Quote.fm ist gestartet: Mit dem Charme des jungen Twitter

Jürgen Vielmeier

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Über das Tool Quote.fm kann man interessante Textpassagen mit anderen teilen, seinen Freunden oder der ganzen Welt. Es gibt dafür eine Timeline und eine Follow-Funktion. Das Hamburger Startup erinnert damit an die Zeit, als Twitter noch jung war. Inhaltlich bewegt man sich irgendwo zwischen dem Kurznachrichtendienst und Kuratier-Diensten wie Pinterest. Die Idee fanden wir so interessant, dass wir das Projekt kürzlich in unsere Basic Toolbox aufgenommen haben. Gestern ist Quote.fm in die öffentliche Beta-Phase gegangen.

Hier wirkt noch nicht alles komplett fehlerfrei, aber das beruhigende blaue Design sieht hübsch aus, und es ist neuer Weg, auf kurze Zitate oder ganze Texte aufmerksam zu machen. Um Texte zu empfehlen, muss man das Recommend-Bookmarklet im Browser installieren. Nutzer markieren zuerst eine Textstelle, klicken dann auf das Bookmarklet und schicken die Textpassage mit einem Klick an Quote.fm. Dort taucht der Text im eigenen Profil und in der Timeline auf, die man nach Relevanz oder Zeit sortieren kann. Eigene oder andere Zitate kann man teilen, favorisieren oder kommentieren. Man kann seinen Account mit Twitter, Facebook oder Instapaper verbinden und dann entweder alle oder nur ausgewählte Zitate mit anderen Nutzern teilen.

Wie lange würde es dauern, einen Text zu lesen?

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Persönliche Kritikpunkte: Nachdem man ein Zitat geteilt hat, dauert es ein paar Minuten, bis die Überschrift ebenfalls auf Quote.fm erscheint. Vorübergehend steht dort dann das unschöne „[Headline is being processed right now]“. Bei der Sortierung nach der Zeit stehen in der Timeline weder Datum noch Uhrzeit und das Bookmarklet wirkt noch, wie in einem frühen Stadium. Zunächst die Textstellen zu markieren und dann erst auf das Bookmarklet zu klicken, ist gewöhnungsbedürftig – bei Evernote etwa ist es anders herum. Und ein Snippet-Tool, das sich mit dem Kontextmenü öffnen ließe, würde mir persönlich besser gefallen. Ich bin mir aber sicher, dass das kleine Team das geplant hat und es bislang nur zu viel Aufwand war.


Bei Quote.fm sind es die kleinen Extras, die überzeugen. Unter jedem Zitat wird eine geschätzte Zeitspanne angezeigt, wie lange man brauchen würde, um das Original zu lesen. Profilfotos der Nutzer, die ein Zitat gemocht oder weiterverbreitet haben, werden in Reihe darunter angezeigt. Wer laut Voting die besten Zitate verbreitet hat, wird in der monatlichen Highschore angezeigt. Und dann gibt es noch Chef-Kuratoren für bestimmte Themengebiete.

Spaß, bis die Online-Marketer kommen

Das ruhige und aufgeräumte Design unterscheidet Quote.fm angenehm von den rauschenden Kanälen Twitter, Facebook und Pinterest. Steigende Bekanntheit dürfte diese Ruhe aber auch bei Quote.fm beenden. Denn wie damals bei Twitter war die Anfangszeit die schönste – bevor die Online-Marketer kamen. Quote.fm wird wenig gegen Selbstreferenzierungen unternehmen können. Wenn Redaktionen erst einmal auf den Trichter kommen, dass sie auf der Plattform auch sehr gut ihre eigenen Artikel verbreiten können – und das wird passieren – verliert das Empfehlungsportal seinen Charme.

Aber sonst? Unabhängig davon, ob ich die treibende Kraft dahinter, Marcel Wichmann, nun mag oder nicht (bin mir da noch nicht sicher), ist Quote.fm eines der interessantesten Startups, das ich in letzter Zeit gesehen habe. Es hat sich international ausgerichtet, steht auf Deutsch und Englisch zur Verfügung – und hat die Chance, noch ganz groß rauszukommen.

(Jürgen Vielmeier)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.