Hardware Testbericht

Eine Smartwatch für unter 50 Euro: Was taugt die Simvalley Mobile PW-430?

Smartwatch für unter 50 Euro
geschrieben von Jürgen Kroder

Ein Name, der wirklich „unsexy“ klingt und ein Preis, der einen an China-Schrott denken lässt: Kann die Simvalley Mobile PW-430.mp* gegen andere Smartwatches anstinken? Oder handelt es sich dabei wirklich um übelste Wegwerf-Ware? Wir haben die ungewöhnlich günstige Smartwatch getestet – und wurden vom Ergebnis überrascht.

Smartwatches sind der nächste „heiße Scheiß“. Das behaupten zumindest Analysten. Und Hardware-Hersteller hoffen das. Denn nachdem der Umsatz mit PCs schrumpft und der Markt so langsam mit Tablets und Smartphones gesättigt ist, braucht es einen neuen Gewinnbringer.

Den smarten Uhren könnte also die Zukunft gehören. Deswegen versuchen sich nun diverse Anbieter zu positionieren. Das Nonplusultra scheint derzeit die Apple Watch zu sein, mit der sich aber beispielsweise BASIC thinking-Chef Tobias in keinster Weise anfreunden kann. Auch ich sehe es nicht ein, für halbgare Spielereien viele hunderte oder gar tausende Euro auszugeben. Trotzdem reizt mich das Thema Smartwatches. Deswegen habe ich mir eine Pebble Watch (1. Generation) zugelegt und mir kürzlich die Simvalley Mobile PW-430.mp* bestellt.

Billiges aus Buggingen

Sim…was? Simvalley ist die Eigenmarke des deutschen Elektronik-Versandhändlers Pearl. Die dicken Kataloge, die teilweise mit halbnackten Models um Aufmerksamkeit buhlen, kennt sicherlich jeder von euch. Da Pearl nahezu alles, was irgendwie mit Technik zu tun hat (von USB-Kabeln bis hin zu Schneefräsen) anbietet, findet man in diesem kunterbunten Sortiment auch Smartwatches. Nur halt keine hochpreisige Apple Watch, sondern Modelle für 50 bis 100 Euro.

Richtig gelesen. Die Simvalley Mobile PW-430.mp gibt es derzeit (Stand: 13. April) für 42,42 Euro. Langweiliger, komplexer Name plus Niedrigpreis gleich Chinaschrott – ist das die Formel dahinter? Mal schauen. Ich habe die Smartwatch aus Buggingen bei Freiburg (da sitzt Pearl) getestet.

Apple Watch und Android lassen grüßen

5,6 Zentimeter hoch, 4,2 Zentimeter breit, 1,2 Zentimeter dick, 1,5 Zoll Display: Das sind ungefähr die Maße der Simvalley-Uhr. Damit ist sie von den Abmessungen her fast identisch mit der Apple Watch. Auch das Gehäuse-Design erinnert daran. Aber da hören die Gemeinsamkeiten auf.

Zum Beispiel, weil die Simvalley Mobile PW-430.mp nur eine Auflösung von 240×240 Pixel bietet (Apple Watch: 390×312 Pixel beim 42mm-Modell) und ein ganz eigenes Betriebssystem zum Einsatz kommt. Das erinnert auf den ersten Blick an Android, weil die Icons teilweise wie 1:1 aus dem Google-Imperium gekl…, äh, adaptiert aussehen.

Vernetzung nur mit einem Handy-Betriebssystem möglich

Unabhängig telefonieren und Push-Benachrichtigungen direkt auf die Uhr

Sieht aus wie eine Android-Smartwatch, ist es aber nicht: die günstige Simvalley Mobile PW-430.mp

Android ist ein gutes Stichwort: Die günstige Smartwatch von Pearl verbindet sich nur mit Android-Smartphones, iPhones werden nicht unterstützt. Nun ja, ich denke mal, Apple-Fanboys können das verkraften, da sie wahrscheinlich eh nur zum „iWatch“-Original greifen. Und die Windows-Phone-Besitzer schauen ebenfalls in die Röhre.

