Microsoft geht unter die TV-Produzenten

Robert Vossen

xbox

Irgendwie komme ich nicht um Microsoft-Nachrichten herum: Erst Gerüchte über eine neue Update-Politik mit dem Codenamen Blue, dann die zelebrierte Nachricht des in den USA ausverkauften Surface Pro und jetzt kündigt Microsoft auch noch an, eigene interaktive TV-Shows für die Xbox produzieren zu wollen.

Bis zu drei Stunden Xbox-Nutzung am Tag

Nach eigenen Angaben wurden bisher insgesamt 76 Millionen Xbox-Konsolen verkauft, 46 Millionen der User haben auch einen Xbox Live-Account. Doch beeindruckender ist diese Zahl: User mit einem Xbox-Account verbringen 87 Stunden pro Monat mit ihrem Gerät – das sind knapp drei Stunden pro Tag und somit über eine Stunde mehr als der gemeine Amerikaner live oder zeitversetzt Fernsehen schaut.

Damit man diese Zahl wohl noch etwas steigern und den Kunden auch etwas für ihr Geld bieten kann, hat Microsoft nun im schönen Santa Monica, unweit von Hollywood, ein interaktives Studio mit 150 Mitarbeitern aufgebaut um „interaktive Premium-TV-Shows“ produzieren zu können.

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Erste Shows sollen noch dieses Jahr anlaufen

Noch ist nicht viel bekannt, außer dass interaktive Elemente der TV-Shows sinnvoll eingeflochten sowie Live-Shows oder Kinderserien produziert werden sollen, bei denen die Kinder mit den Charakteren interagieren können. Und damit man weiß, was man tut, wurde letztes Jahr Nancy Tellem, langjährige Leiterin der Entertainment-Division bei CBS, abgeworben. Noch in diesem Jahr soll die erste selbstproduzierte Show zu sehen sein.

Microsoft ist nicht das erste Unternehmen, das diesen Schritt geht. Angefangen hat es wohl mit YouTube, das letztes Jahr 100 Millionen Dollar in professionelle Inhalte von YouTube-Partnern gesteckt hat. Seither haben auch das von mehreren TV-Sendern betriebene Joint Venture Hulu, Amazons LoveFilm und Netflix eigene Inhalte und Stoffe drehen lassen. Gerade vor wenigen Tagen wurde die neue Netflix-Serie „House of Cards“ veröffentlicht – mit Hollywood-Star Kevin Spacey und ziemlich guten Kritiken.

Doch auch wenn es sich anscheinend inzwischen für einen etablierten Streaming-Anbieter gehört, TV-Produktionen in Auftrag zu geben, geht Microsoft hier noch einen – vielleicht entscheidenden – Schritt weiter, indem es ein eigenes Produktionsstudio aufbaut und somit selbst zum TV-Produzenten wird. Das ist ein ziemlich gewagter Ansatz, denn man bindet Personal und Ressourcen an sich und betritt absolutes Neuland.

Kinect als Bestandteil der TV-Show von morgen

Warum also das Risiko eingehen, wenn man interessante Drehbücher und TV-Formate einfach bei „echten“ Produktionsfirmen in Auftrag geben könnte? Der Hauptgrund heißt vermutlich Kinect, aber auch Xbox 720. Auch wenn über letztere noch nicht mehr als Gerüchte (Stichwort: Standardmäßiger Einsatz von Kinect) zirkulieren, so ist klar, dass der 360-Nachfolger – in welcher Art auch immer – technisch erweitert wird.

Und diese Erweiterungen will man sich wohl zunutze machen sowie mit dem entsprechenden Content gezielt fördern. Gerade bei Kinect sind dort viele Anwendungsfälle denkbar – von einem virtuellen, aber in Echtzeit moderierten Takeshi’s Castle, bis hin zu Dancing With The Stars im eigenen Wohnzimmer. Natürlich ist das reine Spekulation, aber es ist durchaus vorstellbar, dass sich damit die Nutzungszeiten der Xbox weiter verlängern lassen und auch neue Zielgruppen erschlossen werden.

Man darf also gespannt sein, was Microsoft da genau vorstellen wird.

Bild: Flickr / Duane_Brown (CC BY 2.0)

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Robert Vossen hat erst Los Angeles den Rücken gekehrt und dann leider auch BASIC thinking. Von 2012 bis 2013 hat er über 300 Artikel hier veröffentlicht.