In eigener Sache

Plädoyer für ein engeres Miteinander in 2017: Habt euch lieb, verdammt!

2016 John Oliver LastWeekTonight
geschrieben von Tobias Gillen

„Fuck you, 2016.“ So schließt US-Talkstar John Oliver mit diesem Jahr ab. Und in der Tat: In diesem Jahr ist viel Scheiße passiert. Trotz allem – oder: gerade deswegen – ein Plädoyer für ein engeres Miteinander in 2017. 

Ereignisreich. Das trifft es wohl, wenn man das Jahr 2016 zusammenfassen soll. Terror, Populismus, Hetze, Angstmache. Ich merke, wie ich zunehmend abstumpfe, was schlimme Meldungen angeht. Ich versuche mich abzuschotten, um mich selbst zu schützen. Viel zu belastend sind all die Bilder in den Nachrichten. Tote hier, Verletzte da. Anschlag hier, Festnahme da. Die Stimmung wird kälter, angespannter, beängstigender.

Es gibt nur einen Weg, den Menschen entgegenzutreten, die unsere Gesellschaft zu spalten versuchen mit all den schrecklichen Taten der vergangenen Monate: Liebe. Miteinander. Hilfsbereitschaft. All die Populisten und Hetzer, die Panikmacher da draußen ziehen ganz bewusst die falschen Schlüsse aus Terror. Sie sind der Meinung, dass ein Gegeneinander die Lösung sei. Dabei ist doch genau das das Ziel der Terroristen. Unruhe stiften, uns entzweien, unsere Menschlichkeit an den Nagel hängen und ihrem Muster folgen.

Miteinander reden, wieder Mensch sein

Was aber, wenn wir anfingen, wieder miteinander zu reden? Unsere menschliche Seite auszupacken und einander zu helfen? Wollen wir den Terroristen und Unmenschen wirklich den Gefallen tun und alle Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen, nur weil ein paar Arschlöcher unterwegs sind, die Scheiße bauen? Wollen wir Gäste in unserem Land vorverurteilen, nur wegen ihrer Religion? Wollen wir Populisten blind hinterherrennen, nur weil sie laut sind?

Ob rechts oder links, groß oder klein, schwarz oder weiß, Deutscher oder Flüchtling, Amerikaner, Russe, Europäer oder Türke, Christ oder Muslim – Arschlöcher gibt es mit jeder Religion, Herkunft, Hautfarbe, politischer Orientierung. Und genau diese Arschlöcher dürfen uns nicht so sehr verunsichern, dass wir unsere Werte und Prinzipien über Bord werfen und den Populisten und Hetzern folgen. Was wir nur zu oft vergessen, ist leider, wie viele wunderbare Menschen es gibt. Wie sehr uns Vielfalt bereichert. Wie sehr wir profitieren von Offenheit, Zuhören und Gastfreundschaft.

Deshalb ist mein Wunsch an 2017: Lasst uns wieder zusammenrücken. Lasst uns bei den Fakten bleiben und sie nicht solange verdrehen, bis sie in unsere Argumentation passen. Lasst uns konstruktive Gespräche führen. Rechts ist nicht gleich schlecht. Links nicht gleich gut. Und umgekehrt genauso. Beide Seiten haben ihre Berechtigung, beide Ansichten sind legitim. Dafür – und genau dafür! – sind wir ein freies Land. Nur ins Extreme und/oder Populistische darf es nicht gehen, dann wird es gefährlich.

Wenn wir zurückkehren zu etwas, das den Namen Diskussion verdient, dann hören wir vielleicht auf damit, die Gegenseite wüst zu beschimpfen oder unter Druck zu setzen und so den lauten Populisten in die Karten zu spielen, die genau davon profitieren.

Viele Aufgaben für 2017 – aber auch eine neue Chance

2016 war ein scheiß Jahr – das ist sicher. Morgen ist Weihnachten. Das Fest der Zusammenkunft. Das Fest der Liebe. Danach beginnt ein neues Jahr, mit großen Aufgaben und mit der Verantwortung für uns, das Richtige zu tun. Aber auch mit einer Chance, es besser zu machen. In diesem Sinne: Habt ein frohes Weihnachtsfest, kommt gut ins neues Jahr 2017 und habt euch endlich wieder lieb, verdammt!

Euer Tobias von BASIC thinking


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Über den Autor

Tobias Gillen

Tobias Gillen ist seit August 2014 Chefredakteur und seit Mai 2015 Geschäftsführer von BASIC thinking. Erreichen kann man ihn immer per E-Mail oder in den Netzwerken.

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