Die Vernetzung zwischen Simvalley-Uhr und Android-Handy erfolgt über eine Companion-App, die man entweder aus dem Google Play Store oder als APK über einer asiatischen Webseite herunterlädt. Hierbei erfährt man, dass die Smartwatch eigentlich von Zzhonggu stammt.

Wecker, Taschenrechner, Schrittzähler oder Schlaf-Überwachung: Die Smartwatch von Pearl bzw. Simvalley bzw. Zzhonggu bietet einige vorinstallierte Apps, die auch ohne Handy-Verbindung genutzt werden können. Doch das volle Potential gibt’s nur mit Connection.

Call my Smartwatch!

Besonders gefallen hat mir hierbei die Möglichkeit über die Uhr zu telefonieren. Das klappt ganz gut. Zugegeben: Die Tonqualität fällt ziemlich blechern und scheppernd aus. Aber hey: Wir reden hier von einer Smartwatch von unter 50 Euro!

Was dabei besonders durchdacht ist: Entweder telefoniert man mittels Bluetooth-Verbindung übers Smartphone oder man legt in die Simvalley Mobile PW-430.mp direkt eine SIM-Karte ein. So kann man auch unabhängig vom eigenen Handy quatschen. Nice!

Mehr Funktionen mit Speicherkarte

Was auch nicht jede „intelligente Uhr“ bietet: Der interne Speicher lässt sich über eine microSD-Karte erweitern. Dadurch stehen einem dann weitere Apps zur Verfügung. Zum Beispiel kann man Tonaufnahmen anfertigen, Bilder schießen und Videos aufnehmen. Auch hier muss man natürlich Abstriche hinnehmen. Die Foto-Schnappschüsse werden nur mit einer Auflösung von 640×480 Pixel aufgenommen und sind somit alles andere als exzellent.

Apropos Apps: Es können nur die vorinstallierten Anwendungen genutzt werden. Da es keinen App Store für die smarte Uhr gibt, kann somit auch kein „DB Navigator“, „Evernote“ oder dergleichen nachgeladen werden.

Knifflige Wischereien für Wurstfinger

Jedes Produkt lebt nicht nur von seinen Features, sondern auch von seiner Bedienung. Hier zeigt sich bei der Simvalley Mobile PW-430.mp ein zwiespältiges Bild: Einerseits lässt sich die Uhr recht intuitiv bedienen. Es gibt nur einen Knopf, der als Ein/Aus-Schalter und Home-Button dient. Alles weitere erledigt man über den Touchscreen.

Doch mit meinen „Wurstfingern“ tat ich mir bei einigen Apps – die übrigens alle eingedeutscht sind – etwas schwer, weil die Icons stellenweise zu klein ausfallen. Dass die Uhr manchmal etwas „laggt“ und manche Apps nicht für den kleinen Bildschirm optimiert sind, fällt ebenso negativ auf.

Simvalley Mobile PW-430.mp

Was taugt die Simvalley Mobile PW-430.mp? (Foto: Pearl)

Fazit: Günstig geht doch

Eine Smartwatch für unter 50 Euro – das kann doch nicht sein, oder? Das war meine Meinung vor dem Test. Doch ich wurde eines Besseren belehrt. Was hier alles drinsteckt, ließ mich immer wieder erstaunen. Manch ein Premium-Hersteller kann sich hiervon eine große Scheibe abschneiden!

Natürlich ist bei der Pearl-Uhr nicht alles perfekt, aber das Gesamtbild fällt – gerade im Bezug auf den Schnäppchenpreis – sehr gut aus. Bildlich gesprochen kann man sagen: Die Simvalley Mobile PW-430.mp* ist der Skoda unter den Smartwatches.


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Über den Autor

Jürgen Kroder

Jürgen bezeichnet sich als Blogger, Gamer, Tech-Nerd, Autor, Hobby-Fotograf, Medien-Junkie, Kreativer und Mensch. Er hat seine unzähligen Hobbies zum Beruf gemacht. Und seinen Beruf zum Hobby. Obwohl er in Mainz wohnt, isst er weiterhin gerne die Maultaschen aus seiner Heimat.

