man darf sich OHNE GENEHMIGUNG versammeln und demonstrieren. Es ist nicht so, dass man eine Genehmigung braucht, nur ggf muss man es anmelden und ggf kann es verboten werden.

    ABER: Wer sich vor den Reichstag setzt, der ist davon ausnahmsweise einmal nicht geschützt. Hier dreht sich das Regel-Ausnahme-Verhältnis um: In der Bannmeile ist eine Demonstration oder sonstige Versammlung nur mit Anmeldung erlaubt. http://de.wikipedia.org/wiki/Bannmeile#Deutschland

  • Eine nette Bewegung, die wie immer nichts bewirken wird.
    Ein paar stimmengeile Politiker werden das alles ganz toll finden und ein paar Absichtserklärungen von der Pressestelle verfassen lassen und in einem Jahr spricht niemand mehr davon.

  • @ JSG
    Genau so ist das. Von daher hatte sie Glück, dass sie keinen Knüppeleinsatz zu spüren bekommen hat!

    Die Bilder von Occupy Sesame Street sind wirklich witzig, aber leider handelt es sich doch um ein ernstes Thema. Irgendwie bin ich zwiegespalten 🙁

    Viele Grüße, Dave

  • @ Anonymous: Ich denke schon, dass diese Bewegung etwas bewirken wird. Man muss sich vergegenwärtigen, dass eine Demonstration dieses Ausmaßes von linken Demonstranten in den USA noch vor 5 Jahren absolut utopisch war. Jeder, der eine solche Prognose abgegeben hätte, wäre damals als absolut weltfremd eingeschätzt worden.

    Bestimmt wird deswegen nicht das amerikanische Finanzsystem verändert werden, doch ist der Druck der Straße nicht zu unterschätzen. Eine gute Parallele sehe ich in den Abläufen von Stuttgart 21. Als sich Familien, Lehrer und Hausfrauen zu den Protestlern gesellten und mit derselben Härte vertrieben wurden, wie zuvor die eher jüngeren und stark linken Demonstranten, ging ein Aufschrei durch die ganze Bevölkerung.

    Vielleicht ist es nicht unbedingt das Anliegen, das so viele Leute zu Demonstrationen treibt, sondern die Wut, die der Erkenntnis folgte, dass sie anscheinend NICHTS verändern können.

  • ja, zwiegespalten bin ich bei solchen aktionen auch immer, aber dennoch auch dafür, dass man manche dinge mit mehr humor nehmen sollte… es gibt so viele probleme und viele werden durch die medien zu sehr gepusht – warum dann nicht mal mit festgenommenen sesamstraßenbewohnern etwas aufmerksamkeit erregen… 😉
    vielleicht sollte man auch einfach mehr sesamstraße anstatt nachrichten schauen, um den humor nicht ganz aus den augen zu verlieren… 😉

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