Facebook Messenger jetzt ohne Facebook – der Kampf der Großen um die Gleichgültigen

Michael Müller

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Datenkraken, wohin das Auge reicht. Google, Facebook, Bing – ganz egal für welche internetbasierten Dienste man sich heutzutage auch entscheidet, irgendwer liest oder speichert munter mit. Wie nebulös und unsicher das zuweilen sein kann, zeigte in jüngster Zeit immer wieder der Multiplattform-Messenger WhatsApp. Löchrig wie Deutschlands Autobahnen und mit einer Speicherhaltung, deren Undurchsichtigkeit der bei Kälte dauerhaft beschlagenen Heckscheibe meines 86’er VW Jetta Konkurrenz macht, erfreut sich WhatsApp ungebrochener Beliebtheit. Will schlussfolgernd vereinfacht wohl heißen: ab einer kritischen Masse von Benutzern, kombiniert mit einem funktionierenden und vor allem kostenlosen Dienst, ist es den Nutzern schlichtweg egal, was wo wie mit ihren Daten geschieht.

Eine neue Kostenlos-Kultur

Diese naive Gleichgültigkeit der eigenen, womöglich intimsten privaten Details erfreut besonders all jene Unternehmen, deren Rentabilität eng an Informationen über die eigenen Kunden geknüpft ist. Nämlich aus dem Grund, möglichst treffsicher personalisierte Werbung schalten zu können und so Sales und Referrals in die Höhe zu treiben. Ob Google, Facebook, Microsoft – verkaufen will jeder. Kein großes Ding für den profitierenden Kunden, machen ja alle so. Jedenfalls so lange die sensiblen Daten auch tatsächlich sicher gespeichert und anonym behandelt werden.

Erst vor wenigen Tagen orakelte die Medienlandschaft, dass der beliebte Messaging-Dienst WhatsApp womöglich kurz vor der Übernahme von Mark Zuckerberg stünde. Dies wird durch jüngste Entwicklungen jetzt entkräftet. Der Facebook Messenger ist in einer neuen Version für Android-Geräte verfügbar und künftig nicht mehr zwingend an ein bestehendes Facebook-Profil geknüpft. Wer also bisher dem Social Network fern blieb, kann so trotzdem an den Unterhaltungen über den Facebook-Kanal teilnehmen. Facebook schafft so eine eigenständige Messenger-Community neben dem eigentlichen Kern-Profildienst. Doch wieso das Ganze?

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Wachstum. Macht. Mehr User, mehr Informationen. Dies macht Facebook als Werbepartner für Werbetreibende attraktiver und intensiviert die Vernetzungen und Abhängigkeiten. Auch in gesättigten Märkten, wie die Beliebtheit von WhatsApp in den USA oder Deutschland vormacht. Künftig kann ich so beispielsweise meiner Mutter ans Herz legen, sich den Facebook Messenger zu installieren um einfach mit mir verbunden zu sein und Kosten für SMS zu sparen. Vielleicht erkennt sie den Mehrwert, findet Spaß daran, legt später doch ein Profil bei Facebook an? Ganz abgesehen von den ausgetauschten Informationen, die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter betreffend. Womöglich erhalte ich auf meiner Facebook-Startseite somit bald personalisierte Werbung für Auto-Entfeuchter der neuesten Generation, da ich diesen Missstand meines fahrbaren Untersatzes kurz zuvor meiner geliebten Mutter über den Messenger mitgeteilt habe.

Wer gewinnt?

Ich muss zugeben, dass mich persönlich solcherlei Dinge nicht wirklich stören. Ich begrüße auf meine Interessen abgestimmte Werbung, sehe den potentiellen Mehrwert, freue mich über mehr Vernetzung über Plattformgrenzen hinaus. Sehe allerdings die Unwissenheit darüber kritisch, wo meine Daten von welchen Software-Programmen an welchem Ort der Erde abgelegt und verwertet werden. Hier unterscheiden sich WhatsApp und Facebook kaum. Betrachtet man die Rechenzentren beider Unternehmen, so fällt auf, dass nichts auffällt.

Am Ende muss wohl jeder selbst entscheiden, für welchen Dienst er sich entscheidet. Fakt ist: beide Chat-Programme wachsen und stehen jetzt in direkter Konkurrenz zueinander. Allerdings ist der Facebook Messenger kostenlos – WhatsApp hingegen kostet eine zwar geringe, aber dennoch fällige einmalige oder jährliche Gebühr. Da beide Unternehmen nicht berühmt für den Umgang mit sensiblen Daten sind, werden es am Ende Funktionalität und die kritische Masse an Benutzern sein, die als Entscheidungsgrundlage dienen. Allerdings hat Facebook den Vorteil, auf einer größeren Anzahl von Plattformen zuhause zu sein. Und kann Messaging mit den Vorteilen eines mächtigen sozialen Netzwerkes verbinden. Ganz ohne lange bekannte, eklatante aber nicht gefixte Sicherheitslöcher. Steht der Sieger also schon fest?

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Michael tritt seit 2012 in über 140 Beiträgen den Beweis an, trotz seines Allerweltnamens real existent zu sein. Nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums arbeitete er einige Jahre als PR-Berater, bevor er 2016 als Tech-Kommunikator bei einem deutschen Spezialglas-Hersteller einstieg.