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Bosch US Innovation Tour: Mit dem E-Bike durch San Francisco

geschrieben von Mark Kreuzer

Im Rahmen der Bosch US Innovation Tour und auf Einladung von Bosch habe ich für euch gestern mit einem Fahrrad 42 km durch San Francisco zurückgelegt. Die Stadt in Kalifornien ist unter anderem für ihre vielen Hügel bekannt. Wer die Verfolgungsjagd von Steve McQueen in Bullitt gesehen hat, weiß wovon ich rede.

Bosch e-Bike tour

Die Tour ging los in Downtown SF. Die ersten 10 Minuten war auch noch alles recht entspannt, was auch daran lag, dass wir direkt an der Bay-Küste gestartet sind. Aber als es dann losging mit den ersten Hügeln, habe ich zum ersten Mal verstanden, warum E-Bikes die meistverkauften Elektrofahrzeuge auf dem Markt sind (und das ohne Subventionen).

bosch ebike motor batterie und display

Bei meinem Rad handelte es sich um ein sogenanntes Pedelec. Pedelec-Motoren fungieren nur als Unterstützung für den Radfahrer. Tritt er in die Pedale, schaltet sich der elektrische Antrieb automatisch hinzu. Die 250 Watt starken Motoren erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 45 km/h.

Auf dem Display, das auch gleichzeitig ein Rad-Computer ist, seht ihr, welche Stufe der Unterstützung ihr gewählt habt. Es gibt vier unterschiedlich starke Stufen: Eco, Tour, Sport, Turbo. Je höher die Stufe, desto höher die Unterstützung. Falls ihr jetzt – wie ich auch zunächst – denkt „Ich fahr einfach die ganze Zeit in Turbo“ sei euch gesagt, dass beim Cruisen durch die Stadt der Turbo-Modus eindeutig ungeeignet ist, da schon kleinste Pedaltritte zu einer unglaublichen Beschleunigung führen. Tatsächlich nutzt man die hohen Stufen nur bei starken Steigungen oder wenn man es eilig hat.

bosch e-bike fahrradcomputer

Auf meinem Trip habe ich Hügel mit dem Rad bezwungen, die so steil waren, dass ich sie selbst zu Fuß nur ungern erklimmen würde. Mit dem E-Bike schaltet ihr in diesen Moment einfach auf Turbo und in den niedrigsten Gang und bezwingt auch den steilsten Berg immer noch mit 13 km/h. Das Schöne beim Radfahren: Da, wo es bergauf geht, geht es zwangsläufig irgendwann auch wieder bergab. Da die Pedelecs ja nicht in der Radnarbe sitzen, werden die Akkus beim Downhill-Fahren jedoch leider nicht geladen. Grundsätzlich ist das aber auch nicht weiter schlimm, weil euch die 400 w/h Batterie je nach Beanspruchung bis zu 100 km weit unterstützen kann. Bei all den Hügeln in San Francisco war die Batterie zwar am Ende der Tour ziemlich weit runter, aber halt nicht leer.

Bei Bosch denkt man ja vielleicht zuerst an den Automotive-Bereich, dann an Bohrmaschinen und auch noch an Küchengeräte, aber auch im E-Bike-Bereich sind sie stark vertreten. Tatsächlich ist Bosch mittlerweile unangefochtener Marktführer in dem Segment und Zulieferer für über 70 namhafte Radhersteller.

bosch-e-bike-tour-sf-4

Bosch kann hier zahlreiche Synergien nutzen, bei denen es zum Technologietransfer aus anderen Branchen kommt. So sind die Motoren fast baugleich zu den Servomotoren, die Bosch an Autohersteller verkauft – auch, wenn sie von der Größe her wirken, als kämen solche Motoren eher in Bohrmaschinen zum Einsatz.

bosch-e-bike-san-franzisco

Mich hat das E-Bike heute so sehr überzeugt, dass ich mir ernsthaft überlege, mir auch eins anzuschaffen, um in Zukunft mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Auf meiner Strecke gibt es nämlich leider ein paar Hügel, die mit dem normalen Rad nicht wirklich Spaß machen. Mir gefällt der Gedanke vor allem deshalb, weil man trotzdem sportlich aktiv ist, aber wenn man es braucht ein wenig Hilfe bekommt.

