Sonstiges

Jolla: Finnisches Startup entwickelt OS auf MeeGo-Basis, kündigt eigene Smartphones an

Ein Markt, der seit Jahren von iOS und Android dominiert wird, in dem bereits ein WebOS gescheitert ist, ein Windows Phone trotz Milliardeninvestitionen immer noch kaum eine Rolle spielt und ein BlackBerry-OS nebst angeschlossenem Konzern ums Überleben kämpft, ein solcher Markt bietet nicht gerade die besten Voraussetzungen, um ein weiteres Smartphone-System zu etablieren.

Und dennoch schickt sich neben Mozilla noch ein zweites Unternehmen an, dem restlichen Marktumfeld etwas Neues entgegenzusetzen. Allerdings: So neu ist die auserwählte Plattform gar nicht. Schließlich handelt es sich um das bereits totgesagte MeeGo.

Ihr erinnert euch: Obwohl Nokia bereits einen Treueschwur auf Windows Phone und Microsoft abgelegt hatte, lancierten die Finnen im Juni letzten Jahres noch schnell das MeeGo-Modell N9. Dennoch war damals schon klar, dass diesem innerhalb des Unternehmens nicht gerade eine blühende Zukunft bevorsteht.

Mittlerweile ist MeeGo zwar das letzte Hintertürchen, durch das der einstmals so stolze Weltmarktführer noch schlüpfen könnte, sollte das Lumia-Windows-Phone-Experiment irgendwann endgültig scheitern. Nicht zuletzt aus diesem Grund dürfte Nokia das Projekt nie ganz aufgeben. Gleichwohl ist der Zug auch dafür nun ein Stück weit abgefahren.

 

Erst Ende vergangener Woche quittierten zahlreiche MeeGo-Entwickler ihren Dienst. Viele der Ex-Nokianer formieren sich seit Ende 2011 in einem Start-Up mit Namen Jolla. Ihr Ziel: Neue Meego-basierte Smartphones kreieren und noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Viel mehr gibt die erste offizielle Pressemitteilung des in Helsinki beheimateten Unternehmens noch nicht her. Allerdings lassen sich einige Informationsfragmente über den Twitter-Account von Jolla zusammentragen.

Dort ist zu lesen, dass die neuen Geräte bis auf die gemeinsame Ursprungsplattform nicht viel mit Nokias N9 gemein haben werden. Jolla will eine in Kooperation mit dem Mer Projekt entwickelte OS-Variante auf QT-Basis mit spezifischer Benutzeroberfläche einsetzen, die ARM- und x86-CPUs unterstützen soll. Zunächst soll der Fokus auf Smartphones liegen, aber auch Tablets seien später denkbar. Weitere Details sollen in den kommenden Wochen und Monaten bekannt gegeben werden. Die Homepage jolla.fi ist aber derzeit noch offline.

Obwohl vieles noch unklar ist, brandet bereits eine Welle der Euphorie durch das Web. MeeGo ist immer noch populär, keine Frage – und das ironischerweise vor allem durch Nokias N9. Dennoch lässt sich ein Smartphone-OS nebst Ökosystem aus Vertriebs-, Marketing- und Support-Strukturen, Entwickler-Gemeinde und App Store nicht mal so eben aus dem Ärmel schütteln.

Gesunde Skepsis bleibt daher angebracht. Ich erinnere mich noch gut an ähnliche Hypes um das WePad/Tab oder das Grid-Tablet von TabCo – im Nachhinein nur noch Beispiele desaströs gescheiterter Firmen. Das muss auf Jolla nicht zutreffen. Dennoch sind es bisher lediglich Ankündigungen. Ich bin nun wirklich gespannt, was wir da dieses Jahr noch zu sehen bekommen.

(Christian Wolf)


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Christian Wolf

Christian Wolf wird am Telefon oft mit "Wulff" angesprochen, obwohl er niemals Bundespräsident war und rast gerne mit seinem Fahrrad durch Köln. Er hat von 2011 bis 2014 für BASIC thinking geschrieben.

