„Kaufen sie doch bitte Anteile an diesem Tweeter – das geht doch jetzt an die Börse“

Tobias Gillen

Was braucht man für einen richtig guten Lacher an der Börse? Richtig: Ein paar besonders kluge Anleger und den Börsengang eines Tech-Unternehmens, von dem sie nur entfernt „mal so irgendwann nebenbei“ gehört haben. Twitter ist nicht mal an der Börse, da haben die ersten Anleger schon Aktien gekauft – denken sie zumindest.

Wall Street

Ein Plus von 2.200 Prozent

Denn die 15 Millionen am Freitag umgesetzten Anteile gehören nicht Twitter, sondern dem Elektronik-Einzelhändler Tweeter Home Entertainment. Der dürfte am Freitag überrascht gewesen sein: Sein Kurs stieg zeitweise um 2.200 Prozent, der Preis der Anteile von 2 auf 15 Cent.

TWTRQDas Problem: Tweeter ist seit 2008 pleite. Demnach war der Kauf von so vielen Anteilen kein besonders gutes Geschäft für die vorschnellen Anleger. Sie hatten vermutlich die Kürzel der beiden Unternehmen verwechselt: Twitter wird künftig unter TWTR gehandelt, Tweeter ist unter TWTRQ zu finden.

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Es gab allerdings noch weitere Anzeigen für ein Missverständnis: Schließlich muss man nicht sonderlich optimistisch sein um zu erahnen, dass die Twitter-Aktien mehr als nur 2 Cent kosten werden.

„Außergewöhnliches Ereignis“

Denn Twitter will mit seinem Börsengang bis zu 1 Milliarde US-Dollar einnehmen. Der Unternehmenswert dürfte insgesamt bei 12,8 Milliarden US-Dollar liegen. Die Tweeter-Aktien wurden nach dem Vorfall „wegen eines außergewöhnlichen Ereignisses“ kurzzeitig vom Handel ausgesetzt. Inzwischen liegen sie wieder bei 5 Cent, immer noch ein ordentliches Plus für ein insolventes Unternehmen. Der Einzelhändler firmiert inzwischen übrigens unter dem Namen Tweeter Opco.

Die betroffenen Anleger werden künftig wohl genauer hinsehen, bevor sie ihr Geld in die Papiere eines ihnen offenbar nicht näher bekannten Unternehmens investieren. Letztlich aber ist es eine lustige Geschichte zu Twitters bevorstehendem Börsengang.

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Bild: matze_ott / Flickr (CC BY 2.0)

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Tobias Gillen ist Geschäftsführer der BASIC thinking GmbH und damit verantwortlich für BASIC thinking und BASIC thinking International. Seit 2017 leitet er zudem die Medienmarke FINANZENTDECKER.de.