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Videowerbung ist kreativ, feiert Rekorde – und geht mir auf den Geist


Ich liebe gute Werbung. Einige sehr gute Vertreter ihrer Art stellen wir ja manchmal sogar hier vor. Der Peugeot-Werbespot „Interactive Experience“ wird wohl einer meiner ewigen Favoriten bleiben. Oder der sehr reale Spot eines belgischen Pay-TV-Senders, der das Fernsehprogramm direkt zum Zuschauer in die Fußgängerzone bringt, ist genial. Zielgruppenaffine Werbung, hat auch was.

Video-Werbung finanziert Arbeitsplätze für meine Berufsgruppe (Juhu!). Und weil man auf Nachrichten-Websites damit so gut Geld verdienen kann, schlossen sich neun Vermarkter unlängst zusammen, um – endlich! – ein einheitliches Format für In-Page-Videowerbung zu veröffentlichen. Damit das nicht ausartet, gibt es Leitfäden für gute Videowerbung. Und Rekorde gibt es nebenbei auch noch zu feiern: 9,5 Milliarden Werbevideos wurden im April in den USA angeschaut – das entspricht jedem fünften überhaupt gesehenen Video.

Toll!

Ganz toll, wirklich. Videowerbung ist angekommen, Videowerbung ist überall. Videowerbung macht alle glücklich… Darf ich leise Kritik äußern?


Denn Videowerbung geht mir auf den Geist. Kein Besuch auf YouTube mehr, bei dem mir nicht gleich auf der Startseite eine animierte Werbung ins Auge spränge. Jedem Video, das ich dann aufrufe, ist entweder ein 15- bis 60-sekündiger Spot vorgeschaltet, den ich manchmal nach fünf Sekunden überspringen darf – manchmal aber auch nicht.

Oder, wenn kein Spot vorgeschaltet ist, kommt die Werbung spätestens im Video selbst: Display Ads, die gerne nach 20 Sekunden aufpoppen und umständlich weggeklickt werden müssen, wenn man sich gedanklich gerade mitten im Trailer von „The Dark Knight Rises“ befindet. Zum Glück ist das bekannte x zum Wegklicken meist schnell gefunden, oft aber auch gerne anderswo als an der bekannten Stelle oben rechts platziert, so dass man krampfhaft suchen muss und vom Inhalt abgelenkt wird. Will man das Video noch einmal abspielen, erscheint oft auch die Werbung ein weiteres Mal.


Habe ich das Recht, mich zu beschweren? Nein, wahrscheinlich nicht. YouTube muss sich irgendwie refinanzieren, ich könnte ja auch woanders hingehen und mir dort Videos anschauen. News-Angebote müssen sich finanzieren, und wenn mir die Seite nicht passt, kann ich die Nachrichten ja woanders lesen. Und ich selbst verdiene meine Brötchen ja auch auf einem Blog, das sich mit Werbung finanziert. Eine ganze Branche hängt am Tropf der Werbe-Industrie. Vielleicht liegt es daran, dass man in letzter Zeit erstaunlich wenig Kritik über zu viel Video-Werbung liest.

Beschweren darf ich mich nicht, nerven tut es mich trotzdem. Zu viel des Guten; viel zu viel.

(Jürgen Vielmeier)


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Über den Autor

Jürgen Vielmeier

Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.

24 Kommentare

  • Ja selbst schuld, wenn man so nervige werbung platziert! Hab ja nicht dagegen, aber wenn fenster reinfliegen, die mir die Sicht auf den Inhalt versperren regt mich das auf.

  • Das ist genauso, wie ein kleines Kind, welches alle zwei Sekunden mit einem HSV Banner beim Autofahren vor die Scheibe springt.

  • Auf der einen Seite kann ich se verstehen, man will ja, wie jeder von uns, Geld verdienen. Auf der anderen Seite geht mir diese Art von Werbung genauso tierisch auf den Senkel, wie Layerads und son Kram…

  • Jaja… leider ist es so in unserer Welt… ob sich das durch eine Kulturflatrate vielleicht ändern ließe? Ein paar Euro im Monat von jedem und das ganze könnte Geschichte sein…

  • Tja, nervige und zu viel Werbung hat dafür gesorgt, dass bei mir nun gar keine Werbung mehr ankommt. Adblock, NoScript und Co sind eine Wohltat.
    Videos, bei denen Werbung vorgeschaltet ist, werden einfach wieder weggeklickt. Werbung hat in den letzten Jahren so zugenommen, dass ich mittlerweile regelrecht allergisch auf sie reagiere.

  • Wie mein Vorrdner Orbit schon gesagt hat: Dank Firefox-Plugin AdBlock wird wenigstens der Großteil der Werbung gefiltert.
    Am meisten nerven mich ebenfalls die sogenannten Pre-Roll-Ads, denn ich habe keine Lust 30 Sekunden oder länger auf das Video zu warten. Wenn im Abspann nach dem Video die Werbung steht „wird präsentiert von…“ meinetwegen, aber nicht davor.

  • Youtube sollte einfach einen Premium-Service anbieten. User die keine Werbung sehen wollen, können sich für 10 Euro monatlich einen Pro-Account kaufen.

    Adblock-User würde ich an Googles Stelle aussperren.

  • Wie immer zählt auch hier die Verhältnismäßigkeit. Wenn ich mir 2 Werbevideos mit einer Länge von 2 min angucken soll nur um eben dieses Lustige 3 sek Video zu sehen mache ich da nicht mit….

