Weil es billiger ist: Bundesagentur für Arbeit stellt auf papierloses Büro um

Jürgen Vielmeier

Böse Zungen wie die meine äußern schonmal den Vorwurf, die Agentur für Arbeit könnte sich auch gleich ganz abschaffen. Passende Jobs finden die für einen eh nicht und statt des Arbeitslosengelds würde man einfach ein bedingungsloses Grundeinkommen auszahlen. Dazu bräuchte man keine Behörde mit 120.000 Mitarbeitern. Weil das aber alles nicht so einfach ist, fängt die Agentur wenigstens schon einmal damit an, die Aktenordner abzuschaffen. Laut einem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“, der leider noch nicht online ist, wird die Agentur papierlos. Verwaltungsfälle sollen künftig über einen elektronischen Aktenordner abgewickelt werden. Eine Sprecherin sagte der Zeitung:

„Es gibt keine Organisation oder Behörde von vergleichbarer Größe in Europa, die das bereits getan hat.“

Und soll ich euch was sagen: Ja, das ist eine bemerkenswerte Leistung. Die Digitalisierung betrifft nicht nur die 176 Agenturen im Bundesgebiet, sondern auch 400 verbundene Dienststellen wie die Familienkassen. Ältere Ordner werden digitalisiert, was allein bei der Arbeitslosenversicherung 22,2 Millionen Akten beträfe. Täglich kommen 260.000 Dokumente neu hinzu. Es könnte ein wichtiger Schritt hin zum papierlosen Behördendschungel werden.

Kampfansage an das Papier

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Wie zum Beispiel Golem berichtet, stammt die Software dafür von IBM. Hochleistungsscanner sollen 10.000 Seiten pro Minute digitalisieren. Vorausgegangen waren offenbar erfolgreiche Pilotprojekte in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bis November sollen die Arbeitsagenturen im gesamten Bundesgebiet digitalisiert werden. Im nächsten Schritt folgen die Jobcenter, die für jeden Hartz-IV-Empfänger im Schnitt eine Akte von 300 Blatt Papier füllen. Hier könnte man noch argumentieren, dass man zusätzliche Millionen sparen könnte, wenn man den gewollten Bürokratieaufwand für Hartz IV zurückfährt oder Hartz IV gleich ganz abschafft. Aber da ist die Politik leider noch lange nicht so weit.

Was ich an der Geschichte am interessantesten finde: Man tut es aus Kostengründen. Die Agentur will damit einen dreistelligen Millionenbetrag sparen. Jährlich. Zumindest den Kostenvorteil hat mittlerweile sogar die Bundesregierung erkannt, die sich zunehmend darum sorgt, wie sie mit standhaften Offlinern verfährt. Belohnung und Ermunterung wäre der richtige Weg, um die rund 25 Prozent Offliner in Deutschland endlich ans Netz zu bekommen, findet Martin Weigert von Netzwertig. Der Punkt ist also jetzt gekommen, an dem der digitale Fortschritt billiger geworden ist als die Verwaltung mit Papier. Dem Holzmedium wird auf breiter Front der Kampf angesagt. Was steht also dem (sehr späten) Durchbruch von E-Government in Deutschland noch im Wege?

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(Jürgen Vielmeier, Bild: Bundesagentur für Arbeit)

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.