Jolicloud Me: Später Durchbruch mit sozialem Archiv?

Jürgen Vielmeier


Cloud-Betriebssysteme haben sich bislang nicht durchgesetzt. Ich erwarte auch nicht mehr, dass das noch passiert. Einerseits sind sie ihrer Zeit zu weit voraus – ohne eine mobile Internetverbindung geht wenig bis nichts. Andererseits ist an den gängigen Betriebssystemen für Laptops und Tablets wenig auszusetzen. Ein Cloud-System wie Google Chrome OS oder Joli OS ist deswegen eine schöne Spielerei, aber nichts, womit man ernsthaft arbeiten kann.

Eigentlich durchaus schade für die Macher von Joli OS, dessen Entwicklung ich seit einigen Jahren verfolge. Früher „Jolicloud“ genannt, wurde aus dem System vor einem Jahr Joli OS, um die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es sich hier um ein eigenes, Linux-basiertes Betriebssystem handelt. Oder zumindest um die Oberfläche dafür, die für Desktop-PCs – und hier wird’s verwirrend – nach wie vor Jolicloud heißt. Ihren Durchbruch könnten die Franzosen nun mit einem neuen Archiv für eifrige Social-Media-Nutzer feiern: Jolicloud Me.


Jolicloud Me ist eine Sammelstelle für alle Dokumente, Bilder, Videos, Artikel, die man jemals auf Twitter, Instagram, Flickr oder Facebook gepostet hat. Die App sammelt die Daten in einem Datei-Manager und legt Verzeichnisse an. Inhaltlich bewegt sich das irgendwo zwischen Pinterest und Apples Finder, optisch erinnert mich das am ehesten an die Software der Startups Doo und Doctape, die Dokument-Archive aufbauen wollen. Jolicloud Me geht noch einen Schritt weiter, indem es verschiedene Arten von Dateien und auch Textverzeichnisse anlegt. So lassen sich auch Tweets durchsuchen. Songs, die man via Spotify gepostet hat, lassen sich auffinden und mit einem Mausklick dort abspielen.

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Wie The Verge vermutet, könnte das nur der Anfang der Möglichkeiten sein. Jolicloud Me könnte sich im nächsten Schritt auch mit Google Docs, Dropbox, Evernote oder E-Mail-Clients verbinden und dann zu einem vollständigen, digitalen Archiv werden. Gespeichert werden sollen die Dateien in der (Joli)Cloud. Die Anwendung gibt es für den Anfang als HTML5-basierte Web-App, für Joli OS und für iOS und Android. Ich könnte mir da auch eine Desktop-Version für Mac und Windows sehr gut vorstellen.

Das alles klingt nach einer der spannendsten Ansätze, die ich seit langem gesehen habe. Könnte das endlich der Durchbruch für die kleine Software-Schmiede aus Paris sein? Einziger Nachteil: Jolicloud Me ist zur Zeit nur in der geschlossenen Beta-Phase verfügbar. Ich werde die Jungs mal fragen, ob wir ein paar Invites bekommen.

Update: Jolicloud weist mich via Twitter darauf hin, dass Invites sofort rausgehen, sobald man sich registiert und @jolicloud via @-Reply auf Twitter darüber benachrichtigt.

(Jürgen Vielmeier, Screenshots: Jolicloud, The Verge)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.