6 Kommentare

  • Na verwunderlich ist das nicht, rein von den technischen Komponenten her gesehen. Sowohl bei Samsung als auch bei Apple sollte das eigentlich jedem klar sein, für was man dort bezahlt. Kultprodukt und schickes Design können auch mal 500% mehr kosten…was sich an den Bilanzen beider Unternehmen auch ablesen lässt 😉

  • Guter Artikel! Aber Schade, dass die Uhr nicht beim Iphone funktioniert. Gibt es überhaupt alternative Smartwatches für Apple-Nutzer?

    LG Domi

  • Hallo Jürgen,

    informativer Artikel! Ich hatte selbst lange überlegt, ob ich mir eine iWatch kaufen soll, da ich bereits im Besitz eines iPhone 5S bin. Nach langer Überlegung und Erfahrungen von Freunden, habe ich mich dann doch für eine andere und günstigere Smartwatch entschieden.

    Bis heute komme ich super damit klar und habe keine Probleme. Wieso 300 Euro ausgeben, wenn es auch 120 Euro tut 😉

    Gruß
    Christian

    • Danke, Christian, sehe ich auch so. Wobei natürlich jeder sehen muss, was er will und braucht. Ist die Marke wichtig oder sollen es spezielle Funktionen sein? Oder entscheidet am Ende der Geldbeutel?

      Ich muss ja ehrlich zugeben: Nachdem ich die Simvalley getestet habe und eine Pebble besitze merke ich trotzdem, dass man auch noch ohne Smartwatch ganz gut leben kann 😉

  • Ich möchte vorneweg klarstellen, dass ich weder Iphone Besitzer bin, noch dass ich eine Smartwatch besitze. Ich muss dem Berichtersteller auch recht geben, dass man bei den „namhaften“ Herstellern deutlich für den Namen bezahlt.

    Da ich mir überlege, eine Smartwatch zu kaufen und auch nicht unnötig viel Geld ausgeben will, habe ich die ganze Bandbreite an Smartwatches angeschaut und komme zum Fazit: Entweder man hat Leistung und bezahlt einen höheren Preis oder man hat keine Leistung und kommt dafür günstiger weg. Was sich schlussendlich mehr lohnt, muss jeder selbst wissen.

    Was mir aber im Bericht nicht passt, ist die deutliche Spürbarkeit der unterschwelligen Propaganda für Pearl. Nichts gegen Pearl perse, aber technische Daten sind das eine, die Funktion bzw. der Gebrauch im Alltag was anderes.
    Was ist bei einer Uhr wohl das Killerkriterium Nummer 1? Der Akku. Leider steht im Bericht kein Wort darüber und auch wenn die Uhr einiges zu bieten hat, so ist mir ein effizientes OS deutlich wichtiger, als Tonaufnahmen machen zu können oder Bilder mit der Uhr.
    Man sollte immer bedenken: Ein gutes Gerät braucht eine gute Entwicklung und Entwicklung ist bekanntlich nicht günstig.
    Wers mag, ok, aber für mich spielen solche Billiguhren (Sorry wenn ich da etwas herablassend rüberkomme, da aber Technik mein Beruf ist und ich in einer Entwicklungsabteilung arbeite, weiss ich was dies heisst) in einer eigenen Liga, da sie 1. nicht mit den „teureren“ Uhren mithalten können und 2. und das ist der springende Punkt, ich mir kein Gerät ins Haus holen will, welches keine Eigenentwicklung ist (ja das OS ist evtl. selbst entwickelt, aber selbst da schreibt sogar der Tester, dass ein Laie sieht, dass vieles kopiert ist) und für mich solche Firmen unten durch sind, da sie Ideen und Innovationen, welche andere Firmen geleistet haben, für lau kopieren und es als Ersatz anpreisen und am besten die Innovation noch für sich einheimsen, was z.T. einen erheblichen Reputationsschaden zur Folge hat, was wiederum schlussendlich die Preise höher und höher treibt.

    Vergleicht man etwa eine Tiefkühlpizza mit einer echten italienischen? Ich denke nicht..

    Grüsse
    Reto

    • „Unterschwellige Propaganda für Pearl“? That escalated quickly. 😀 Warum sollten wir denn deiner Meinung nach „Propaganda“ (ich bin mir nicht sicher, ob man das Wort noch deplatzierter verwenden kann) für Pearl machen?

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