13 Kommentare

  • Das Problem sind nicht 10 mobile Betriebssysteme sondern ein Gerät auf dem ich sie Installieren könnte.
    Leider benötigte man immernoch 10 Smartphone um sie alle Testen zu können.
    Es bräuchte also ein „freies“ Gerät wie ein Computer auf dem man ohne Frickeln . Jailbreak oder Rooten zumindest ein zweites OS installieren könnte, solange es die nicht gibt haben Außenseiter kaum eine Change gegen die Marktführer.

  • @#2 Joar, so ein „freies“ Smartphone gibt es! Zwar mittlerweile nicht mehr ganz up-to-date bezüglich der Hardware ist das N900 ein wahrer Freigeist. Vollständig offenes Linux unter der Haube …
    Bei mir läuft derzeit parallel das standard OS Maemo, ein Gingerbread Android, ein Debian LXDE Desktop und ein Windows 95.
    Zugegeben – leider gibt es derzeit keine derartigen Alternativen mit etwas kräftigerer Hardware … finde der Markt darf sich ruhig in diese „freie“ Richtung entwickeln.

  • Mmm ich schließe mich eurer Meinung ja an was die freie Betriebsystemwahl angeht aber rein technisch gesehen ist es gut das sich die smartphones spezialisieren das Problem ist einfach das es einfach noch keine große Community gibt die saubere und funktionierende Treiber zustande bekommt. (Ausgenommen die Android Community und die gehört ja zu Linux auch wenn mir jetzt einige Entwickler widersprechen so ist der Kernel immer noch Linux auch wenn er zerpatched ist)

  • Nochmal ein neues OS? Wo soll das denn hinführen? Erstens bedienen iOS und Android schon sehr gut den Markt und 2. wird es bestimmt kaum Entwickler geben, die ihre Apps speziell auch noch für jolla herstellen.

  • Bei den Smartphones ist es doch so wie bei den Notebooks / PCs / etc. Es gibt 2-3 Platzhirsche (im PC bereich Windows >> Mac > Linux) und nebenbei noch ein paar who-cares Anbieter.
    Die Methode, MeeGo als Basis zu nehmen hat schon mal grössere Aussichten als ein komplett neues OS zu programmieren, aber dennoch mangelt es an der Nutzerbasis. Cross-Programmierung ist immer noch nicht möglich, ein Gerät, das sowohl die iOS als auch die Android API vollständig unterstützt hätte eine Chance, da sofort ein riesiger Markt an Apps bereitsteht.

  • Android und iOS sind wie Pest und Cholera. Beides in sich geschlossene Systeme, überall Werbung und Nutzergängelung.

    Die Google Maps-App unter Android bedient sich bei einem Update gleich mal sämtlicher Rechte. Wenn ich das nicht möchte, muss ich das entweder akzeptieren oder ich installiere es nicht. Eine wirkliche Wahl ist das nicht. Seitdem ich mir einen Google-Account geholt habe, erscheint in jeder zweiten App Werbung.

    Multitasking?!? Sieht anders aus. Surfen und gleichzeitig Musik hören kann ich unter Android auch nur durch Umwege.

    Und dann kommt jemand daher, der meint, Android und iOS reichen völlig aus und bedienen den ganzen Markt. Ja klar! Schon mal ein „richtiges“ Mobil-OS benutzt? Maemo/ MeeGo ist dem Kindergarten um Welten voraus. Was fehlt ist lediglich die Einsicht der App-Entwickler, nicht nur für die beiden Krankheiten Android und iOS zu entwickeln, sondern offen für mehrere OS zu sein. Mit HTML5 + JS und PhoneGap ist das für viele Anwendungsfälle kein großes Problem mehr.

    Aber was reg‘ ich mich auf. Android und iOS sind sowieso der Weisheit letzter Schluss, nicht wahr? Und Google und Apple machen sowieso alles besser…

Kommentieren