  • Schwieriges Thema: kostenlose Angebote wie Wikipedia gibt’s im Internet wenig. Die einen kosten bewusst Geld, die anderen unbewusst Zeit oder zumindest ungewollt meine Aufmerksamkeit. Ich für meinen Teil stelle seit Jahren fest, dass meine Wahrnehmung in digitalen Medien immer selektiver wird. Die aktive Ignoranz von Werbung ist so Routine, dass Banner zwar im Auge, aber nicht mehr im Gehirn ankommen…
    Was bislang nur mit bunten Bildern passiert ist, weitet sich jetzt auf bewegte Bilder aus und ich fürchte das hat ungeahnt schlimme Auswirkungen auf die Wahrnehmung außerhalb digitaler Medien 🙁

  • Also wie gesagt:

    1. Ad-Blocker installieren, wenn es nervt.
    2. Müssen ja die Seiten, die du so liest, auch finanziert werden. Immerhin erhaltet ihr als Blog ja auch Kohle für Sponsored Stories oder Display Ads.
    3. Wirkt Online-Video zusammen mit TV super (siehe Google Mafos und andere).
    4. Anstatt immer rumzumeckern: setzt Euch auf Eure vier Buchstaben und entwickelt für Eure Blogangebote sinnvolle Vermarktungsmodelle.
    5. Nimmt die Polemik in diesem Blog durch den Autor manchmal wirklich groteske Züge an.

    Viel Spaß 😉

  • Im Grund habe ich auch nichts gegen Werbung. Aber bei Filmtrailern Werbung zu zeigen ist schon etwas bizarr. Ich meine, was sind Filmtrailer denn bitteschön anderes als Werbung für Filme? Und Werbung in Werbung ist dann doch etwas zu viel…

  • @StephanN:

    1. Ja, mache ich dann wohl mal. Dachte, ich tu den Kollegen mal was Gutes und lasse Werbung zu. Aber wenn’s zu viel wird…
    2. Ähm, finanzieren Display Ads nicht genau die Seiten, die ich meine?
    3. Wie meinen?
    4. Oh, das klingt schön. Mal eben umsetzen, wo eine ganze Branche seit Jahren kaum eine Lösung für findet. Ich setzt mich auf meine fünf Buchstaben und mach mal eben. Sekunde.
    5. Polemik? Grotesk? Bei so einer weichgespülten Kritik wie oben? Du hast mich offenbar noch nie in Action erlebt. 😉 Außerdem schreibe ich doch sogar, dass ich mich eigentlich nicht beschweren darf.

  • 1. Jürgen: Du dars dich beschweren. Werbung darf Dir auch auf den Senkel gehen. Ist doch kein Problem. Ich sehe auch kein Problem, nur weil Ihr Euch durch Werbung finanziert.

    Mich nerven Kunden auch, ich beschwere mich auch über sie… trotzdem habe ich jeden Tag einen… der finanziert mir auch meinen Arbeitsplatz…. und?

    2. Schon erwähnt, dennoch: AdBlock, NoScript und man nicht nur Ruhe, sondern auch ein schnelleres Internet.

    3. @Sturmhardt:
    Mit der Kulturflatrate werden nicht Blogs oder z.B. youtube entlohnt. Die Kulturflatrate ist für Urheber bzw. Rechteinhaber -> z.B. GEMA oder AG Wort.
    Wir alle zahlen ein paar Euro, dafür pisst uns niemand mehr auf die Schuhe, wenn wir n Film oder Mucke ziehen…

    Aber die GEMA ist vermutlich erst zufrieden, wenn wir auch Abgaben auf Möbel (Sie können sitzen, wenn Sie Musik hören), Getränke (Sie können trinken, wenn Sie Musik hören) oder QTips (Ohren sauber machen…. nuff said?) erhebt.

  • Ist schon interessant, was für Ideen hier aufkommen, um das Werbeaufkommen bei Videos zu minimieren.

    1) Kulturflat hilft hier gar nicht, da (wie robert schon schreibt) kein YouTuber oder Blogger davon profitiert (es sei denn, er meldet sich bei der GEMA und der VG Wort an).
    2) Wenn YouTube die Werbung nur beim ersten Video zeigen würde, und dann bei den folgenden diese deaktivieren würde, würde das die Macher der danach geschauten Videos benachteiligen.
    3) Pro-Account bei YouTube hilft auch nicht, da auch hier nur Google (also YouTube) Geld erhält. Der Videomacher bekommt nichts. Allerdings wäre es schon interessant, ob man soetwas nicht tatsächlich umsetzen könnte, wenn man die Videomacher an dem verdienten Geld teilhaben lässt.

  • Apropos Werbung vor Filmen: Seit letzter Woche denke ich ernsthaft darüber nach, nicht mehr ins Kino zu gehen. Die elende Kinowerbung umgehen wir ja schon, indem wir erst kurz vor Filmstart den Saal betreten. Dann kommt noch der nervige Eisverkäufer, aber dann geht’s endlich los. Normalerweise.
    Beim letzten Besuch kam nach dem Eismann aber nochmal ein Werbeblock – in 3D.
    So kann man Besucher auch aus den Kinos treiben.

  • wenn irgendwelche Werbung mir den Inhalt verdeckt nervt mich das schon sehr extrem. Teilweise werden die Fenster so gesetzt dass man schon keine Möglichkeit sieht wegzuklicken. Sehr nervend.

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