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Commodore USA stellt den Amiga mini vor: Höllenmaschine statt Nostalgie-Computer

Nostalgie als Verkaufsstrategie: Wie schon vor einigen Monaten den C64, hat das US-Startup Commodore USA nun auch den Namen „Amiga“ reaktiviert. Der Amiga mini erinnert allerdings weder äußerlich noch von den inneren Werten her an den Kultrechner der 80er und 90er Jahre. Er sieht vielmehr aus wie eine ältere, größere Version von Apples Mac mini mit integriertem optischen Laufwerk.

Macht nichts, die Leute werden das Ding allein schon aus nostalgischen Gründen kaufen? Glaube ich in diesem Falle eher nicht. Zwar ist die verbaute Hardware äußerst leistungsfähig, das will sich Commodore USA aber auch mit stolzen 2.495 US-Dollar bezahlen lassen. Wer so viel Geld übrig hat, der bekommt dafür einen Mini-PC mit einem Sandy Bridge Core-i7-Prozessor von Intel mit 4x 3,5 GHz Taktung (Quad Core). Grafikkarte ist eine Nvidia GeForce GT 430 mit 1 GByte Speicher. Der Arbeitsspeicher fasst stolze 16 GByte, die Standardfestplatte G-SATA mit einer Lesegeschwindigkeit von 6 GB/s ist 1 TByte groß. Auch Anschlüsse gibt es mehr, als ein Durchschnittsmensch sich in seinem Leben an Geräten kaufen kann.

Wie seriös ist Commodore USA?

Der Amiga mini hat jeweils vier USB-3.0- und USB-2.0-Anschlüsse, zwei WLAN-Antennen, HDMI-, Dual-DVI- und DisplayPort-Ausgang. Drei Monitore sollen sich daran anschließen lassen. Der Soundchip bietet Anschlüsse für ein 7.1-Soundsystem. Das Bluray-Laufwerk kann auch DVDs beschreiben. Wer will, kann den Amiga mini noch mit einer Infrarot-Fernbedienung und SSDs aufrüsten. Kurz gesagt: Malt euch etwas aus und es ist drin. Damit diese Höllenmaschine nicht überhitzt, sind zwei Kühler verbaut. Auf den ersten Blick scheint kein LAN-Anschluss dabei zu sein. (Gut, der ist mittlerweile größtenteils verzichtbar.) Als Betriebssystem werkelt ein abgewandeltes Ubuntu-Linux mit einer eigenen Oberfläche: das Commodore OS Vision. Das soll zwar einige alte Amiga-Funktionen umfassen, allerdings hätte sich der eine oder andere sicherlich optional Windows 7 gewünscht.

Vom Papier her alles in allem eine runde Sache, die bestimmt ihr Geld wert ist. Aber wer mag 2.500 Dollar dafür ausgeben? Die Lieferzeit soll sechs bis acht Wochen betragen. Mich irritiert ein wenig, dass es bislang keine Rückansicht des Geräts gibt, an der die tausend Anschlüsse beheimatet sein sollen. Für besonders seriös halte ich die Commodore USA LLC nach wie vor nicht, die mit dem kanadischen Computerpionier Commodore International bis auf den Namen nichts gemeinsam hat.

Vor fast genau einem Jahr hat Commodore USA den C64 im nostalgischen Gehäuse neu aufgelegt. Konfigurationen und Preise des Modells wurden seitdem mehrfach nach oben korrigiert. Das Einstiegsgerät sollte zu Anfang 595 US-Dollar kosten; inzwischen ist man bei 1.295 Dollar. Zumindest auf die Schnelle habe ich keinen Testbericht oder ein Hands-on über den neuen C64 gefunden. Hatte ihn überhaupt einmal jemand in der Hand?

Ich schwinge deswegen diesmal nicht die „Wisst-ihr-noch-damals?“-Keule. Mit dem ursprünglichen Amiga hat das neue Modell ja nichts mehr zu tun. Aber wäre dieser Highend-Rechner zu diesem Preis etwas für euch?

(Jürgen Vielmeier, Bilder: Commodore USA)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

23 Kommentare

  • Äußert leistungsfähig? Wo ist denn eine Office-Grafikkarte wie die GeForce GT 430 äußert leistungsfähig außer auf dem Desktop? Hört sich für mich nach ziemlich überteuertem Zeuch an.

  • Ich schließe mich Fiete an.
    eine gt430? zu mehr als HD-Videos und Office wird das ding nicht reichen.
    Und wenn man sich anschauet das Intel und Geforce in den nächsten 2 Monaten Ihre neue Hardware vorstellen und auf den Markt werfen, kann man echt nicht von High end sprechen nicht für das Geld.

  • Oh man, so ein Blödsinn. Völlig überteuert und hat mit Nostalgie rein gar nichts mehr zu tun -schade… Der einzige Hintergrund ist doch lediglich die Kassen klingeln zu lassen. Ich finde es Mist und zudem zerstört dieses Ding ein wenig die Vergangenheitsgedanken..

  • Als langjähriger Mac-User muss ich ja schon zugestehen, dass zumindest die metallene Version relativ schick aussieht. Aber 2.500 Dollar?!? Das ist definitiv nicht zu rechtfertigen, selbst bei der recht üppigen Ausstattung!

