HTC geht baden: Umsatz in einem Jahr fast halbiert

Jürgen Vielmeier

Nein, ich spare mir mal die Häme. Ich weiß nämlich ehrlich gesagt auch nicht, woran es liegt. HTC hat für meinen Geschmack in diesem Jahr sehr gute Smartphones vorgestellt und trotzdem heute den Ausblick auf ein desaströses Quartalsergebnis gegeben. Um fast die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr sollen die Umsätze sinken, teilte der Smartphone-Hersteller heute in Taipeh mit. 70,2 Milliarden Taiwan-Dollar (1,84 Milliarden Euro) sollen es in diesem Jahr noch sein, nach 135,8 Milliarden TWD (3,58 Milliarden Euro) ein Jahr zuvor. Fast eine Halbierung, und ein Verlust von 20 Prozent auch im Vergleich zum 2. Quartal des laufenden Jahres, wo man 91 Millionen TWD (2,43 Milliarden Euro) umsetzte.

Selbst die US-Techblogs, die eigentlich selten um eine Analyse verlegen sind, wirken heute ratlos. Klar, HTC hat es mit seinen aktuellen Modellen nicht geschafft, gegen Apple und Samsung anzustinken. Man verkaufte insgesamt einfach weniger Geräte. Aber warum? Das One X und das One S gefielen mir beide im Test eigentlich gut. HTC hat dann im Laufe des Jahres mit dem One XL und dem One X+ noch einmal nachgelegt und das jeweils beste Modell um LTE und einen stärkeren Prozessor aufgerüstet. Kürzlich hat man mit dem 8X und 8S auch zwei neue Windows Phones vorgestellt.

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Starke Prozessoren, sehr gute Kameras, eine moderne Oberfläche, eigene Software-Funktionen etwa für die Kamera. Woran liegt es? Die Gehäuse der Android-Modelle mögen etwas gesichtslos wirken, aber das ist bei Samsungs Plastikbombern auch nicht anders. CNet nennt das Vergleichsquartal (Q3/2011) ein Rekordquartal, gegen das man nur verlieren konnte. Aber gleich die Hälfte? Ist das Problem vielleicht, dass ein klares Spitzenmodell nicht auszumachen ist? Gab es mit dem One X, dem One XL (Vodafone) und dem One X+ vielleicht so viele direkte Konkurrenten für Samsungs Galaxy S III in sehr schneller Abfolge, dass die Kunden den Überblick verloren haben? War es schlechtes Marketing? Sind die Modelle zu teuer? Stechen sie zu wenig aus der Masse hervor?

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Wenn ihr eine gute Idee habt, mailt sie rüber nach Taipeh. Dort dürfte man derzeit genauso ratlos sein. Ausgegebenes Ziel der Taiwaner sollte in diesem Jahr eigentlich „Weniger ist mehr“ sein, und dann haben wir doch wieder mehrere Flaggschiffe gesehen, wenn auch insgesamt weniger Modelle als im Vorjahr. Vielleicht war „Weniger ist mehr“ einfach das falsche Motto, wenn die einzelnen Modelle gegenüber der Konkurrenz besonders herausstechen sollten. Das tun sie nämlich nicht, aber auch hier wieder: Welches aktuelle Smartphone tut das schon? Womit kann man die Kunden heute schon noch begeistern? Eine interessante Erklärung liefert indirekt ein Analyst von Goldman Sachs, den Reuters zitiert: Jedes einzelne Modell hätte sich im Grunde nicht schlechter verkauft als jedes HTC-Modell im Vorjahr. Da es aber weniger Modelle zur Auswahl gab, kauften die Kunden insgesamt weniger. Das würde die geringeren Umsätze erklären – und gleichzeitig Samsungs „Viel hilft viel“-Strategie untermauern. Habe entweder ein Gerät (Apple) oder ganz viele – der Mittelweg führt ins Leere.

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Jürgen Vielmeier ist Journalist und Blogger seit 2001. Er lebt in Bonn, liebt das Rheinland und hat von 2010 bis 2012 über 1.500 Artikel auf BASIC thinking geschrieben.