Bei der Tour zu dem höchsten Punkt in San Francisco, Twin Peaks, habe ich einige Sportler auf ihren Rennrädern mühelos überholt und auch, wenn mir einige vorgeworfen haben, ein E-Bike sei „CHEATING!“, haben sie doch alle neidisch geschaut. In einer Stadt wie San Francisco merken Einige, dass man mit einem E-Bike schneller ist als mit einem Auto. Das führt auch dazu, dass die Stadt reagiert, indem sie Radfahrern mehr Platz auf der Straße einräumt und teilweise auch die Verkehrsführung entsprechend anpasst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass E-Bikes auch in Deutschland eine wichtige Rolle spielen werden – erste Projekte für Fahrrad-Schnellstraßen gibt es ja bereits.

Was ist mit euch? Wie ist eure Meinung zu E-Bikes?

mittwald

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Über den Autor

Mark Kreuzer

14 Kommentare

  • Ich fahre mit dem Fahrrad hauptsächlich aus Fitnessgründen die 8km in die Firma.. ein Pedelec würde den Effekt schmälern. 25km/h fahre ich auch so, manchmal schneller. Aber, bis auf eine Brücke ist hier auch alles eben. Drum: Ich bleib erstmal noch unterstützungsfrei..

    • Bei 8km und dann noch vielleicht ohne nennenswerte Steigung, da würde ich auch auf den Antrieb verzichten, aber wenn es ein wenig mehr wird? Außerdem kann man ja regeln wie viel Unterstützung man will.

      Mich wird es bestimmt eher dazu bringen, das E-Bike wirklich als Alternative zum Auto zur Arbeit zu benutzen.

  • Ich bin eher ein eBike Gegner. Es stellt für mich den Sinn eines Fahrrades als sportliches Transportmittel in Frage. Jedoch sieht das nicht jeder so und wenn durch die Elektrifizierung der Räder einige Menschen dem Radsport zu geneigt werden und ihr Auto dadurch häufiger stehen lassen…… Ist das bereits ein positives Ergebnis.
    Die einzige Gefahr die ich sehe ist das viele die Geschwindigkeit unterschätzen. Ich selbst habe es schon erlebt. Als ich mich auf einem Radweg einordnen wollte sah ich von links 2 Radfahrer weit entfernt entspannt heranfahren. Kaum war ich auf dem Weg, hatte auf knapp 30 hoch beschleunigt, schoss einer der beiden mit über 40 an mir vorbei. Das hat mir dann doch einen Schreck eingejagt. Ich hatte nur auf die Körperhaltung und nicht auf die Geschwindigkeit der herannahenden geachtet… Mein Fehler. Im nächsten Moment dachte ich… Fauler Sack! 😀

  • So ein Rad mit Unterstützung bis 45 km/h würde mich auch reizen, aber ich finde es nervig, dass man dann zwangsläufig mit Helm fahren muss und ein Versicherungskennzeichen braucht.

    • Oh ehrlich? Das ist wieder so Deutsch. (Also nicht der Helm, denn sollte man wirklich beim Fahrradfahren anziehen) Aber ein Versicherungskennzeichen? GRRR wobei selbst das kann mich nicht abschrecken.

      • Natürlich braucht man für ein 45 km/h e-bike einen Führerschein, Versicherung und dann bitte auch keine Radwege mehr nutzen, sonst können wir die Motorroller auch gleich auf den Radwegen fahren lassen.
        Das ist dann einfach ein Moped mit e-Antrieb und soll auch so behandelt werden.

        Auch Pedelec Fahrer sind oft völlig überfordert. Viele sind vorher nie oder nur sehr selten Rad gefahren und verhalten sich entsprechend gefährlich. Es wird nicht geschaltet (der Motor gleicht das ja aus), und wenn es der Motor dann in hohem Gang an einer Steigung nicht mehr schafft, wackeln sie dann hin und her und fallen am Ende um. Hab schon einigen wieder auf die Beine geholfen, nachdem ich ne Vollbremsung hinter mir hatte, weil ich die Steigung naturgemäss schnell angefahren bin, und der Pedelec Fahrer seinen Motor völlig überschätzt hat. Viele schalten einfach nicht, die fahren ihr Pedelec in dem Gang, in dem es ausgeliefert wurde.
        Auch ein paar Treppenstufen werden für die e-biker schon zur Herausforderung, da sind dann schon mal lässig 15kg mehr zu tragen. 1 Jahr regelmäßig mit dem Fahrrad fahren und schon ist man so gut trainiert, daß einem Pedelecs eh zu langsam sind.