  • Es ist fast das gleiche als würde heutzutage Apple Windows – PCs verkaufen.
    Beide Firmen waren damals „ähnlich“ veranlagt mit eigenen Hardwarebau, zukunftsweisener führender Software und wohl auch nicht zuletzt im Kultstatus, Apple in USA und Commodore/Amiga in Europa, nur das die eine „knapp“ Überlebte und die andere nicht.
    Dabei hätte gerade Heute Commodore mit einen modernen AmigaOS und eigener guter Hardware eine echte Change in den neuen „Post-PC“ Märkten mit Smartphone oder Tablet -PC ect, die Erfolgsgeschichte neu zu Schreiben oder wieder Anzuknüpfen.
    Apple zeigt dies ja deutlich was Möglich ist, aber nun noch Windows Kisten zu Bauen, damit setzt Commodore wohl wieder auf „falsche Pferd“?

  • kauft euch einfach einen barebone für 500-800 euro und klebt nen amiga/commodore-aufkleber drauf und fertig.

    ist im endeffekt das gleiche dann.

    was ein linux auf einer „amiga-kiste“ zu suchen hat frage ich mich ernsthaft.

    es gibt doch schließlich amiga os 4 mittlerweile…

    aber stellt euch einfach der realität: commodore usw. hat lediglich die namensrechte und keinen echten background. das sieht man auch an deren seiten… möchtegern-retro… selbst im video bedient man sich an wikipedia-grafiken.

    also meiner meinung nach wird das nur von geldgeilen leuten betrieben.

    die hätten vielleicht den amiga 1200 mal weiterentwickeln sollen mit usb, wlan, sd-karten-slot statt diskdrive usw.

  • @10 amiga
    …..was ein linux auf einer “amiga-kiste” zu suchen hat frage ich mich ernsthaft.
    es gibt doch schließlich amiga os 4 mittlerweile…

    Amiga OS 4x ist PowerPC based, würde also auf dieser X86er Hardware gar nicht Lauffähig sein.
    Aber für dem Preis sollte zumindest zum Linux eine Windows-Lizenz dabei sein …

  • Na dann zünde ich die Lunte ma an:

    Ein Mac Pro Quadcore kostet heute 2.399€ bei schlechterer Austattung.
    Wohl-bemerkt: EURO.
    Da schreit keiner.

    2.500$ sind heute aber nur knapp 1.900€

    Aber ich verstehe schon, Commodore ist nicht revolutionär genug um solche Preise zu verlangen, haben sowieso nur bei Apple abgeguckt, und dann liefern die Arschgeigen noch ein offenes OS dazu… wer lässt sich den Bitte so verarschen?

    So, und jetzt gehe ich mich hinter nem Stein verstecken.

  • Ein bisschen Photoshop, ein paar Logos, irgendwo aus dem Netz gezogen, Das Commodore Logo vom CDTV genommen und einfach mal ein paar lustige Gerüchte getreut. LFMAO.

    Wer nicht völlig blind ist, müsste doch sehen dass es ein Fake ist.

  • Man muss sich bei den derzeitigen Hardwarepreisen schon fragen, was Commodore USA mit dem Teil bezwecken will. Denn wer zahlt schon 2.500 Dollar für so ein Kübel? Bei dem Gehäuse bin ich mal gespannt, wie bei rechenintensiven Programmen die Wärmeentwicklung ist. Es sind zwar grosse Lüftungsschlitze vorhanden aber die Ventilatoren sieht man nicht …

  • Hat aber wirklich nicht mehr viel mit dem „Original“ zu tun. Hier wird scheinbar nur versucht die alten User des Amigas „emotional“ anzusprechen und zum Kauf zu bewegen…

  • Naja, nur weil Amiga drauf steht – da kauf ich mir doch gleich nur das Gehäuse und schraub ne Kiste zusammen.

    Ich find den Preis jedenfalls happig und das OS – also ich weiß ned.
    Ok, das OS kann man ja tauschen, aber trotzdem.

  • Als alter 500er-Besitzer (ohne Plus!) fühlte ich mich natürlich auch erst emotional angesprochen aber ein Ubuntu-Theme ist nun mal nicht das Gleiche…

  • „Im Alter von 83 Jahren ist der Computerpionier Jack Tramiel am Ostersonntag in Monte Sereno im US-Bundestaat Kalifornien im Kreise seiner Familie gestorben. Er gründete die Firma Commodore und machte sie zum dominanten Lieferanten für Homecomputer“

    Danke für den „echten“ C64.
    Ich denke auch dieser Computerpionier hätte durchaus ein Wenig von der Medienpräsenz eines „Steve Jobs“ verdient, vielleicht gerade bei basicthinking?

  • Geht lieber auf E-Bay, habe mir einen funktionierenden Amiga 500 für ca. 50 Euro ersteigert, gibt auch den C64 dort.

  • Für Nostalgie Fans gibt es etwas Besseres.
    Man kaufe sich bei Ebay einen älteren Apple Mini G4 mit „Power-PC“ Prozessor , sollte so ca. 100-150 € Kosten , diesen kann man mit einem (modernen) Amiga 4.x oder dem AmagaOS Clone MorphOS versehen , statt des veralteten MacOS für Power-PC. Auf diesen laufen dann nativ alle „älteren“ und neuen Amiga Anwendungen.
    Anleitungen zum Aufspielen gibt es dafür im Netz, damit man hat damit einen relativ modernes günstiges (echtes) Amiga System , statt diesen (überteuerten) Linux -Windows X68er Rechner.

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