  • Ich fahre Rad, weil es mir Spaß macht. Und auch einen Berg hoch und oben wie ein Walross schnaufen, gefällt mir. Ich weiß dann, dass ich etwas für mich geschafft habe.

    Ich werde mir erst ein eBike anschaffen, wenn der Akku locker 150km hält. Dann kann man auch mal Touren machen, die man so vielleicht nicht in Angriff nimmt. Für eine Tour mit 60-80km brauch ich kein eBike. Und wenn ich eins hätte, müsste ich da ja Angst haben, dass der Akku vorher zusammenbricht. Oder ich müsste mir für 700EUR einen Zweit-Akku kaufen.

    Nein, dafür ist das Thema eBike für mich noch nicht ausgereift genug und viel zu teuer.

    • Bei der Tour war ein Bike von Riese dabei, dass zwei Akkus hatte und die 150km locker schafft. Viel Spaß damit 😉

      Die Technologie hat auf mich extrem ausgereift gewirkt. Du kannst die Unterstützung ja auch auf niedrige Stufe oder ausstellen, dann hast du dank extra Gewicht einen Trainingseffekt.

      Ich hätte die 42km definitiv nicht ohne Elektromotor durch SF geschafft und ganz ehrlich wenn ich zur Arbeit fahre will ich nicht total fertig sein wenn ich da ankomme, deshalb ist das mit der Unterstützung ne gute Sache.

      Ich fand den Kommentar von „Gast“ super „jeder darf, keiner muss“

      • Der Autor hat ja jeden zu seiner Meinung gefragt. Und die habe ich mitgeteilt. Ich habe weder jemanden angegriffen, noch habe ich meine Aussage als allgemein gültig hingestellt.

  • ich traue dem EBike eine ganz große Zukunft zu – und zwar nicht, weil alle zu faul zum klassischen Radeln sind, sondern weil es neue Zielgruppen (ältere Menschen, Menschen mit Handicap) genauso wie neue Nutzungsfelder (Lastenfahrräder, Transportfahrräder, Pendler-Bikes) erschließen kann. Und ich würde mich riesig freuen, wenn diese Entwicklung ohne „Glaubenskrieg“ ablaufen könnte – jeder darf, keiner muss.

  • Die Kommentare hier zeigen eigentlich recht deutlich wie polarisiert dieses Thema grundsätzlich ist und wie viele Vorurteile es dazu gibt.

    Ich fahre selbst ein ganz aktuelles (2017) Modell (gibst eigentlich noch gar nicht zu kaufen).
    Ursprünglich wollte ich mir eigentlich ein Motorrad kaufen, da ich schon seit meiner Kindheit Lust habe querfeldein durch die Landschaft zu fahren. Ok, 40km südwestlich von München wohne ich auch in einer dafür geeigneten Landschaft. Aber das Problem ist: mit einer Enduro darfst ja praktisch nirgendwo fahren. Und die Gründe dafür sehe ich ja auch ein: die Lärmbelästigung ist erheblich und schwere Maschinen können eben auch schwere Schäden in Wald und Flur hinterlassen. Zumal ja viele Wälder auch privat Besitz sind und der Zugang von Fußgängern und Radlern lediglich geduldet ist, Enduros aber draußen bleiben müssen.

    Also begann ich mich vor geraumer Zeit mit dem Thema eBike zu beschäftigen. Dabei stellte sich heraus, dass gerade in den letzten Jahren ein echter technologischer und Design Fortschritt auszumachen ist. Für meine „Anwendung“ -eine elektrische Enduro- mit der ich mich umweltfreundlich an der frischen Luft bewegen kann eigentlich das ideale Vehikel. Vorbei die Zeit als ein Pedelec ein Radl mit elektrischem Hilfsmotor und hässlicher angeflanschter Batterie war. (Sorry Mark, aber irgendwie sieht dein Test-Bike so aus….) Und ganz ehrlich, der sportliche Aspekt kommt damit bestimmt nicht zu kurz. Es muss schließlich ordentlich getreten werden und zwar nicht zu knapp. Auch die Fahrweise im Gelände unterscheidet sich erheblich vom MTB da ganz andere Kräfte im Antrieb verfügbar sind. Ich würde tatsächlich soweit gehen und behaupten, dass es sich nicht mehr um ein Fahrrad und auch kein Motorrad handelt. Eine neue Klasse von Sportgerät das sicher ganz viel Potential für die Zukunft hat.

    Gerne bin ich bereit mal mit einem MTB Puristen eine Art Shootout zu fahren und auf die Stimmen hinterher gespannt…. 😉

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